Filmplakat Hotel Lux
6,5/10

„Ich bin besoffen wie 1000 Kosaken in der Butterwoche.“ (Hotel Lux, 2011)


Hotel Lux

Besprechung

Hans Zeisig (Michael “Bully” Herbig) und Siggi Meyer (Jürgen Vogel) sind Kabarettisten und Komiker im 1939er Berlin. Ihre Paraderollen sind Stalin und Hitler. Der Hitler-Darsteller Meyer entwickelt sich mehr und mehr zum Kommunisten. Eines Tages verschwindet er mit der holländischen Kommunistin Frida von Oorten (Thekla Reuten), Zeisig bleibt alleine zurück.

Irgendwann wird die politische Lage auch für den apolitischen, pazifistischen Zeisig zu heiß. Mit einem gefälschten Pass, der eigentlich für jemand Anderes bestimmt war, geht es raus aus Berlin. Ab nach Hollywood. Naja, nicht ganz. Amerikanische Pässe gab es nicht mehr, nun geht es für Zeisig, der einen Herrn Hansen darstellt, der unter dem Namen Lehmann reist, nach Moskau. Quasi als Zwischenstation.

In Moskau kommt der Berliner Kabarettist im Hotel Lux unter. Hier wohnen viele geflohenen Kommunisten aus Nazi-Deutschland. Unter anderem so illustre Gäste wie Walter Ulbricht (Axel Wandtke) oder Herbert Wehner (Daniel Wiemer).

Im Hotel angekommen, wird er vom NKWD-Chef Jeschow (Alexander Senderovich) in Empfang genommen und aus Lehmann wird Walter. Jeschow hat mit Zeisig/Hansen/Lehmann/Walter etwas Großes vor, nur weiß weder Zeisig etwas davon, noch Frida, die unter dem Namen Clara ebenfalls im Hotel Lux wohnt und als Dolmetscherin arbeitet. Eines steht fest: Zeisig kommt erst einmal nicht weiter in Richtung Hollywood.

Meinung von

Ich bin auf gar keinen Fall ein Herbig-Fan. Als ich Hotel Lux vorschlug, war sich Moviejunkie Thorsten entsprechend auch nicht sicher, ob ich ihn auf den Arm nehmen würde. Oder ob ich von Aliens entführt und ausgetauscht wurde. Kann ja auch mal vorkommen. Aber Nein, ich sah den Trailer und dachte mir, der Film könnte "anders" sein, nicht so typisch Herbig. Herbig-Filme sind in der Regel albern, dümmlich und auf TV-Niveau. Ich nenne keine Sender-Namen ... Bei Hotel Lux hat Herbig zwar auch seine Finger im Spiel, als Co-Produzent, man merkt jedoch, dass er nicht im Regiestuhl saß. Den besetzte Leander Haußmann, der u.a. Herr Lehmann gedreht hat und der für Filme mit DDR-Thematik bekannt ist.

Bei Hotel Lux geht es um Freundschaft, um Liebe, um den Irrsinn von Diktaturen und das wird alles in eine schöne Verwechslungskomödie verpackt. Herbig ist angenehm unauffällig, also nicht typisch nervig, dafür spielt er durchaus gut. Jürgen Vogel hat nur eine Nebenrolle, füllt diese jedoch gut aus.

Der Film spielt in einer ganz miesen Zeit, einer Zeit in der nicht einmal ein neutraler Komiker heil über die Runden kommen kann und gezwungen ist zu fliehen. Nun flieht unser Held von einer grausamen Diktatur in die nächste. Der Kommunismus als Überwachungs- und Militärstaat. Ob der Kerl an der Spitze nun ein kleines Nasenbärtchen oder einen buschigen Schnauzer trägt, ist im Endeffekt egal. Haußmann zeigt uns auch die Idiotien, die später in der DDR fortgesetzt werden sollten. Es ist ein Spaß zu sehen, wie Frida eine Parteisitzung führt und jeder Sitzungspunkt schon vor der Ausformulierung per Handzeichen abgesegnet wird. Da gehen immer und immer die Hände hoch. Ebenso das Verhör von Meyer durch die kommunistischen Genossen im Hotel Lux: eine herrliche Persiflage auf die Vielzahl von Ismen und politischen Unter-Unter-Ausrichtungen.

An manchen Stellen lässt Hotel Lux Tempo missen, dann zieht es aber auch schon wieder an und der Film sprüht vor Humor.

Trotz Herbig ein sehr schöner, lustiger Film. Nicht albern, nicht peinlich. Und nun kommt's: Das alles wegen Herbig! Er kann also auch anders.

Und mal am Rande: Wenn irgendein Zeitungsfutzi sich darüber beschwert, dass das eine seltsame Geschichtsstunde sei ... Idiot. Man muss nicht alles totreden. Hotel Lux ist unterm Strich ein Märchen, kein Historiendrama. Das sind die selben Nörgler, die auch schon bei Mein Führer die Nase gerümpft haben. Menschen ohne Humor, wie es scheint. Nicht kaputt analysieren, sondern einfach anschauen, es plätschern lassen.

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