Filmplakat Drive
7,5/10

„Willst 'n Zahnstocher haben?“ (Drive, 2011)


Drive

Besprechung

Ein Mann (Ryan Gosling) arbeitet tagsüber als Stuntman oder in der Autowerkstatt seines Bekannten Shannon (Bryan Cranston). Abends sitzt er wieder hinter dem Steuer, dann nicht als Stuntman, sondern als Fluchtfahrer. Man kann ihn anheuern, er gibt einem fünf Minuten, danach ist er weg.

Über Shannon lernt der Fahrer Bernie Rose (Albert Brooks) kennen. Bernie soll den beiden einen Stockcar-Wagen finanzieren. Als stiller Teilhaber mischt noch Nino (Ron Perlman) mit.

Nach einem Umzug lernt der Fahrer die allein erziehende Mutter Irene (Carey Mulligan) kennen. Der schweigsame Mann findet Gefallen an der Nachbarin. Als allerdings ihr Mann Standard (Oscar Isaac) aus dem Gefängnis kommt, wird die Beziehung komplizierter. Da Standard in Schwierigkeiten steckt, beschließt der Fahrer, Standard bei einem Überfall als Fluchtfahrer zu helfen. Der Raub geht total daneben. Fortan hat der Fahrer eine Gruppe Leute im Nacken, die an das Geld wollen und dafür über Leichen gehen.

Meinung von

Jetzt bin ich auch bereit für Bullitt. Wenn ich Drive ohne Murren überstanden habe, dann werde ich das auch mit dem Steve McQueen-Klassiker hinbekommen. Denn Drive ist so extrem ruhig, das ist schon nicht mehr feierlich. Die Bilder sind absolute Klasse, das muss man sagen. Wunderschöne Aufnahmen. Die Story ist im Grunde dünn. Mysteriöser Einzelgänger verliebt sich in Frau, die hat einen Mann. Einzelgänger hilft Mann, Mann kommt um. Einzelgänger muss sich seiner Haut erwehren und setzt alles daran, die Frau, die er liebt, zu schützen. Mit allen Mitteln und unglaublicher Brutalität.

Drive fließt dahin, es gibt am Anfang eine Art Verfolgungsfahrt, später nach dem missglückten Überfall noch eine. Dazwischen: Viele ruhige Einstellungen von Ryan Gosling am Steuer, sein Gesicht in absolutem Profil oder als Reflexion im Rückspiegel. Viel Text hat Gosling nicht. Er lächelt stumm vor sich hin. Doch wenn es darum geht sich oder Irene zu schützen, wird der stille Fahrer brutal. Am schockierendsten ist die Szene im Fahrstuhl …

Drive ist unaufdringlich. Irgendwann in all dieser Ruhe hörte ich jemanden ein paar Reihen hinter mir daran zweifeln, ob Drive noch einen Höhepunkt habe. Man braucht Geduld. Bis der Fahrer auf seinen "Pfad der Verteidigung und des Schutzes" (Rachefeldzug kann man es nicht nennen) geht, hat der Streifen beinahe etwas Meditatives. Noch nie hat mich das Knuspern und Geknacke von Popcorn neben mir so aufgeregt. Man muss sich das wirklich vorstellen wie eine Yoga-Stunde und neben einem raschelt einer ständig mit seiner Chipstüte.

Drive ist bestimmt nicht für jeden etwas. Man braucht die Bereitschaft, einen enorm ruhigen Film zu sehen. Ich würde mal sagen, wenn Regisseur Nicolas Winding Refn auf die vielen (stimmungsvollen) Slowmotion-Einstellungen verzichtet hätte und die Erzählstruktur einem 0815-Film angepasst hätte, könnte der Film auch anstatt 100 Minuten nur 60 lang sein. Aber mit so weit ausholenden, verlangsamten Filmen kennt er sich ja aus der Däne. Das konnte man auch bei Walhalla Rising beobachten. Allerdings gefällt mir Drive besser.

Klassische Geschichte mit beeindruckenden Aufnahmen und wenig, dafür überspitzter Gewalt. Meine Begleitung fand die Figur des nicht gesprächigen Fahrers stereotypisch — frei nach dem Motto "Der Fahrer redet nie". Ich habe es anders empfunden. Wenn jemand so wie unser Fahrer tags und nachts unterwegs ist, wird man einfach ruhiger und sagt nicht mehr viel.

Der jüngste Frauenschwarm #1, Ryan Gosling, macht seine Sache gut, aber still lächeln kann ich auch …

Was mich verwirrt hat an dem Streifen: Die Schrift der Titel im Vor- und Abspann ist nicht nur pink, sondern auch sonst in so einer 80er-Jahre-Schrift. Dazu gibt es süßen Synthie Pop. Naja.

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