Filmplakat Der Dialog
5,5/10

„Ich hab' überhaupt keine Ahnung, was menschlich ist und ich hab' keine Ahnung, was Neugier ist.“ (Der Dialog, 1974)


Der Dialog

Besprechung

Harry Caul (Gene Hackman) ist ein Star in der Abhörbranche. Sein letzter Auftrag lautete, ein Pärchen zu belauschen, das sich auf einem belebten Platz in San Francisco getroffen hat und beim spazieren gehen unterhält. Eine geradezu unmögliche Aufgabe, doch Harry ist verdammt gut. Das Tonmaterial, das er erhalten hat, ist mies, doch auch hier kann der geübte Beschatter noch einiges rausholen. Was er hört ist die Unterhaltung zwischen Ann (Cindy Williams) und Mark (Frederic Forrest), die davon reden, dass jemand sie umbrächte, bekäme er von der offensichtlichen Beziehung der Beiden mit.

Der paranoide Harry will sein Material bei seinem Kunden abgeben, doch der verweigert sich. Stattdessen landet Harry nur bei dessen Assistenten Martin Stett (Harrison Ford), der ihn später zu beschatten scheint. Harry will nur mit dem Auftraggeber reden.

Allmählich plagen Harry Gewissensbisse. Das, was er da aufgenommen hat, scheint bedrohlich für das Pärchen zu werden. Wie kann er ruhigen Gewissens damit leben, von einem potenziellen Verbrechen zu wissen und nichts dagegen zu unternehmen?

Meinung von

Francis Ford Coppola hatte gerade Der Pate fertiggestellt, da musste er mal ein kleineres Projekt angehen. So als Zwischenmahlzeit zwischen Der Pate und Der Pate – Teil II. Coppola hat die Geschichte zu Der Dialog selber geschrieben und dabei Regie geführt. Bei dem Film handelt es sich um eine Mischung aus Spionagefilm – im weitesten Sinne – und einem Drama. Harry sagt sich immerzu, dass es nur ein Job sei. Wenn er etwas bei den Überwachungen mitbekommt, das er nicht hören sollte, das eventuell sogar eine Straftat sein könnte, dann darf er sich nicht einmischen. Es ist nur ein Job.

Als strenggläubiger Katholik klappt das aber nicht so ganz mit dem Verdrängen. Er scheint von den letzten Bändern besessen zu sein. Er will in der Stimme der Frau Angst hören. Das macht ihn fertig.

Man muss beachten, wann der Film gedreht wurde. Damals hat man sich bekanntlich mehr Zeit gelassen, eine Geschichte zu erzählen, Action musste nicht an jeder Ecke lauern. Man hat den Protagonisten genauer ausgeleuchtet, seine Ängste, sein Wesen. Coppola verwendet viel Zeit darauf, Harry als einsamen Mann zu zeigen, der Angst hat Bindungen einzugehen. Er mag nicht über sich reden, keine Informationen preisgeben. Er weiß aus seinem Beruf, was es bedeutet, Informationen herzugeben. Die können alle gegen einen verwendet werden. Da Harry nicht verletzt werden will, sagt er nichts über sich. Das macht jede Beziehung schwer. Welche Frau will einen Mann, der nichts sagt, dem jede Frage zu viel ist?

Immer wieder spielt Coppola Aufnahmefetzen ein. Wir hören das Pärchen aus dem Park miteinander reden. Das ist wie ein böser Geist, der Harry heimsucht.

Von der extrem ruhigen Erzählweise mal abgesehen, steckt in Der Dialog eine interessante Geschichte, die allerdings schwach umgesetzt wurde. Die Dialoge der Schauspieler sind teils erlahmend, schleppend und gestelzt. Man mag nicht hinhören, so schlecht sind die manchmal. Coppola kann es besser. Aber vielleicht war er nach Der Pate auch nur erschöpft. Die Geschichte stammte bereits aus den 1960ern, doch erst nach dem finanziellen Erfolg von Der Pate konnte Coppola Der Dialog angehen. Angeblich gab es Schwierigkeiten zwischen Regisseur und Hauptdarsteller. Hackman sollte einen Mann spielen, der Gefühle unterdrückt – was Hackman schwer viel.

Neben John Cazale, der den Fredo in Der Pate spielte, setzte Coppola auch Harrison Ford ein, den er fünf Jahre später – nachdem Ford mit Krieg der Sterne ein Star wurde – noch einmal in Apocalypse Now in eine Nebenrolle steckte. Selbst Robert Duvall bekam noch eine Mini-Rolle.

Man muss schon Hardcore-Fan von Coppola sein, um den Film zu mögen.

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