Filmplakat Bobby
8/10

„Die Weißen haben gar keine Lust dich zu unterdrücken, Miguel. Die Weißen haben's nur nicht gerne, wenn man sie in die Ecke drängt.“ (Bobby, 2006)


Bobby

Besprechung

4. Juni 1968 – Die Vorwahlen in Kalifornien erreichen ihren Höhepunkt. Im Ambassador Hotel in Los Angeles soll der Präsidentschaftskandidat Robert F. Kennedy auftreten. Entweder wird es eine Sieges- oder eine Niederlagen-Rede. Während die Wahlkampfhelfer noch die letzten Stimmen einholen wollen, erleben wir, was völlig normale Menschen, die sich ebenfalls im Ambassador aufhalten, erleben.

Da sind z.B. der Hotelmanager Paul (William H. Macy), der eine Affäre mit der Telefonistin Angela (Heather Graham) hat, während seine Frau Miriam (Sharon Stone) im hoteleigenen Schönheitssalon arbeitet. Paul hat gerade den Küchen-Manager Daryl (Christian Slater) gefeuert, weil der rassistisch ist. In der Küche arbeitet auch Jose (Freddy Rodríguez), der schon wieder eine Doppelschicht schieben muss, obwohl er doch lieber mit seinem Vater zum Baseballspiel gehen wollte. Küchenchef Edward (Laurence Fishburne) teilt Joses Liebe zum Baseball.

Dann sind da aber auch noch der Banker Jack (Martin Sehen), der mit seiner Frau Samantha (Helen Hunt) eine zweite Hochzeitsreise macht. Kurz vor der Eheschließung stehen Diane (Lindsay Lohan) und William (Elijah Wood). Diane will William heiraten, damit er nicht in den Vietnamkrieg ziehen muss. Bei Tim (Emilio Estevez) und seiner Frau Virginia (Demi Moore) läuft es nicht so gut. Virginia ist eine bekannte Sängerin und hat vor Kennedys Eintreffen einen Auftritt im Ambassador – und ein Alkoholproblem.

Während Dwayne (Nick Cannon) und Wade (Joshua Jackson) dem Ergebnis am Abend entgegenfiebern, schießen sich die beiden anderen Wahlhelfer Cooper (Shia LaBeouf) und Jimmy (Brian Geraghty) mit Drogen ab. Unten in der Lobby sitzen der ehemalige Hotelmanager John (Anthony Hopkins) und sein Kumpel Nelson (Harry Belafonte) beim Schachspiel.

Dann passiert das Unmögliche. Kennedy wird erschossen. Nicht nur das Leben der Anwesenden wird betroffen, sondern eine ganze Nation.

Meinung von

Ein etwas seltsamer Film, den uns Autor und Regisseur Emilio Estevez da präsentiert. Seltsam, weil wir wissen, wie die Geschichte endet. Alles läuft auf das Attentat am jüngeren Kennedy hinaus. Wir sehen immer wieder Dokumentationsmaterial eingeblendet, das uns Kennedy in seinem Wahlkampf zeigt. Doch Kennedy, so wichtig er auch ist, ist nicht die Hauptfigur. Ein ganzer Haufen von Menschen, mit eigenen Sorgen, stehen im Mittelpunkt. Bei so vielen Einzelschicksalen kann man leicht die Übersicht verlieren und alles verflacht. Doch Estevez schafft es gekonnt, die Fäden alle in der Hand zu behalten. So webt er ein dichtes Netz aus kleinen Geschichten rund um die große Geschichte herum. Ein seltsames Vorgehen – aber ein sehr gelungener Film.

Robert F. Kennedy wollte in den Wahlkampf eintreten, nicht gegen einen anderen Menschen, sondern für eine andere Politik. Die USA befanden sich im Vietnamkrieg, die Bevölkerung lief Sturm gegen den Krieg, gleichzeitig herrschten Rassenunruhen. Martin Luther King war erst kurz zuvor erschossen worden. Kennedy zeigte den Menschen, allen Menschen, dass Politik noch etwas zum Guten bewegen kann. Er spendete der geschundenen Seele Amerikas Hoffnung. Um so schlimmer traf es dann die gesamte Nation, als dieser Hoffnungsträger aus ihrer Mitte gerissen wurde. Ein verärgerter Palästinenser erschoss Kennedy in der Küche des Ambassadors, weil er der Meinung war, Kennedy paktiere mit Israel.

All das, was damals in Amerika passierte, was die Menschen bewegte, kann Estevez in seinem Film vermitteln. Jedes Schicksal wird ausreichend beleuchtet, um ein Gefühl für die Person dahinter zu bekommen.

Am beeindruckendsten war die Szene, in der Jose seine Baseballkarten an Edward gibt, ohne ihm dafür Geld abzuverlangen. Edward malt daraufhin eine Krone an die Fliesen in der Küche und nennt Jose einen wahren König. Das kommt so ehrlich und herzergreifend daher, Joses Reaktion ist so ehrlich – das weckt die Tränendrüsen auf. Doch auch die Schlussszene selber, wenn Chaos ausbricht, nachdem Kennedy erschossen wurde, ist aufreibend. Nicht nur wegen der Bilder, sondern vor allem wegen der mächtigen Rede Kennedys, die wir im Hintergrund hören, in der er davon spricht, dass Gewalt niemals eine Lösung ist.

Harry Belafonte wurde einst eingeladen am Wahlkampf von John F. Kennedy teilzunehmen. Das tat er auch. Robert lernte er zwar kennen, mochte ihn jedoch anfangs nicht. Erst als Robert Justizminister unter seinem Bruder wurde und langsam anfing Belafonte und der Schwarzenbewegung zuzuhören, konnte der Calypso-Sänger sich langsam für Robert erwärmen. Um so beeindruckender ist Belafontes Mitwirken in dem Film.

Bobby war vermutlich allen Schauspielern ein Herzensanliegen. Die Gagen dürften nicht allzu hoch ausgefallen sein. Estevez schaffte es noch, im Ambassador zu drehen, das wenige Stunden nach Drehschluss abgerissen wurde. Großteile des Interieurs wurde auf einer Auktion ersteigert und kam im Film zum Einsatz.

Bis auf die Figur des Küchenangestellten Jose sind alle Figuren in Bobby erfunden. Es gibt ein Bild von Jose, wie er an der Seite von Robert F. Kennedy kniet. Diane basiert auf der gleichnamigen Vermieterin, die Estevez kennenlernte, als er seiner Schreibblockade entkommen wollte. Die echte Diane hatte auch geheiratet, um Menschenleben vor dem Vietnamkrieg zu bewahren.

Robert F. Kennedy, das wird in dem Film klar, stand für Toleranz und ein Miteinander der Menschen. Traurig, dass Kennedy ermordet wurde und schade, dass Bobby kein großer Erfolg war.

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