Filmplakat Die Geheimwaffe
6,5/10

„Brillanter Mann dieser Sherlock Holmes. Bedauerlich, dass er ehrlich ist.“ (Die Geheimwaffe, 1942)


Die Geheimwaffe

Besprechung

Meisterdetektiv Sherlock Holmes (Basil Rathbone) ist mitten in den Kriegswirren nach Zürich gereist und bringt verkleidet den Schweizer Physiker Dr. Franz Tobel (William Post Jr.) nach England. Tobel hat ein neuartiges Bombenzielgerät entwickelt, das die Deutschen natürlich auch gerne in ihre Finger bekommen wollen.

In der Baker Street 221B angekommen, muss Holmes den Wissenschaftler seinem guten Freund Dr. Watson (Nigel Bruce) anvertrauen, weil er selber noch etwas erledigen muss. Tobel schleicht sich davon zu seiner Geliebten, Charlotte Eberli (Kaaren Verne). Der vertraut er einen Brief an, den sie Holmes geben möge, sollte ihm etwas zustoßen.

Tobel hat seine Erfindung in vier Teile geteilt, die für sich alleine nutzlos sind, und diese dann vier Männern anvertraut. Das, was alle befürchtet haben, tritt ein: Tobel wird entführt. Holmes findet heraus, dass sein Erzfeind Moriarty (Lionel Atwill) hinter der Tat steckt. Der will das Zielgerät an die Deutschen verkaufen und nebenbei Holmes ausschalten. Ein Wettstreit der Gehirne entfacht, wenn es darum geht herauszufinden, was der geheimnisvolle Brief an Holmes zu bedeuten hat.

Meinung von

Der zweite Propagandafilm mit Sherlock Holmes als Nazi-Jäger. Interessanterweise haben die Produzenten schon wieder, wie auch beim Vorgänger Stimme des Terrors, am Anfang des Films einen Verweis auf eine Holmes-Geschichte gegeben, die als Vorlage diente. In diesem Fall soll Die Geheimwaffe nach der Geschichte Die tanzenden Männchen entstanden sein.

Erneut ist das eine schamlose Übertreibung, wenn nicht gar Lüge. Was die beiden Geschichten gemein haben, das ist eine Botschaft mit einem Code, der aus tanzenden Strichmännchen besteht. Mehr nicht. Man musste die Holmes-Fans wohl irgendwie bei Laune halten und wollte sie nicht zu sehr vergrätzen, dass man plötzlich einen zeitgenössischen Holmes in komplett neuen Geschichten hatte.

Die Geschichte an sich ist dann aber recht amüsant und kompakt. Sherlock Holmes dreht in diesem Film voll auf, was seinen Verkleidungswahn anbelangt. Zunächst ist er ein alter Buchhändler, dann ein alter Seebär und schließlich ein Schweizer Wissenschaftler.

Die Autoren spielen mit Gadgets herum. So findet Holmes eine Kopie der gestohlenen Nachricht auf einem Block. Anstatt wie wir mit einem Bleistift darüber zu streichen, wendet er ein kompliziertes fototechnisches Verfahren an. Respekt. Holmes und Watson erfinden dann auch noch schnell eine Vorrichtung, um böse Buben unbemerkt zu verfolgen.

Was etwas seltsam ist, das ist der wiederauferstandene Moriarty. In Die Abenteuer des Sherlock Holmes sahen wir das Verbrechergenie zuletzt. Damals spielte ihn George Zucco. Lionel Atwill, der in Die Geheimwaffe den Gegner von Holmes spielt, trat in Der Hund von Baskerville noch als Freund von Sir Henry Baskerville auf. Dieser Personenwechsel ist nicht einmal das, was verwirrend ist. Moriarty starb am Ende von Die Abenteuer des Sherlock Holmes. Er fiel von einem hohen Turm in den Tod. Jetzt ist er aber wieder da. Hmm.

Wir sehen am Anfang zwei zwielichtige Deutsche, die aber von Holmes ausgetrickst werden. Später sehen wir noch einmal zwei andere Deutsche, die zackig-schneidig nicken, wenn sie von Moriarty Befehle entgegen nehmen. Ansonsten bleiben die Deutschen aber eher gesichtslos und werden lediglich als Schrecken benannt, der niemals an die Zielvorrichtung des Dr. Tobel gelangen darf.

Wie sein Vorgänger auch, ist Die Geheimwaffe ungewöhnlich kurz. Gerade einmal 68 Minuten dauert der Spaß.

Etwas seltsam mutet das Gespräch zwischen den beiden Genies Holmes und Moriarty an. Der Professor will Holmes schnell umbringen, der prahlt aber damit, dass er nicht nur nicht geschlagen wurde – was Moriarty zu dem Zeitpunkt noch nicht verstehen kann –, Holmes würde in vertauschten Rollen seinem Gegner auch einen "bunteren Tod" angedeihen lassen. Er erzählt Moriarty davon, dass er ihn ganz langsam, Tropfen für Tropfen, ausbluten lassen würde. Moriarty meint noch etwas wie "Die Nadel bis zum Schluss?". Das könnte eine Anspielung auf Holmes Kokainsucht sein, die in den Filmen natürlich nie offen angesprochen wird.

Moriarty fühlt sich in seiner Ehre gekränkt und macht dann genau das mit Holmes. Was folgt ist durchaus spannend zu sehen. Holmes blutet langsam aus, während sein Freund Watson zusammen mit Inspector Lestrade (Dennis Hoey) das Versteck von Moriarty finden muss.

Wieder ein Sonntagsnachmittagsfilm. Diesmal aber nur ein Stück Kuchen und zwei Tassen Tee. Der Film ist nicht lang genug für mehr. Danke.

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