Filmplakat Mandy
5/10

„That was my favorite shirt!“ (Mandy, 2018)


Mandy

Besprechung

Red Miller (Nicolas Cage) ist Holzfäller und er lebt mit seiner großen Liebe Mandy (Andrea Riseborough) irgendwo in den Shadow Mountains. Eines Tages läuft Mandy im Wald Jeremiah Sand (Linus Roache) über den Weg. Der ist der Anführer einer religiösen Sekte. Jeremiah ist sofort besessen von Mandy. Er veranlasst seine Jünger Mandy zu ihm zu bringen. Dafür beschwört Brother Swan (Ned Dennehy) Biker aus der Hölle herauf.

Mandy wird gekidnappt und unter Drogen gesetzt. So soll sie gefügig werden und mit Jeremiah schlafen. Doch die kränkt den fanatischen Jesusfreak – woraufhin er sie vor den Augen von Red verbrennt. So lassen die “Children of New Dawn” Red zurück.

Der kann sich befreien und macht Jagd auf Jeremiah und seine durchgeknallten Anhänger.

Meinung von

Erster Film des diesjährigen Fantasy Filmfests im Savoy. Ich sah den Trailer und es war klar, dass ich den Scheiß sehen muss. Nicolas Cage liefert sich da einen Kettensägenkampf! Wer will das nicht sehen?? Außerdem munkelte man, der Cage würde seine Rolle großartig spielen. Das wäre doch mal was.

Der zweite Film von Regisseur und Autor Panos Cosmatos ist krank. Seien wir ehrlich, das ist krank. Ich meine: Cheddar Goblin? Wirklich?

Die Geschichte ist wirklich kurz erzählt. Viel mehr passiert nicht. Es wird wenig geredet, dafür sehen wir viele, viele seltsame Dinge. Optisch ist der Streifen wahrlich beeindruckend. Das wird durch die Musik des isländischen Komponisten Jóhann Jóhannsson hervorragend unterstützt. Aber dennoch ist das, was an Inhalten, an Geschichte zu sehen ist, recht mager.

Ich kann mich deshalb nur auf einzelne Aspekte beziehen. Noch einmal die Optik: Reiner Wahnsinn. Grobes Korn, viele Unschärfen, mächtig viel Rot und immer wieder Nebel. Das sind die vorherrschenden Stilmittel von Cosmatos in Mandy. Das viele Rot taucht den gesamten Film mit dem Kopf voran in die Hölle und flanscht diesen dann in einen Wald.

Sehen wir die blass geschminkte Andrea Riseborough (u.a. Oblivion, Birdman), hat sie riesige Pupillen. Sie scheint auch vor der Verabreichung von Drogen von einer anderen Welt zu sein. Wir sehen sie in rotes und in grünes Licht getaucht. Das Farbspiel in Mandy muss irgendeinem Drogentrip entnommen sein. Den Eindruck hat man an diversen Stellen. Das Bild läuft langsam und zieht Schlieren, der Ton wird gedehnt – alles Auswirkungen eines einzigen Halotrips. Und wir als Zuschauer sind mitten drin.

Linus Roache hat nur wenige Auftritte, die sind dann aber wortgewaltig und beeindruckend gespielt. Wer aber wirklich mal die Hosen runter gelassen hat – im wahrsten Sinne –, das ist Nicolas Cage. Wir kennen ihn immer eher als völlig überdrehten Irren (The Rock), dabei kann er auch anders (Bad Lieutenant). Was er aber hier zeigt, ist wirklich mal neu. Anfangs ist Cage ein liebender Mann, er ist zärtlich und hört zu. Als man ihm dann seine Liebe nimmt, wird er wild. Aber eben nicht Cage-wild, sondern besser.

Nachdem er sich hat befreien könne, schleppt er sich zurück in seine Waldhütte, wo er zusammenbricht. Er kippt den Alkohol in sich hinein bis es schmerzt. Er schreit und weint. Das kam bei einigen im Saal seltsam rüber und sie lachten nervös. Dabei lässt Cage hier einmal richtig gut Gefühle raus. Alles was danach kommt ist gewaltig. Als er dem einen Monster-Biker das Genick bricht, hat Cage einen Blick drauf: Unbezahlbar! Er kann also doch gut schauspielern.

Die Geschichte ist eher schlecht, wir sehen wenig Handlung und haben kaum Dialoge. Dafür wird uns ein wildes, optisches Monster präsentiert, das musikalisch grandios untermalt ist. Ich gebe dem Film zwei Moviejunkies-Punkte. Zwei! Aber es kommt ein Punkt für den Trip dazu. Ein weiterer Punkt wird für den Weirdness-Faktor vergeben – der Film ist echt mega-schräg! Und schließlich gebe ich noch einen für Cage, seine Monster-Axt und den oben erwähnten Kettensägen-Kampf.

Wer selber gerne Drogen einwirft, wird sich hier heimisch fühlen. Ansonsten ist der Film aber nur etwas für ganz Hartgesottene.

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