Filmplakat Ein Köder für die Bestie
8,5/10

„Jetzt hab' ich das Gesetz auf meiner Seite - und damit breche ich ihnen das Genick, Meister.“ (Ein Köder für die Bestie, 1962)


Ein Köder für die Bestie

Besprechung

Eines Tages steht Max Cady (Robert Mitchum) vor dem Rechtsanwalt Sam Bowden (Gregory Peck). Cady war über acht Jahre im Gefängnis und er gibt Bowden die Schuld dafür. Der Ex-Knasti taucht fortan immer wieder in der Nähe von Bowden und seiner Familie auf. Bowden fängt zurecht an, sich Sorgen zu machen. Cady ist auf Rache aus. Allerdings ist er so schlau und bleibt immer im Rahmen des Gesetzes. Wenn sich Bowden von Cadys Anwesenheit provoziert fühlt und handgreiflich wird, macht Cady nichts.

Nachdem Bowden seinen Kumpel, den Polizeichef Mark Dutton (Martin Balsam) auf Cady ansetzt und der nichts machen kann, engagiert der Rechtsanwalt den Detektiv Charles Sievers (Telly Savalas). Sievers soll Cady auf frischer Tat erwischen, doch der ist zu smart. Selbst als Cady eine Frau, die er in einer Bar aufgegabelt hat, vergewaltigt, kommt er davon. Diane Taylor (Barrie Chase), das Opfer, will nicht aussagen, so viel Angst hat sie vor Cady. Mittlerweile sind die Drohungen Cadys Bowden gegenüber sehr deutlich und offen. Doch an den Ex-Knasti ist kein Herankommen.

Bowden ersinnt einen riskanten Plan. Cady hat gedroht, sich an Bowden Tochter Nancy (Lori Martin) zu vergehen. Der verzweifelte Rechtsanwalt legt eine Falle für Cady aus, bei der seine kleine Tochter die Beute ist.

Meinung von

Oh. Mein. Gott. Der Film, nach dem Roman von John D. MacDonald, ist so spannend, selbst heute noch hockt man davor und kaut auf den Fingernägeln herum. Sieben Jahre zuvor hatte Mitchum bereits in Die Nacht des Jägers bewiesen, dass er den psychopathischen, hundsgemeinen, überaus gefährlichen Bösewicht spielen kann. In Ein Köder für die Bestie – oder auch Kap der Angst – dreht der bullige Mitchum noch einmal auf. Eigentlich wollte Rod Steiger die Rolle von Cady übernehmen, doch man entschied sich für Mitchum. Keine Ahnung, was Steiger daraus gemacht hätte. Robert Mitchum ist jedoch perfekt in dieser Rolle. Man hat immer noch Angst vor seiner gescheiten, hinterhältigen Art.

Cady war schon lange ein gewalttätiger Mann. Bowden erwischte ihn vor seinem Knastbesuch dabei, wie er gerade eine Frau prügelte. Da ist es nur Recht, dass Cady einsitzen musste. Der sieht sich jedoch zu Unrecht bestraft. In seiner Welt macht er alles richtig und Rache ist die logische Konsequenz auf das Unrecht, das ihm widerfahren ist. Gleich nach der Entlassung macht er sich also auf, um Bowden zu beschatten. Schnell tritt er jedoch aus den Schatten heraus und stellt sich ganz öffentlich hin.

Das Schrecken im Dunkeln oder hinter der Hecke ist gruselig, ja. Cady aber steht im strahlenden Sonnenschein, macht nichts, beobachtet, gibt den einen oder anderen Kommentar von sich. Wir wissen, wie gewalttätig er ist und das macht diesen Schrecken grausamer als den im Schatten.

Gregory Peck ist der Saubermann, der gegen Robert Mitchum absolut verblasst. Sein Bowden ist ans Gesetz gebunden. Auch als Sievers ihm den Ratschlag gibt, doch mal ein paar Jungs vom Hafen auf Cady anzusetzen, zögert Bowden. Der Psychodruck, den Cady aufbaut, ist am Ende so groß, dass der Rechtsanwalt doch das Gesetz bricht. Bowden geht sogar so weit, dass er nicht nur seine Tochter als Köder auslegt, um an Bowden heranzukommen. Er will den Aggressor auch umbringen.

Bowden steckt in einem unglaublichen Dilemma. Wenn er sich ans Gesetz hält und nichts tut, wird Cady seine Drohung wahr machen und sich an seiner Tochter vergehen. Und selbst wenn man Cady bei einer anderen Straftat erwischte, Cady käme wieder und immer wieder. Bis er sein Ziel erreicht hat. Wie soll man dem begegnen? Eine "endgültige Lösung" scheint die einzig logische zu sein. Doch dann wäre Bowden nicht anders als der Mann, den er hasst und fürchtet zugleich.

Noch einmal: Robert Mitchum ist auch über 50 Jahre später immer noch unangenehm gefährlich und schauderhaft. Sein Cady strotzt nur so vor Selbstbewusstsein. Er zeigt sich gerne mit freiem Oberkörper, lässt die Muskeln spielen. Gleichzeitig spielt hier eine sexuelle Komponente mit. Er ist ein Frauenschänder. Er verprügelt sie, er vergewaltigt sie und bei all dem fühlt er sich gut. Cady ist irrsinnig dominant und überlegen. Wo findet man heutzutage noch solche gewaltigen Bösewichte? Man muss auch als Zuschauer Angst vor diesem Mann haben. Und man hasst ihn zugleich.

Ich empfehle Ein Köder für die Bestie uneingeschränkt als packenden Psychothriller mit einem brillanten Robert Mitchum.

Obwohl der Film echt gut ist, war er damals ein finanzieller Reinfall, der die Produktionsfirma von Gregory Peck in den Ruin stürzte. Da lief wohl einiges schief. Peck wollte eigentlich Cady spielen, ebenso wie Steiger. Letzterer stieg freiwillig aus, als er hörte, dass Mitchum für die Rolle in Frage käme. Peck wusste, dass Mitchum die bessere Rolle hatte – auch weil dieser den Darsteller aus Ich kämpfe um Dich schlicht und ergreifend von der Leinwand spielte.

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