Filmplakat Der unsichtbare Dritte
8,5/10

„Ich mag die Art nicht besonders, wie Teddy Roosevelt mich anschaut.“ (Der unsichtbare Dritte, 1959)


Der unsichtbare Dritte

Besprechung

Roger Thornhill (Cary Grant) ist ein Werber aus New York. Bei einem Geschäftsessen in einem Hotel wird er irrtümlich für einen gewissen Mr. Kaplan gehalten – und von zwei Männern entführt. Diese bringen ihn auf das Landgut von Mr. Townsend (James Mason), der von Mr. Kaplan möchte, dass er sich ihm anschließt. Alle Beteuerungen Thornhills, er sei nicht Mr. Kaplan werden ignoriert. Mr. Kaplan ist bekannt dafür, seine Identität zu ändern. Da Thornhill aber wirklich keine Ahnung hat, wovon Townsend und sein Gehilfe Leonard (Martin Landau) die ganze Zeit reden, versuchen sie den unwissenden Thornhill zu töten – was nicht ganz klappt.

Roger versucht am nächsten Tag mit Hilfe der Polizei die Entführung aufzudecken, doch was er auf dem Anwesen von Townsend vorfindet, lässt ihn nur in einem schlechten Licht dastehen. Er versucht dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, wer dieser Mr. Kaplan wirklich ist. Das endet für den Werbefachmann schließlich damit, dass er wegen Mordes von der Polizei gejagt wird. Auf der Flucht begegnet er der hübschen Eve Kendall (Eva Marie Saint), die sich von Thornhill angezogen fühlt und ihm hilft.

Doch Eve umgibt ein dunkles Geheimnis, das gefährlich für Thornhill ist …

Meinung von

Einer der wichtigsten Hitchcock-Filme. Der unsichtbare Dritte hat eine wunderbare Geschichte. Ein Unschuldiger wird mit jemandem verwechselt, was ihn in extreme Schwierigkeiten bringt. Wir haben zudem noch Verrat und Spionage vorliegen. Das ist der Stoff, aus dem gute Geschichten gemacht sind. Ernest Lehman zeichnet verantwortlich für die Handlung, die von einer Idee Hitchcocks inspiriert wurde.

Vier Jahre nach seiner ersten Zusammenarbeit mit Hitchcock (Über den Dächern von Nizza) stand Cary Grant 1959 erneut für den britischen Regisseur vor der Kamera. Sein komödiantisches Können, das er in den Screwball-Komödien seiner Anfangszeit zur Schau getragen hatte, konnte Grant in der einen Szenen zeigen, in der er sternhagelvoll mit dem Auto fährt und völlig verdutzt die entgegenkommenden Wagen bestaunt. Davon abgesehen, spielt Grant vernünftig — was auch nicht wundert, immerhin trachtet den gesamten Film ihm jemand nach dem Leben.

Die dichte Geschichte, die uns Hitchcock präsentiert, erinnert ein wenig an die frühen Werke. Damals war es auch stets ein unbescholtener Protagonist, der Agenten „einer fremden Macht“ davon abhalten sollte, Staatsgeheimnisse ausser Landes zu schmuggeln (z.B. Die 39 Stufen, Geheimagent). Das ist in Der unsichtbare Dritte nicht anders. Die Komponente mit der Verwechslung und die Tatsache, dass dahinter eine Regierungsbehörde steht, die ist neu — und macht den Film spannend. hinzu kommt die geheimnisvolle Eve Kendall.

Eve ist, wie für Hitchcock typisch, von einer blonden Schauspielerin dargestellt. Die Figur ist nicht leicht zu durchschauen. Der Regisseur zeigt sie uns recht schnell als Komplizin von Vandamm (James Mason), dreht den Spieß am Ende jedoch noch einmal um. Das ist heute kein so großer Twist mehr, für damalige Verhältnisse aber wohl recht ordentlich.

Neben der guten Geschichte zeichnet sich Der unsichtbare Dritte aber wohl durch die Szene aus, in der Thornhill von einem Flugzeug gejagt wird. Der Werbefachmann wird in Erwartung endlich Mr. Kaplan zu treffen, irgendwo im Nirgendwo auf einer weiten Straße abgesetzt. Nach einer kleinen Verwechslung – die in ihrer Ruhe und Langsamkeit heutzutage nicht mehr gefilmt werden könnte – kommt das Flugzeug auf unsere Hauptfigur zu. Hitchcock zeigt es dem Zuschauer schon früh, wie es am Horizont Insektizide verstreut, gibt dann einen Hinweis darauf, dass irgendwas faul an der Sache sein müsse und schon macht das Flugzeug Jagd auf Cary Grant. Ich sage nur Maisfeld! Eine der Szenen, die sich in die Bücher der Filmgeschichte geschrieben haben.

Schaut man Der unsichtbare Dritte in der Synchronisation, gibt es nur eine Sache, die stört. Obwohl viele Synchronsprecher Cary Grant ihre Stimme liehen, war es doch Curt Ackermann, der die bekanntesten Filme synchronisierte (z.B. Ich war eine männliche Kriegsbraut, Über den Dächern von Nizza, Unternehmen Petticoat oder Charade). In Der unsichtbare Dritte ist es Erick Ode, der ihm nur in diesem einen Film seine Stimme lieh. Und ich kann mir nicht helfen, diese Stimme passt nicht zu Grant, weshalb sie sehr störend wirkt. Schade.

Spannung, ein dezenter Witz und eine kompakte Story, das zeichnet Der unsichtbare Dritte aus. Ein Film aus der Kategorie "muss man mal gesehen haben!".

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