Filmplakat American Werewolf
7/10

„Königin Elisabeth ist eigentlich ein Mann! Und Prinz Charles ist schwul!“ (American Werewolf, 1981)


American Werewolf

Besprechung

Eigentlich wollten die beiden amerikanischen Studenten David Kessler (David Naughton) und Jack Goodman (Griffin Dunne) mehrere Monate durch Europa reisen. Im kalten England sind sie mitten im Nirgendwo unterwegs, als sie von einem wilden Tier angegriffen werden. Jack wird zerfleischt, David schwer verletzt. In letzter Sekunde kommen die Bewohner des nahe gelegenen Dorfes und erschießen das Tier. Kurz bevor David in Ohnmacht fällt, sieht er einen nackten, angeschossenen Mann neben sich liegen.

Drei Wochen später wacht David in einem Londoner Krankenhaus auf. David hat wilde Albträume, die sehr blutig und verstörend sind. Zum Glück ist da noch die Krankenschwester Alex Price (Jenny Agutter), die sich um David sehr rührend kümmert. Die beiden kommen sich näher.

David schwört, er sei nicht von einem Tier angegriffen worden, wie es die Dorfbewohner alle gesagt haben, sondern von einem Wolf. Dem geht der behandelnde Arzt Dr. Hirsch (John Woodvine) nach. Doch seine Erkundungen in dem Dörfchen East Proctor bleiben ergebnislos. Die Dorfbewohner schweigen alle eisern.

Derweil fängt David an, an seinem Verstand zu zweifeln. Neben den Albträumen sieht er seinen verstorbenen Kumpel Jack. Ziemlich übel zugerichtet – und tot – hockt er David gegenüber und erklärt ihm, dass sich David umbringen müsse. Er wurde von dem Tier zum Werwolf gemacht und würde demnächst selber wüten und morden. Außerdem müsse Jack so lange unter den lebenden Toten weilen – was echt langweilig ist –, bis die Blutlinie des Wolfes gebrochen wird. Jack bittet David sich selbst das Leben zu nehmen. David versucht alles, diese Vorfälle zu vergessen. Doch der nächste Vollmond naht schon.

Meinung von

Zwei Typen unterwegs, im Begriff sich die Hörner abzustoßen und dann so was. Scheiße. Einer tot und doch nicht, der andere ein Werwolf. Ziemlich blöde Situation. Für beide.

American Werewolf ist eine Komödie und ein Horrorfilm zugleich. Regisseur John Landis lag das Projekt sehr am Herzen. Das Skript hatte er schon längst fertiggestellt, doch sollte es noch einige Jahre dauern, bis es grünes Licht für den Film gab. Die Sprüche von den Hauptdarstellern sind flott und frech, doch die Horrorelemente sind sehr blutig und Gore-lastig. Das liegt unter anderem daran, weil es Landis sehr wichtig war, dass alles so realistisch wie möglich aussehen sollte. Sein Werwolf ist z.B. kein Zweibeiner. David läuft nach der Verwandlung auf allen Vieren. Üblich war, wie z.B. in dem Klassiker Der Wolfsmensch, eine zweibeinige Variante des Wolfes. Das wollte Landis aber nicht.

Die Verwandlung ist auch so ein Ding. Normalerweise sah man in den alten Schinken immer den Kopf, die Hände oder die Füße sich verwandeln. Alles im schwachen Licht des Mondes gedreht und für gewöhnlich mit Überblendungen gelöst. Landis wollte neue Wege gehen. Die Transformation Davids sollte eine Vollkörper-Verwandlung sein und bei hellem, künstlichen Licht stattfinden. Ein Horror für jeden Spezialeffekte- oder Make-up-Typen. Aber sie haben gute Arbeit geleistet. Make-up-Künstler Rick Baker hat sogar eine so gute Arbeit hingelegt, dass er dafür einen Oscar gewann - und man diese Kategorie auch extra dafür eingerichtet hat. Sogar Michael Jackson war von Bakers Arbeit beeindruckt und holte ihn zum Dreh von Thriller.

Die Idee mit dem wiederkehrenden Jack, der seinen Kumpel warnt, ist eigentlich ganz nett. Zumal auch hier ein gewisser Realismus an den Tag gelegt wird. Wenn so ein Toter begraben wird, dann passiert was mit ihm? Genau: Immer wenn Jack erscheint, ist er ein Stück mehr verrottet. Das gipfelt schließlich in einer Puppe, halb zerfallen, die Augen freigelegt, die Zähne blank liegend, der Kiefer nur durch Hautfetzen im Gesicht gehalten. Etwas weniger mitreißend ist der Wolf. Die Verwandlungsszene ist großartig, keine Frage, aber wenn der Wolf später durch das nächtliche London streift und wir ihn sehen — nicht gut. Also damals war das wohl ganz groß, aber heutzutage ist das ein viel zu puscheliger, dicker Wolf. Eine Sache noch … bei der ersten Verwandlung: Wieso reißt sich David im Schmerz alle Kleider vom Leibe? Ach ja, Ganzkörperverwandlung. Ich vergas.

Die Story ist gut erzählt, hat aber auch einige Schwächen. Vor allem zum Ende wird das Teil immer wilder. Die erste Nacht Werwolf-Sein ist gut umgesetzt, aber wenn David in der zweiten Nacht herumläuft und Menschen umbringt … ich weiß nicht. Die Idee mit dem Pornokino ist ganz lustig, wenn die Opfer von David im Kino erscheinen und ihm alle möglichen Arten des Selbstmordes vorschlagen. Doch danach bricht Chaos aus. Da rennt ein Polizist raus aus dem Kino, reißt das Rollgitter runter und schreit, dass dort ein wildes Tier wäre – was machen die Londoner? Sie kommen in Strömen gelaufen und scharen sich um das Kino. Schwachsinn! Als dann der Wolf ausbricht und über den Piccadilly Circus läuft, führt das zu einer monströsen Metallschlacht. Autos rasen ineinander, Menschen werden auf die Straße geschleudert und gleich überfahren und und und. Das ist einfach zu viel.

Regisseur Landis meinte in einem Interview, dass American Werewolf auch eine Geschichte über die Pubertät sei. Im Grunde sei die Verwandlung eine Metapher für das, was mit dem Körper eines jungen Mannes passiert: Es wachsen Haare, man verformt sich, man hat Hunger, ist geil … Ich bezweifle, dass irgendwer an Pubertät gedacht hat, als er den Streifen sah.

Am Ende gibt es kein Happy End, wie auch schon bei Der Wolfsmensch. Man entwickelt Sympathien für den Hauptdarsteller, aber da er im Endeffekt ein Monster ist, kann es einfach kein gutes Ende nehmen. Der finale Schuss auf den Wolf ist dann allerdings doch sehr, sehr glücklich. Das Tier ist irgendwo am Ende einer dunklen Sackgasse, davor steht Alex, die auf ihn einredet und vom Anfang der Straße schießt ein Polizist auf den Wolf und erlegt ihn? Kommt schon … Echt jetzt? Und dann ist der Film einfach zu Ende? Hallo?

Was ich übrigens nicht verstanden habe: Was sollte der Traum mit den Monster-Nazis?

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