Filmplakat Layer Cake
8/10

„England. Typisch! Da arbeiten nicht 'mal die Dealer am Wochenende.“ (Layer Cake, 2004)


Layer Cake

Besprechung

Will man im Drogenhandel überleben, muss man bestimmte Regeln befolgen. Zum Beispiel sollte man nie zu gierig sein, nie zu große Mengen verarbeiten, seinen Mitarbeiterkreis möglichst gering halten, keinen Kontakt zum Endverbraucher haben, seine Gegner ernst nehmen, seine Mittelsmänner stets pünktlich bezahlen und sich bloß von verrückten, durchgeknallten Möchtegernganoven fern halten. Daran hält sich der namenlose und durchaus erfolgreiche Kokaindealer XXXX (Daniel Craig). Bis eines Tages sein Zulieferer Jimmy Price (Kenneth Cranham) an ihn herantritt und ihm zwei Jobs gleichzeitig aufs Auge drückt. Zum einen soll er die Tochter seines Geschäftskameraden Edward Temple ausfindig machen und dann soll er auch noch einen Deal mit dem irren Duke (Jamie Foreman) abwickeln.

XXXX hat eine weitere, einfache Regel: Auf der Spitze aufhören. Diesen einen Job noch, dann ist er raus. Dabei schmeckt ihm die Zusammenarbeit mit Duke überhaupt nicht. Der hat in Amsterdam eine Horde gesuchter, serbischer Kriegsverbrecher ausgenommen und will nun in England 1 Mio Ecstasy-Pillen auf den Markt bringen. XXXX soll ihm dabei helfen. Dass die Bestohlenen nicht gerade froh über den Diebstahl sind, dürfte klar sein.

Doch ein Dritter spielt mit: Jimmys “Geschäftspartner” Eddie Temple (Michael Gambon) schnappt sich den Drogendealer und zeigt ihm, was sich hinter den Aufträgen von Jimmy wirklich verbirgt. Der Ausstieg aus dem Dealer-Geschäft wird für XXXX immer schwerer und verworrener.

Meinung von

Das Erstlingswerk von Regisseur Matthew Vaughn, der uns in den kommenden Jahren noch so schöne Filme wie Der Sternwanderer oder Kick-Ass beschweren sollte. Doch da man bis dahin noch nichts von dem Engländer gehört hatte, ging dieser schöne Gangsterfilm bei uns leider unter. Hierzulande erschien Layer Cake nur auf DVD. Dabei ist das ein guter Film!

Betrachtet man die Thematik (Drogendealen in Großbritannien), dann denkt man unweigerlich an Bube, Dame, König, grAs oder Snatch — beide von Guy Ritchie. Doch Vaughn hat einen anderen Weg eingeschlagen als sein Landsmann. Bei Ritchie sind die Figuren alle skurril, abgedreht, völlig gaga. In Layer Cake nähert sich Vaughn dem Thema des Drogenhandels aus einer etwas seriöseren Ecke an. Bis auf die Figur des Duke sind hier alle Protagonisten eher "wirklich". Daniel Craig ist kein Ausgeflippter, wie in den beiden oben genannten Guy Ritchie-Filmen. Er ist ein nüchtern denkender Geschäftsmann, der überleben will in seiner kriminellen, gewaltvollen Welt — bis hin zum geplanten Ausstieg.

Layer Cake ist ein guter Thriller um eine Welt, zu der wir Zuschauer hoffentlich keinen Zugang haben. Dabei spricht Craigs namenlose Figur durchaus davon, dass in London jeder irgendwas mit Drogen zu tun hat. Entweder direkt oder indirekt. An jeder Ecke kann man über so eine Person stolpern. Drogen sind überall. Deshalb lässt sich auch ein so gutes Geschäft damit machen. Ein sehr zynisches Bild, das uns Vaughn da präsentiert.

Wie bereits erwähnt, ist Layer Cake kein ausgeflippter Film voller Psychopathen. Es geht um Geschäfte. Platz für viel Witz bleibt da nicht. Was aber auch nicht nötig ist. Layer Cake "wirkt" anders.

Craig spielt gut, ebenso Gambon oder auch Craigs späterer Partner Colm Meaney. Warum auf dem Cover mit Sienna Miller geworben wird, bleibt mir ein Rätsel. Die taucht vielleicht fünf Minuten im Film auf und sagt drei Sätze. Naja, ein weibliches Lockvögelchen brauchten sie wohl.

Der Duke, das konnte ich dann auf der DVD doch mal austesten, ist übrigens nur in der deutschen Synchronisation so nervig, da die Synchronstimme irgendwie quäckig ist. Im Original wirkt Jamie Foreman anders. Seine Filmfreundin Slasher (Sally Hawkins) hingegen, die ist in beiden Versionen nervig und auf Droge. Das sollte wohl so sein.

Wer Guy Ritchie-Filme mag, aber keinen Bock mehr auf schräge Vögel hat, der ist mit Layer Cake gut bedient.

Das Ende des Films ist übrigens überraschend und gut. Anders hätte es nicht sein dürfen.

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