Filmplakat Howl – Endstation Vollmond
3,5/10

„Wollen sie damit etwa sagen, dass der Lokführer vermisst wird?“ (Howl – Endstation Vollmond, 2015)


Howl – Endstation Vollmond

Besprechung

Joe (Ed Speleers) ist Schaffner und hasst seinen Job. Er möchte mehr, aber stattdessen bekommt er von seinem neuen Supervisor eine weitere Schicht aufgedrückt. Der letzte Zug von London nach Eastborough ist spärlich besetzt. In einer stürmischen Nacht bleibt der Zug mitten in einem Wald stehen. Der Lokführer steigt aus, um nachzusehen, was passiert ist – und verschwindet. Die Passagiere werden schnell ungehalten.

Unterschiedlichste Charaktere treffen auf engstem Raum zusammen. Die Nerven liegen blank und die Passagiere machen so viel Druck auf Joe, dass er nachgibt und die Passagiere zum nächsten Bahnhof führt. Doch nicht weit vom Zug entfernt findet Joe im Wald den zerfetzten Leib des Lokführers. Alle zurück!

Der Zug wird angegriffen. Zunächst hat keiner der Insassen eine Ahnung, wer oder was da angreift. Bis auf eine alte Dame. Jenny (Ania Marson) wird bei der überstürzten Flucht in den Zug angegriffen, ihr Bein fast abgerissen. Bissspuren an ihrem Bein lassen vermuten, dass ein großes Tier außerhalb des Zuges wartet. Die Passagiere werden panisch.

Meinung von

Der Film lief auf dem Fantasy Filmfest, aber – soweit ich mich erinnere – so spät, dass ich den nicht im Rahmes des Festivals gesehen habe. Ich hätte mich wohl auch geärgert, wäre ich so lange für diesen Film aufgeblieben.

Normalerweise tummelt sich Regisseur Paul Hyett in der Make-up-Abteilung herum. Howl ist sein zweiter Film, bei dem er im Regie-Stuhl saß. Der Film benötigt viel Zeit, um in die Puschen zu kommen. Das fiel mir auf, ich versuchte mich damit zu beruhigen, dass Hyett die unterschiedlichen Charaktere vorstellen wollte. Das passiert indem Joe durch die Abteile geht und die Passagiere kontrolliert. Bei diesen kurzen Interaktionen lernen wir schon eine Menge über die Anwesenden. Was ich mitgenommen habe: Keinen der Passagiere mag ich wirklich. Da ist die verzogene Teenager-Göre Nina (Rosie Day), die von Anfang an unsympathisch ist. Die Geschäftsfrau Kate (Shauna Macdonald), die ihren Fahrschein nicht finden kann und deshalb ein Bußgeld bezahlen muss, pisst Joe an. Das Alphatier Adrian (Elliot Cowan) hat zwei Schlüssel und wir vermuten schon in dieser ersten Einstellung mit ihm, dass er wohl seine Frau betrügt und ein Macho-Arsch ist. Was alles bestätigt wird. Das sind die nervigsten Personen im Zug, unterm Strich rasten aber alle schnell aus und sind nur am rumkeifen. Sehr unangenehm.

Der Film soll zeigen, wie Menschen in einer Krisensituation auf engstem Raum miteinander umgehen. Dass Menschen panisch werden ist okay, aber wieso sich in dieser Gruppe nicht einer findet, der mal vernünftig das Ruder in die Hand nimmt, bleibt mir unklar. Alle sind am schreien, pöbeln, krakeelen. Joe, unsere Hauptperson, bleibt weitestgehend im Hintergrund. Zwar sagt ihm später seine Kollegin Ellen (Holly Weston), dass er hier etwas tolles vollbracht habe, weil er die Passagiere gerettet habe – aber so richtig heroisch ist Joe eigentlich nicht. Hier hätte die Figur gerne mehr in den Vordergrund treten dürfen.

Als der erste Werwolf auftaucht, dachte ich noch Scheiße, wie schlecht ist der denn gemacht!?, aber im Grunde ist die Idee gar nicht so schlecht und hebt sich definitiv von allen anderen bisherigen Werwölfen ab. Die Werwölfe in Howl sind keine großen Wölfe auf zwei Beinen, wie wir sie z.B. aus Underworld oder Wolfman kennen. In diesem doch kleinen britischen Horror-Streifen (Howl hatte ein Budget von gerade einmal 1 Mio Pfund) sind die Werwölfe – wie in allen anderen Filmen auch – infizierte Menschen. Allerdings sind es diesmal Hybride aus Mensch und Tier. Das bedeutet: die Werwölfe sind nicht so sehr behaart, haben keine spitzen Ohren oder Schnauzen, sondern eine Mischung aus tierischem und menschlichem Gesicht. Das wirkt wie gesagt im ersten Moment voll schräg und blöd, macht aber auch irgendwie Sinn. Diese Werwölfe sind übrigens nicht nur bei Vollmond und in der Nacht aktiv, noch verwandeln sie sich nach ihrem Tod zurück in den Menschen. Ein wahrlich neuer Ansatz.

Dennoch konnte der Streifen nicht so recht überzeugen. Die Charaktere gehen einem alle auf den Keks. Das ist wie bei Der Nebel, wo man sich auch darauf gefreut hat, dass der eine oder andere Charakter endlich ums Leben kommt … Okay, vielleicht nicht ganz sooo schlimm.

Howl hat ein paar nette Ideen, aber in der Umsetzung bleibt einiges auf der Strecke. Schade eigentlich. Dass die Briten gute Horrorfilme machen können, wissen wir ja schon seit Hammer, aber zuletzt auch mit Attack the Block. Der ist viel besser, als Howl. Okay, das ist etwas unfair, hatte Attack the Block doch 13 Mio Dollar zur Verfügung.

Im Making-Of schwärmen die Schauspieler davon, dass der Film lustigs ein soll. Ich sah ihn nur in der deutschen Fassung. Wenn der wirklich lustig sein soll, dann nur im Original – was beideutet, dass die Synchronisation mal wieder alles verbockt hat.

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