Filmplakat Stimme des Terrors
6/10

„Für unsere bescheidenen britischen Hirne ist jedes Leben von Bedeutung.“ (Stimme des Terrors, 1942)


Stimme des Terrors

Besprechung

Die Nazis schüchtern die Engländer mit der „Stimme des Terrors“ ein, einer Radiosendung, die schreckliche Dinge voraussagt, die dann auch eintreffen. Das können Attentate, Brandschatzungen oder schlimmeres sein. Das Militär und Schottland Yard stehen vor einem Rätsel. Wie kann man diesen Sender mundtot machen? Sir Evan Barham (Reginald Denny) vom Inneren Geheimdienst holt Meisterdetektiv Sherlock Holmes (Basil Rathbone) ins Boot.

Holmes, begleitet von seinem treuen Kollegen Dr. Watson (Nigel Bruce), will das Angebot, den Sender zu stören nicht annehmen. Er will vielmehr die Leute hinter dem Sender auffinden und dingfest machen. Einen ersten Anhaltspunkt bekommt Holmes, als ein Informant vor seiner Haustür umgebracht wird. Mit seinem letzten Atemzug haucht er noch Christopher, bevor er stirbt.

Der Detektiv geht ins schummrige Viertel Limehouse. Hier heuert er die Frau des Verstorbenen, Kitty (Evelyn Ankers), an. Sie soll mit ihren Kontakten helfen, zu ergründen, was es mit „Christopher“ auf sich hat.

Während das gemeine Volk für Holmes spioniert, kommt der allmählich dahinter, dass wohl jemand aus dem Kriegsrat ein Verräter sein muss.

Meinung von

Äh, ich bin mir ziemlich sicher, dass Sherlock Holmes nichts im Zweiten Weltkrieg zu suchen hat. Sir Arthur Conan Doyle ist sogar vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges gestorben. Mit Stimme des Terrors ist der dritte Film der Sherlock Holmes-Reihe mit Basil Rathbone. Er ist der erste Film aus dem Hause Universal Pictures (die ersten beiden wurden von 20th Century Fox produziert) und er ist ganz eindeutig ein Propaganda-Film.

Der Vorgänger zu Stimme des Terrors, Die Abenteuer des Sherlock Holmes, kam am 1. September 1939 in die US-amerikanischen Kinos, das war auch der Tag, an dem die Deutschen den Zweiten Weltkrieg angefangen haben. Stimme des Terrors stammt aus dem Jahre 1942. Der Krieg war im vollen Gange. Was liegt näher, als eine beliebte Figur zu Propagandazwecken zu missbrauchen? Um das hinzubekommen, wird einfach im Vorspann erwähnt, dass Sherlock Holmes "zeitlos" sei und sein Genie sowie seine immer richtigen Gedankengänge in jeder Zeit ihre Berechtigung hätten. Wow. Was für ein Trick ...

Schwupp, ist Sherlock Holmes im Kriegs-London. Seine Frisur ist verzauselt und seine typische Deerstalker-Mütze muss am Kleiderhaken bleiben. Stattdessen wird zeitgemäß Hut getragen.

Der Feind ist nicht ein einfacher Mörder oder ein Verbrecher, sondern gleich ein ganzes Volk. Die Deutschen sind der Feind, der mit seiner grausamen Radiosendung Angst und Schrecken verbreitet. Um diese Form der Demoralisierung der Briten zu beenden, wird der Meister der Kombination herangezogen. Ja, er trifft die richtigen Schlussfolgerungen. Und damit auch ja jeder versteht, dass hier wirklich der wahre und einzigartige Holmes auf der Leinwand rumhoppelt, muss er ganz am Anfang einmal vor dem Kriegsrat angeberisch sein logisches Denken beweisen.

Der Film noir ist mittlerweile geboren, Regisseur John Rawlins hat entsprechend seinen Fuß auf den Mode-Zug gesetzt. Dabei gibt es zwar Schatten, aber vor allem echt fies helle Ausleuchtungen von Gesichtern. Das wirkt irgendwie gekünstelt.

Ansonsten ist Stimme des Terrors "Fastfood" im besten Sinne. Magere 65 Minuten kämpft Holmes gegen die Nazis. Natürlich schafft er es, den Verräter in den eigenen Reihen zu identifizieren. Ein böser deutscher Agent namens Meade (Thomas Gomez) muss auch dran glauben. Weil die Briten (bzw. die Alliierten) selbstredend die Guten sind, wird noch ein wichtiges Mitglied geopfert. Heldentod und so, weeste? Fertig ist die Kurzpropaganda.

Angeblich soll Stimme des Terrors auf der Kurzgeschichte His last Show (Seine Abschiedsvorstellung) basieren. Das ist wohl auch nur ein PR-Gag gewesen. "Seine Abschiedsvorstellung" hat herzlich wenig mit der vorliegenden Geschichte in Stimme des Terrors zu tun. Da wollte man wohl clever sein und das Propaganda-Filmchen als eine echte Conan Doyle-Geschichte tarnen. Buhh.

Stimme des Terrors ist im wahrsten Sinne des Wortes kurzweilige Unterhaltung. Wir sehen Holmes, wie er seine Talente ausschöpft. Da ist zum einen sein logisches Denken und seine Beobachtungsgabe. Allerdings schickt er in dieser Geschichte auch erstmals eigene "Spione" los, damit die ihre Augen und Ohren in London aufhalten und ihm Informationen zustecken.

Kann man sich anschauen, dass der altehrwürdige Holmes aber zu Propagandazwecken missbraucht wurde, schmeckt schon ein wenig schal.

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