Filmplakat Wolfman
8/10

„Ich weiß jetzt, dass es ein Fehler war die Bestie einzusperren.“ (Wolfman, 2010)


Wolfman

Besprechung

1891, Blackmoor, England: Die junge Gwen Conliffe (Emily Blunt) hat den Schauspieler Lawrence Talbot (Benicio Del Toro) angeschrieben, da sein Bruder, ihr Verlobter, verschwunden ist. Doch Lawrence kommt zu spät auf dem alten Landsitz seiner Familie an. Sein Bruder wurde von einer Bestie grausam zerstückelt.

Lawrence macht sich auf die Suche nach dem Mörder seines Bruders. Doch sein Vater (Anthony Hopkins) — zu dem er kein so gutes Verhältnis hat — verbietet ihm die Suche in dieser Nacht. Es ist Vollmond …

Doch Lawrence hört nicht und macht sich auf den Weg in den Wald, um eine Gruppe Zigeuner zu befragen, ob sie etwas über den Tod seines Bruders wissen. Da fällt die Bestie das Lager an. Lawrence wird gebissen.

Obwohl die Verletzungen schwer sind, heilt er auf wundersame Weise. Bis er beim nächsten Vollmond ebenfalls zum Werwolf wird. Derweil macht der Scottland Yard Beamte Abberline (Hugo Weaving) jagt auf die Bestie. Und Lawrence’ Vater ist seltsam ruhig ob all der Tragödien in seinem Haus.

Meinung von

Ein gutes, klassisches, schönes Grusel-Stück. Das Original aus dem Jahre 1941 habe ich leider nicht gesehen, weiß also auch nicht, wie sehr sich Wolfman am Original orientiert. Allerdings habe ich den Streifen mit Frankenstein verglichen. Einem hervorragenden, wenn nicht dem Gruselfilm schlechthin. Beim Betrachten von Wolfman kam so ein Gefühl auf, wie bei Frankenstein.

In der neuen Verfilmung arbeiten sie sehr stark mit Kontrasten. Die Landschaften sind düster, neblig, unheimlich. Der Wald besteht nur aus schwarzen senkrechten Linien, diffuses Licht kommt irgendwo von hinten. Irgendwo von unten. Dazwischen bewegen sich schwarze Schatten. Also die Optik ist die eines klassischen Gruselfilms.

Auch die "Schockmomente" sind herrlich altmodisch. Die Musik wird unheimlich, schon springt die Bestie ein Opfer an. Man wusste, dass da etwas kommt, aber nicht wann. Und schon hat man sich erschrocken. Es gab einige Passagen in Wolfman, wo ich in erhöhter Frequenz auf meinem Kaugummi gekaut habe und merkte, dass meine Bauchmuskeln angespannt waren. Wolfman ist kein Horror-Film, sondern ein Gruselfilm. Und das, obwohl so manche Gedärme rausgerissen, Arme ausgerissen, Köpfe abgeschlagen werden. Das sind aber alles nicht Dinge, auf die es ankommt. Die passieren "nebenbei" und werden oft mit einem Augenzwinkern wieder gemildert. Ein herrlicher Gruselspaß.

Anfangs dachte ich noch, dass sich Regisseur Joe Johnston ganz schön Zeit lässt, um mit dem Film in die Pötte zu kommen, aber dann wurde mir bewusst, dass es so sein muss. Der Film darf nicht schnell ins Geschehen stürzen. Er wird aufgebaut. Immerhin will Wolfman kein stumpfer Splatterfilm sein. Wer so was sehen will, der soll sich den ganzen Saw-Schrott ansehen ...

Benicio Del Toro ist auch ohne Maske schon diabolisch und tierisch; seine Verwandlungen dank Computer sehr ansehnlich und unheimlich. Anthony Hopkins ist prächtig besetzt. Er ist böse, hat die Bestie in sich und nach all den Jahren dem Tier Auslauf gegeben — und ist der Meinung, nur so dürfe es sein. Konsequenzen sind ihm egal. Ganz im Gegenteil zu seinem Filmsohn Lawrence. Somit ist Wolfman auch ein Stück um die Rivalität zwischen Vater und Sohn. Nicht nur als Werwölfe, sondern auch so, auf rein familiärer Ebene.

Wolfman ist "rund". Was auch an den Enthüllungen liegt, wie ein kleiner Junge ein traumatisches Erlebnis verarbeitet, oder die Tatsache, dass es ein tierisches Erbe in der Linie der Talbots gibt. Das Ende ist nicht das erwartete, dafür aber ein sehr stimmiges und gutes Ende.

Schließlich ein Wort zu Hugo Weaving. Der Mann erinnerte mich mit seinem Auftreten doch an einen Mr. Smith aus Matrix — nur im 19. Jahrhundert. Er kann das gut, diese trockene, bedrohliche Art. :-)

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