Filmplakat Die Outsider – Rebellen ohne Grund
7,5/10

„Ich hab überhaupt nichts dagegen, wenn mein Vater mich schlägt. Dann merkt er wenigstens, ich bin da.“ (Die Outsider – Rebellen ohne Grund, 1983)


Die Outsider – Rebellen ohne Grund

Besprechung

In Tulsa, Oklahoma, gibt es im Jahre 1965 zwei rivalisierende Banden – die Greasers aus dem Norden der Stadt und die reichen Socs aus dem Süden. Neuerdings kommen die Socs auch ins Gebiet der Greasers. Darunter leidet auch der 14-jährige Ponyboy Curtis (C. Thomas Howell). zum Glück hat er seine beiden großen Brüder, die ihm zur Seite stehen. Seit die Eltern der Curtis-Brüder bei einem Unfall ums Leben gekommen sind, kümmert sich Darrel (Patrick Swayze) um Ponyboy und um den mittleren Sodapop (Rob Lowe).

Da sind aber auch noch Two-Bit Matthews (Emilio Estevez), der total auf Micky Maus steht, der draufgängerische Steve Randle (Tom Cruise), aber auch der frisch aus dem Knast entlassene Dallas Winston (Matt Dillon). Nur etwas älter als Ponyboy ist sein Nachbar Johnny Cade (Ralph Macchio), der aus einem völlig verrotteten Haushalt stammt und lieber im Park unter Zeitungen schläft, als im Elternhaus, wo sich nur gestritten wird.

Weil Ponyboy eines Abends im Freiluftkino die Socs Cherry Valance (Diane Lane) anspricht und sich mit ihr gut versteht, kommt es später zum Streit zwischen Ponyboy, Johnny und einigen angetrunkenen Socs. Dabei sticht Johnny einen der reichen Schnösel ab. Ponyboy und Johnny müssen fliehen.

Meinung von

Die damals 19-jährige S.E. Hinton hat in ihrem Erstlingswerk, das 1969 erschien, die Thematik der rivalisierenden Jugendbanden in ihrer Heimatstadt verarbeitet. Mit dem Roman landete sie einen massiven Hit in den USA. Trotz der Popularität dauerte es etwas, bis der Stoff auf Zelluloid gebannt wurde. Es ist mehr oder weniger ein Zufall, dass Francis Ford Copolla Platz auf dem Regiestuhl für diesen Film nahm. Eine Lehrerin, die den Roman sehr mochte, ließ eine Petition von ihren Schülern unterschreiben. Die schickte sie mit einem Brief an Copolla, der davon so gerührt war, dass er den Roman las – und ihn umsetzen wollte.

Der Film beschreibt eine Zeit, in der die Jugendlichen zwar auf die selbe Schule gingen, sich dort aber nicht mit dem Arsch anguckten. Es gab soziale Unterschiede, die sich nach der Schule auch in Kämpfen äußerten. Wir sehen Ponyboy am Anfang des Films, wie er von einer Truppe Socs in einem Wagen verfolgt wird und sie ihm schließlich ein Messer an den Hals halten. Die Nerven liegen bei allen blank. Vor allem bei Darrel, der nun das Familienoberhaupt ist und sich mächtig Sorgen darum macht, ob er seine Brüder ans Jugendamt verliert – vor allem Ponyboy.

Der Jüngste der Curtis-Brüder ist eher ein Träumer. Er liebt Filme und Bücher. Ansonsten möchte er eigentlich nur in Ruhe gelassen werden und versteht nicht, wieso sich die Jugendlchen bekriegen müssen. Mit Darrel steht er im ständigen Streit. Der ist wie gesagt nur angespannt, weil so viel Verantwortung auf seinen Schultern liegt. Er macht sich Sorgen. Deshalb ist er so streng. Ponyboy missdeutet das als Hass. Ponyboy flieht deshalb in der verhängnisvollen Nacht.

Dallas ist der Haudrauf, der große Bösewicht. Alle schauen zu ihm auf, weil er schon im Gefängnis saß. Damit ist Dallas sozusagen bereits erwachsen. Johnny und Ponyboy müssen aber aufgrund des Totschlags auch schnell erwachsen werden.

The Outsiders ist nicht Copollas bester Film. Aber er ist solide umgesetzt. Das Casting war wohl eine ganz besondere Aktion. Normalerweise wird jeder Schauspieler einzeln geprüft, doch Copolla ließ alle gleichzeit reinkommen und vorspielen. Jeder konnte jedem zuschauen, sich ein Bild von der Konkurenz machen. Außerdem mussten die jungen Schauspieler nicht nur eine Rolle sprechen, sondern kreuz und quer durcheinander. Das filmte der Regiesseur alles mit einer Video-Kamera, was damals absolut neu war. Die Art und Weise des Castings muss viel Druck aufgebaut haben. Den schuf Copolla später auch, in dem er die Schauspieler der Socs besser behandelte als die der Greasers. Er baute also Sozialneid auf. Matt Dillon sollte eine Nacht in einem Gefängnis schlafen. Die Curtis-Brüder ließ er in ihrem (unbeheizten) Filmhaus übernachten und kochen – was keiner konnte. So schuf Copolla die richtige Stimmung, die er für den Film haben wollte.

Der Film kam genau so gut an wie das Buch, auch wenn Warner Copolla die Pistole auf die Brust setzte und ihn dazu brachte, den Film zu straffen. So strich der Regiesseur die Vorstellungsrunde. Erst 20 Jahre nach der Premiere lud Copolla noch einmal seine Schauspieler ein, eine Neufassung zu sehen. Diesmal mit einer vernünftigen Einleitung und weiteren Szenen, die in der ersten Schnittversion auf dem Boden landeten. Mit der Neufassung ist Copolla dann auch ganz dicht am Buch dran. Etwas, was ihm zuvor immer vorgeworfen wurde.

The Outsiders kann man als Sprungbrett für viele Schauspieler ansehen. C. Thomas Howell war kurz zuvor in E.T. – Der Außerirdische aufgetreten, hatte mit The Outsiders dann seinen großen Auftritt. Tom Cruise spielte hier in seinem dritten Film – schön mit schiefen Schneidezähnen. Und schon damals wollte er seine Stunts selber machen. Der olle Angeber ... Patrick Swayze hatte bereits vier Filmauftritte, Rob Lowe sollte hier in seinem ersten Film mitspielen und "Karate Kid" Ralph Macchio ebenso.

Was an dem Film schön ist: Er thematisiert die Sinnlosigkeit dieser Gewalt auf eine dezente Art. Bevor es zum großen Kampf zwischen den Greasers und den Socs kommt, unterhalten sich Ponyboy und der Socs Randy Anderson (Darren Dalton), der in der verhängnisvollen Nacht auch dabei war. Beide sind sich einig, dass das ständige Kämpfen völlig idiotisch ist. Dass Ponyboy und Cherry sich gut verstehen, Cherry sogar eine "Spionin" für die Greasers wird, zeigt auch, die Sehnsucht der jungen Menschen nach einem ruhigen Leben. Die Umstände erlauben das aber nicht.

Wer Copolla-Filme mag, sollte sich auch The Outsiders anschauen. Ich bleibe aber dabei, dass es nicht sein bester Film ist. Solide gemacht, typische Kamera-Einstellungen, gute Führung der Schauspieler, aber nicht an Der Pate herankommend.

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