Filmplakat Ich kämpfe um dich
8,5/10

„Das Herz sieht oftmals tiefer.“ (Ich kämpfe um dich, 1945)


Ich kämpfe um dich

Besprechung

Dr. Constance Petersen (Ingrid Bergman) arbeitet in der psychiatrischen Anstalt Green Manson. Sie ist jung, schön, sehr talentiert, nur in Sachen Liebesangelegenheiten ist sie recht unerfahren.

In Green Manson geht der amtierende Oberarzt Dr. Murchison (Leo G. Carroll), der vom viel jüngeren Dr. Edwardes (Gregory Peck) ersetzt wird, in den vorzeitigen Ruhestand. Constance findet Gefallen an dem jungen Bestseller-Autor. Umgekehrt ist das natürlich auch der Fall. Beim Abendessen fällt der jungen Ärztin auf, dass etwas mit dem smarten Dr. Edwardes nicht zu stimmen scheint. Eine weiße Tischdecke und darauf gezeichnete Linien lassen ihn kurzfristig ausrasten.

Constance findet schnell heraus, dass der attraktive junge Mann nicht Dr. Edwardes ist. Der Mann, der ihr Interesse geweckt hat, scheint eine Amnesie zu haben, doch langsam kommen Erinnerungsfragmente an die Oberfläche. Der Mann behauptet steif und fest, er habe den echten Dr. Edwardes ermordet.

Constance glaubt nicht an diese Aussage. Sie setzt alles daran, das Geheimnis um die wahre Identität und das erlebte Trauma des Mannes aufzudecken, in den sie sich verliebt hat. Dabei läuft den beiden die Zeit davon, wird der Mann, der sich selber den Namen John Brown gegeben hat, mittlerweile von der Polizei gesucht. Ebenso Dr. Petersen, die als Fluchthelferin gesucht wird.

Constance sucht zusammen mit John ihren alten Lehrer Dr. Alexander Brulov (Michael Chekhov) auf, um Hilfe beim Lösen des Falles zu bekommen.

Meinung von

Ein toller Film, der noch lange nachwirkte. Zwar dauert es ein wenig, bis er anfängt (lange Overture am Anfang) und es wird auch geradezu belehrend erklärt, was es mit diesem "Zauberzeug" Psychoanalyse auf sich hat, aber wenn Ich kämpfe um dich erst einmal loslegt, entfaltet er sich wie man es sich von einem Hitchcock-Film erwartet.

Schon beim ersten Auftritt des noch extrem jungen Gregory Peck, Ich kämpfe um dich sollte sein vierter Film sein, wird klar, dass etwas nicht stimmt. Das soll ein renommierter Arzt sein, ein Bestseller? So jung? Rasch kommt dann auch Dr. Petersen auf den Gedanken, der Mann kann nicht Dr. Edwardes sein.

Schicht für Schicht wird das Geheimnis um den jungen Mann mit der Amnesie aufgeklärt. Das ist nicht nur spannend, sondern am Ende auch logisch. Es ist nicht so, dass Hitchcock den Zuschauer erst in Ungewissheit lässt und dann am Ende alles plump aufdeckt. Der Regisseur enthüllt das Geheimnis um die Figur von Gregory Peck in kleinen Paketen über den Film verteilt. So bleibt immer Spannung erhalten.

Neben der Liebesgeschichte zwischen Ärztin und Patient hat Ich kämpfe um dich noch einiges Aufregendes zu bieten. Die Polizei ist hinter beiden her, der vermeintliche Dr. Edwardes wird wegen Mordverdachts gesucht. In den Zeitungen prangt Dr. Petersens Gesicht.

Wenn das Pärchen bei Dr. Brulov ist, gibt es eine Stelle, die mich richtig hippelig machte. Pecks Figur wirkt wie in Trance und hat ein Rasiermesser in der Hand. Das ist so genial fotografiert — gruselig! Und die Aufklärung für sein Trauma? Absoluter OMG-Moment.

Hört man den Filmtitel Ich kämpfe um dich, wird immer gleich die Traumsequenz mit angeführt. Muss hier also auch so sein. Gregory Pecks Figur hat spät im Film einen Traum, den er Dr. Petersen und Dr. Brulov erzählt. Hitchcock konnte für das Szenenbild dieser Sequenz einen Meister des Surrealens gewinnen, den Meister. Kein Geringerer als Salvador Dalí gibt der Kulisse seine Handschrift, was an sich schon toll ist, die Traumgestaltung durch den katalanischen Maler ist entsprechend auch sehr gut gelungen. Eigentlich konnte es gar keinen besseren Künstler geben, einen Traum zu visualisieren.

Sieht man über die für die Zeit typische Erzählweise und das ebenso typische Erzähltempo hinweg, haben wir ein sehr guter Psycho-Film vor uns. Ich weiß, dass ich gerne etwas von "Sonntagnachmittag-Kaffeetrinker-Zeit"-Filmen schreibe — Ich kämpfe um dich ist trotz seines Alters und der Schwarz-Weiß-Optik ein hervorragender Abendfilm. Diesen fünfach Oscar-nominierten Film sollte man gesehen haben.

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