Filmplakat Jackie: Die First Lady
6,5/10

„Objekte und Kunstgegenstände sind viel langlebiger als Menschen.“ (Jackie: Die First Lady, 2016)


Jackie: Die First Lady

Besprechung

Nachdem ihr Mann, der 35. Präsident der Vereinigten Staaten, in Dallas erschossen wurde, muss Jacqueline Kennedy (Natalie Portman) sehr stark sein. Eine Nation, die Welt schaut auf sie. Im abgelegenen Sommerhaus der Kennedys gibt sie später einem Journalisten (Billy Crudup) ein Interview, das Einblicke gewährt in das private Leben von Jackie Kennedy und was sie hat durchleiden müssen nach dem Attentat, aber auch schon vorher. Da der Journalist seine Geschichte eh nicht ungefiltert veröffentlichen darf, ist dieses Gespräch wie eine Beichte.

Jackie erzählt, wie sie verzweifelt versucht hat, das Ansehen von John F. Kennedy (Caspar Phillipson) hoch zu halten. Sie möchte eine große Prozession für ihn, der Größe des JFK angemessen, doch man rät ihr davon ab. Auch Schwager Bobby Kennedy (Peter Sarsgaard) rät ihr zu einer kleinen Abschiedsfahrt im geschützten Wagen. Die Nation ist nach dem Attentat in Aufruhr und alarmiert.

Die immer recht stoisch wirkende Jackie zeigt, wie verletzt und verzweifelt sie war nach dem Tod ihres Mannes, dass sie keine Ahnung mehr hatte, wer sie war. Lyndon B. Johnson (John Carroll Lynch) ist schon vereidigt, Jackie stand kurz davor, mit ihren beiden Kindern aus dem Weißen Haus rausgeworfen zu werden.

Mit Unterstützung ihrer Sekretärin Nancy Tuckerman (Greta Gerwig) und auch eines Priesters (John Hurt) schafft sie es, die turbulenten Tage nach dem Attentat zu überstehen.

Meinung von

Keine leichte Kost, aber gut gemacht. Wir haben Filme über das Wirken Kennedys während der Kubakrise, ein Versuch das Attentat auf JFK zu erklären und auch einen Film über Bobby Kennedy. Nun also die schwersten Stunden von Jackie Kennedy. Das gezeigte Interview spielt an auf das LIFE-Magazin-Interview von Theodore H. White, das tatsächlich stattgefunden hat, wobei der Name des Journalisten in Jackie nicht genannt wird.

Natalie Portman soll die ehemalige First Lady sehr ausgiebig studiert haben. Was sie uns liefert ist eine stets um Haltung bemühte Frau. Sie hatte es nicht leicht. Mit den Kennedys wurde sie nie so recht warm, ihr Mann hatte Affären, Jackie selber eine Todgeburt und der jüngste Spross starb nur kurze Zeit nach der Geburt. Die Menschen schauten auf sie als First Lady und wunderten sich, wofür die das Geld ausgab. Tatsächlich hat sie versucht das Weiße Haus so zu renovieren, dass es ein Ort für Geschichte werden sollte. Zudem unterstütze sie die Kunstszene. Dann das Attentat, das Jackie in eine Sinnkrise stürzte – neben der verständlichen Trauer.

Sie wirkt hart und kalkuliert. Dabei will sie nur, dass die Menschen ihren Ehemann als strahlenden Ritter in Erinnerung behalten. JFK soll das Musical „Camelot“ von Lerner und Loewe geliebt haben, das soll auch das Motto sein, das den Film durchzieht. Jackie weiß, dass es nach JFK kein Camelot, kein strahlendes Amerika mehr geben wird. Eine heile Welt bricht zusammen, doch man soll sich an den König und seine Ideale erinnern.

Die Darstellung von Natalie Portman ist sehr intensiv, das wird noch untermalt durch die oft sehr intime Kameraführung von Stéphane Fontaine, der teils sehr nah an Portman rangeht. Wir sehen sie und den Journalisten oft in einer Frontaleinstellung, in der Mitte des Bildes platziert, gerade noch so an der Kamera vorbeischauend. Man hat den Eindruck, die beiden reden nicht miteinander, sondern mit dem Zuschauer, was das Kinoerlebnis sehr eindringlich macht. Wenn Jackie sich vor der Beisetzung mit dem Priester unterhält und ihm sehr intime Gedanken und Zweifel preisgibt, dann stehen Hurt und Portman sehr dicht beieinander, die Kamera verletzt ihre Privatsphäre. Oft wird die Handlung, ein Dialog, durch einen harten Schnitt unterbrochen. Das wirkt alles unangenehm, verdeutlicht aber die Situation, in der sich Jackie befindet. Ein Übriges erledigt die unheilschwangere Musik von Mica Levi, die sich anhört, als ob ständig ein Flugzeug abstürzen würde, es dem Untergang entgegenginge.

Natalie Portman erhielt für ihre Darstellung zu Recht eine Oscar-Nominierung. Der Film wirkt durch die immer wieder eingeschnittenen Dokumentarfilme sehr authentisch.

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