Filmplakat James Bond 007 – Liebesgrüße aus Moskau
7,5/10

„Sie hat wirklich einen schönen Mund.“ (James Bond 007 – Liebesgrüße aus Moskau, 1963)


James Bond 007 – Liebesgrüße aus Moskau

Besprechung

Die terroristische Vereinigung „Phantom“ plant eine Dechiffriermaschine von den Russen zu stehlen – mit Hilfe des britischen Geheimdienstes. Phantom-Mastermind Kronsteen (Vladek Sheybal) hat sich diesen Plan ausgedacht. Nicht nur soll man so an die Dechiffriermaschine gelangen, man will sich auch für den Tod an Dr. No rächen. Kronsteen weiß, dass der britische Geheimdienst seinen besten Mann schicken wird: James Bond (Sean Connery).

Bond und sein Chef „M“ (Bernard Lee) sind sich einig, dass es sich hierbei um eine Falle handeln muss. Aber die Verlockung an eine Dechiffriermaschine zu kommen ist zu groß. Angeblich hat sich eine Mitarbeiterin der russischen Botschaft in der Türkei in Bond verliebt. Nur anhand seinen Passfotos. Bei der Agentin handelt es sich um Tatiana Romanova (Daniela Bichani), die von Phantom-Mitarbeiterin Rosa Klebb (Lotte Lenya) angeheuert wurde. Klebb war beim KGB und das glaubt die Romanova auch noch immer. Als brave Genossin nimmt sie den Auftrag an, den britischen Spion mit falschen Informationen zu füttern.

Das Treffen zwischen Bond und Romanova findet in Istanbul statt. Hier ist Kerim Bey (Pedro Armendáriz), Leiter von Station T, der hilfreiche Verbindungsmann für Bond. Klebb hat den Muskelprotz Grant (Robert Shaw) auf Bond angesetzt. Wenn es Bond hinbekommt, die Dechiffriermaschine zu erbeuten, soll Grant den 00-Agenten unschädlich machen. Bis dahin schürt der einen Krieg zwischen den Bulgaren, die für die Russen arbeiten, und den Türken.

Meinung von

Viele Bond-Fans nennen Liebesgrüße aus Moskau als ihren Lieblingsbond. Der erste Bond-Streifen, James Bond 007 jagt Dr. No war ein riesiger Erfolg. Regisseur Terence Young war wieder an Bord. Diesmal hatte er doppelt so viel Budget. Das musste gut gehen. Dabei war der Film von Schwierigkeiten geplagt.

Das Drehbuch war nicht gut, die Dialoge zu hölzern. Young nahm oft noch am Drehort Änderungen vor, die dann schnell umgesetzt werden mussten. Am schwierigsten für alle war jedoch, dass Pedro Armendáriz nach der Hälfte der Dreharbeiten mit einem unheilbaren Krebs diagnostiziert wurde. Young warf alle Pläne über den Haufen und drehte zunächst die Szenen mit Armendáriz. Der hatte stets Angst, er würde den Film nicht mehr zu ende bekommen. Er schaffte es, nahm sich dann aber kurz darauf das Leben.

Daniela Bianchi sprach kein Englisch, das heißt ihre Textpassagen mussten nachsynchronisiert werden. Die Dreharbeiten verzögerten sich, das Budget war aufgebraucht und noch nicht alles im Kasten. Young wollte nacharbeiten und musste kreativ werden. Das sind alles keine guten Voraussetzungen – heraus kam einer der beliebtesten Bond-Streifen überhaupt.

Die Geschichte ist aber auch gut, Istanbul als Drehort exotisch, die Bianchi ebenso. Ja, aus heutiger Sicht ist die Figur der Romanova echt blöd. Wir erwarten starke Frauen, die Romanova schmachtet Bond an wie ein kleines Hündchen. Das ist schon ein wenig peinlich, wenn man das heute sieht.

Grant als Bösewicht ist groß. Robert Shaw spielt den Schurken, der weite Strecken des Films kein Wort sagt, wunderbar. Er hat blondierte Haare und schaut echt fies aus. Die aus Österreich stammende und in Deutschland bekannte Lotte Lenya soll eine überaus liebenswerte Frau gewesen sein, vor der Kamera macht sie eine 180-Grad-Wendung und ist herrlich böse. Und wer könnte die Kampfszene mit dem Dolchschuh vergessen?

Apropos: Liebesgrüße aus Moskau markiert das Auftauchen des Waffenmeisters "Q" (Desmond Llewelyn) – der hier allerdings als Boothroyd vorgestellt wird. Mit Q kommen dann auch die so genannten Gadgets auf. Als erstes Bond-Gadget haben wir den famosen Aktenkoffer. Der enthält ein in sieben Teil zerlegbares Gewehr mit Infrarot-Linse, 20 Schuss, 50 Goldmünzen, einem Wurfmesser und einer Rauchbombe, die jedem entgegen springt, der den Koffer falsch öffnet. Heute klingt das lächerlich, damals war das einfach nur WOW.

Wenn Bond und Romanova aus dem Zug springen und von den Phantom-Söldnern mit einem Hubschrauber angegriffen werden, flieht Bond. Der Hubschrauber verfolgt den Agenten über eine hügelige Landschaft. Das ist eine Hommage an die Flugzeugszene in Der unsichtbare Dritte. Wo wir eben die Organisation Phantom erneut erwähnten – wieso man S.P.E.C.T.R.E. im Deutschen Phantom nennt, ist mir bis heute ein Rätsel. Vermutlich haben sie das gemacht, weil spectre im Britischen auch Gespenst oder Phantasma heißt.

Ich bin mit Liebesgrüße aus Moskau aufgewachsen. Der lief früher häufiger im Fernsehen. Für einen kleinen Jungen ist der Film Spannung pur, wenn auch die ganzen politischen Verstrickungen zu viel für mich waren. Die Figur des Kerim Bey ist super-sympathisch. Und in Daniela Bianchi hatte ich mich schon ein wenig verguckt. Wenn sie ihr kleines Bändchen um den Hals hat ... Hach. Aber auch heute ist der Film immer noch gut. Der Film, obwohl alt und an vielen Stellen überholt, kann der Zeit standhalten.

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