Filmplakat Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen
6,5/10

„Seine Seele tanzt doch noch ...“ (Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen, 2009)


Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen

Besprechung

New Orleans nach dem Hurrikan Katrina. Der Polizist Terence McDonagh (Nicolas Cage) rettet einen Mann und wird zum Lieutenant befördert. Als solcher geht er dem Mord an einer Familie Flüchtige aus dem Senegal nach. Der Mann hat mit Heroin gedealt und kam damit dem mächtigen Dealer Big Fate (Xzibit) in die Quere.

McDonagh ermittelt, wird aber von sich selber beeinträchtigt. Der Lieutenant nimmt Drogen. Wenn er Kleindealer dingfest macht, steckt er sich das Dope selber ein. Auch lässt er sich von Mundt (Michael Shannon) aus der Asservatenkammer immer wieder beschlagnahmtes Koks besorgen. Teile davon gibt er seiner Freundin, der Edelprostituierten Frankie (Eva Mendes).

Nicht nur Drogen sind sein Ding, auch Sportwetten – die der korrupte Bulle nur zu oft verliert und deshalb hohe Schulden hat. Langsam nehmen Drogenkonsum und finanzielle Probleme Überhand. McDonagh geht einen Deal mit Big Fate ein.

Meinung von

Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen ist ein Film, den sich Regisseur James Gunn gleich noch einmal angeschaut hat, nachdem er ihn das erste Mal sah. Da wollte ich doch mal wissen wieso. Es heißt, die schauspielerische Leistung von Nicolas Cage sei sehenswert. Stimmt das?

Cage ist nicht gerade dafür bekannt, ein toller Schauspieler zu sein – auch wenn er einen Oscar für Leaving Las Vegas erhalten hat. Oft schaut er übertrieben irre in die Kamera und überspitzt sein Spiel. In Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen macht er tatsächlich eine gute Figur. Durch die Rettungsaktion am Anfang des Films erleidet McDonagh ein Rückenleiden. Er hat ständig Schmerzen und bekommt vom Arzt Drogen verschrieben. Cage geht in Schonhaltung, man merkt ihm den Schmerz an.

McDonagh ist skrupellos und gemein. Das kommt zwar rüber, könnte für meinen Geschmack aber durchaus noch deutlicher ausfallen. Das mit den Drogen nimmt man ihm hingegen wieder ab. Während der Dreharbeiten zu Leaving Las Vegas, wo er einen Alkoholkranken spielt, soll Cage auch selber getrunken haben. So weit ist die Hingabe für Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen nicht gegangen. Cage hat laut eigener Aussage keine Drogen genommen. Seine Darstellung ist aber durchaus sehenswert.

Ganz groß ist die Szene, wenn die Polizei ein Haus beobachten, McDonagh dazu kommt und sich über die Leguane beschwert. Aber da sind keine Reptilien. Das ist alles in seinem Drogenkopf. Regisseur Herzog wählt eine großartige Perspektive – die Leguane im Vordergrund, die Polizisten dahinter, schräg von unten gefilmt und Cages Figur schaut aus dem Augenwinkel skeptisch zu den laufenden Handtaschen. Sind sie da? Nein? Aber er sieht sie doch ...

Für mich ist die Tatsache, dass Cages Schauspiel in Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen so sehenswert ist, ein Verdienst von Regisseur Werner Herzog. Ein Regisseur sollte seine Schauspieler im Griff haben und sie anleiten. Das scheint Herzog mit Cage geschafft zu haben. Aber – Hey! – Herzog hatte auch in den 70ern/80ern mit Klaus Kinski zu tun gehabt. Wer das überlebt, der ist gewappnet (Kennt Ihr den großartigen Kurzfilm Killing Klaus Kinski?).

Herzog führt uns in die dunkle Welt von McDonagh. Irgendwann werden die Drogenwahrnehmungen so seltsam, dass wir uns fragen, ob dies oder jenes, das der Polizist da gerade erlebt, auch wirklich noch real ist. Der Streifen hätte in einer totalen Zerstörung enden können, einem einzigen Drogenrausch, von dem wir nicht mehr wissen, ob das Gesehene echt ist (ein bisschen wie Terry Gilliams Fear and Loathing in Las Vegas). Stattdessen schwenkt er kaum merklich in Hollywoods seichte Gewässer ab. Terences Vater Pat (Tom Bower) kommt von den Drogen weg. Der zieht Frankie ebenso mit, auch die wird clean. Die Probleme von Terence lösen sich alle in Luft auf, seine Spielschulden sind beglichen ... - Was soll das?

Manchmal hatte ich den Eindruck, uns soll vermittelt werden, dass man mit Drogen super Verbrechen lösen kann und mit jedem noch so krassen Scheiß davon kommt. Und das scheint sich zu bewahrheiten. Bis aufs Ende ist der Film gut.

Es gibt übrigens noch einen Film namens Bad Lieutenant aus dem Jahre 1992, in dem Harvey Keitel den drogensüchtige, korrupten Polizisten spielt. Regisseur Abel Ferrara hat sich sehr über das Remake aufgeregt und allen Beteiligten mehr oder weniger die Pest an den Hals gewünscht. Doch Herzog beteuert, weder den Film gesehen, noch jemals von Ferrara gehört zu haben. Wir lassen das mal so im Raum stehen.

Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen ist ein guter Krimi mit einem ansehbaren Nicolas Cage.

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