Filmplakat Die rabenschwarze Nacht
7/10

„Was könnte viel wichtiger sein als mein Autogramm?“ (Die rabenschwarze Nacht, 1985)


Die rabenschwarze Nacht

Besprechung

Teenager Charley Brewster (William Ragsdale) mag Horrorfilme. Der in die Jahr gekommene TV-Star Peter Vincent (Rowdy McDowall) ist selbsternannter Vampirjäger und läuft bei Charley in Dauerschleife im Fernseher. Der Junge liebt aber auch seine Freundin Amy Peterson (Amanda Bearse). Eines Abends ist Charley jedoch nicht ganz bei der Sache. Er sieht, wie Männer einen Sarg ins leerstehende Nachbarhaus tragen.

In den Folgenächten passieren brutale Morde in der Stadt. Charley ist sich sicher, dass sein neuer Nachbar Jerry Dandridge (Chris Sarandon) ein Vampir ist. Tagsüber wird der von seinem Schergen Billy Cole (Jonathan Stark) beschützt. Charley hat es mit seinen eigenen Augen gesehen, dass Dandrige ein Vampir ist. Doch niemand glaubt ihm. Bevor er die Sache selbst in die Hand nehmen und den Blutsauger auslöschen kann, interveniert Amy.

Die junge Frau kontaktiert – wie zuvor Charley auch – Peter Vincent. Der redet doch andauernd davon, dass er der große Vampirjäger sei. Vincent soll Amy und Mitschüler Evil Ed (Stephen Geoffreys) helfen, Charley davon zu überzeugen, dass Dandrige ein Mensch ist. Doch Vincent muss feststellen, dass Charley Recht hat. Von nun an sind alle in Gefahr. Erschwerend kommt hinzu, dass Dandrige in Amy das Ebenbild einer alten Liebe sieht.

Meinung von

Die 80er haben einige schöne Horror-Filme herausgebracht. Junge Menschen sollten sich angesprochen fühlen und damit es nicht zu gruselig wird, wurde Humor reingemischt. Das ist auch das Rezept für Die rabenschwarze Nacht. Charley ist ein Allerweltsteenager mit der damals üblichen Tolle. Er würde gerne seiner Freundin an die Wäsche gehen, aber die wartet noch. Was für ein frustrierendes, hormonell gesteuertes Leben. Aber da ist ja noch die Welt der schlechten Horrorfilme. Als dann nebenan ein Sarg reingetragen wird, ist Charley alarmiert und extrem misstrauisch. Ist ja auch verständlich. Wer möchte schon gerne einen Blutsauger als Nachbarn haben?

Die rabenschwarze Nacht spielt mit dem Motto "Ich habe etwas gesehen – aber niemand glaubt mir"-Motiv. Charley rutscht schon gefährlich an die "Der ist doch verrückt"-Kante heran. William Ragsdale spielt den etwas verwirrten und auf seinen Standpunkt beharrenden Teenager solide. Das geht schlimmer. Zum Beispiel wenn man sich Evil Ed-Darsteller Stephen Geoffreys anschaut. Mann, ist der übel. Der Junge überdreht seine Figur völlig. So sehr, dass sie nervig wird. Kein Wunder, dass er anfällig wird für das Böse …

Der Film fließt so dahin. Aus Buffy the Vampire Slayer habe ich gelernt, dass ein Vampir nicht ohne weiteres in eine Wohnstätte eindringen kann. Er muss eingeladen werden. Was war ich überrascht, das in Die rabenschwarze Nacht zu sehen, also elf Jahre vor Buffy. Erst zum Ende wird ein echter Horrorfilm daraus. Zuerst wird Hilfsscherge Billy hingerichtet. Der bekommt so einiges ab, am Ende löst er sich in Schleim auf. Das wurde damals natürlich noch alles mit praktischen Tricks gemacht. Keine Spur von CGI. Wobei ich denke, dass Autor und Regisseur Tom Holland sich da schon ein wenig von Jäger des verlorenen Schatzes hat inspirieren lassen. Die Szene, wo der Nazi in die Lade schaut und schmilzt?

Evil Ed wechselt irgendwann die Seiten. Das befähigt ihn auch dazu, die Form zu wandeln. Er wird zu einem Wolf und greift Peter Vincent an. Die Todesszene ist eine Rückwandlungsszene. Die ist gut gemacht. Versteht mich nicht falsch. Aber auch ein wenig … angeregt von American Werewolf. Der hat allerdings für seine Verwandlung einen Oscar erhalten, dazu hat es bei Die rabenschwarze Nacht nicht gereicht. Macht nichts. Ist ordentlich gemacht. Schon ein wenig eklig …

Schließlich haben wir Dandridge, der sich in eine überdimensionierte Monsterfledermaus verwandelt und Amy, die nicht von der Muse, aber von Dandridge "geküsst" wurde. Amy – in voller Vampirmontur – hat einen grotesk großen Mund. Der ist wohl auch das Hauptmerkmal des Films. Immerhin sehen wir diese Fratze auf dem Filmplakat.

Der Film hat einen netter Seitenhieb in Richtung "Erwachsenenhorror", wenn Peter Vincent, dessen TV-Show eben abgesetzt wurde, auf einen ganz bestimmten Film schimpft. Er meckert: Offensichtlich will man nur noch irgendwelche verrückt gewordenen Männer sehen, die in irren Masken herumlaufen und Jungfrauen aufschlitzen. Wer könnte es ihm verübeln. Der angesprochene Halloween ist eine andere Liga.

Die rabenschwarze Nacht ist ein netter Horrorstreifen aus den 80ern. Erst harmlos, dann eine Spur mehr aufgedreht. Der Film hat zumindest in einer bestimmten Horrorfan-Generation einen gewissen Ruf und Kultfaktor erlangt.

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