Filmplakat Das Privatleben des Sherlock Holmes
6,5/10

„Eigentlich hab ich nichts gegen Frauen. Ich misstraue ihnen nur.“ (Das Privatleben des Sherlock Holmes, 1970)


Das Privatleben des Sherlock Holmes

Besprechung

Wir kennen alle die Geschichten des berühmtesten Detektivs der Welt. Dies ist eine bisher noch nie erzählte Geschichte aus der Feder seines besten Freundes Dr. Watson (Colin Blakely). Sherlock Holmes (Robert Stephens) langweilt sich. Dann greift er immer zu Drogen. Eines Abend wird eine junge Frau in der Baker Street 221B abgeliefert. Ein Kutscher hat sie aus dem Wasser gezogen, sie war kurz vor dem Ertrinken. Wie es scheint, wurde ein Anschlag auf die Frau verübt.

Die völlig durchnässte Frau kann sich an nichts erinnern. Sie hat keine Ahnung woher sie kommt, wer sie ist oder warum sie einen Zettel mit Holmes’ Adresse bei sich hatte.

Holmes nimmt den Fall an. Schnell findet er heraus, dass es sich bei der Frau um die Belgierin Gabrielle Valladon (Geneviève Page) handelt, die auf der Suche nach ihrem Mann ist.

Kaum hat Holmes eine erste Spur aufgenommen, die Richtung Schottland führt, bittet ihn sein Bruder Mycroft (Christopher Lee) zu sich in den Diogenes-Club. Mycroft verbietet seinem Bruder, in dieser Angelegenheit weiter zu ermitteln.

Nun reisen Holmes und Page als Ehepaar Ashdown getarnt zusammen mit ihrem Diener nach Schottland gen Loch Ness.

Meinung von

Eigentlich wollte ich den Film nur sehen, weil er unter der Regie von Billy Wilder entstanden ist, der bekanntlich für grandiose Komödien bekannt ist, ich denke da an Manche mögen's heiß oder Extrablatt. Also eine Sherlock Holmes-Komödie? Nicht wirklich. Das Privatleben des Sherlock Holmes ist durchaus ein ernster Holmes-Streifen. Zwar hat er gerade am Anfang viel Tempo und auch Witz, aber sobald die mysteriöse Frau auftaucht, befinden wir uns mitten in einem Fall des Meisterdetektivs.

Die Geschichte ist solide, man rätselt mit, erst recht als sich abzeichnet, dass Madame Page wohl ein falsches Spiel spielt. Hat Holmes eine falsche Natter an seiner Brust?

Wilder zeichnet ein ziemlich genaues Bild des beliebten Kriminologen. Dieser mag Frauen nicht, ist aber nicht schwul, auch wenn der Verdacht aufkommt. Er misstraut dem weiblichen Wesen. Offenbar alles mit Schmerz verbunden. Auch lernen wir, dass Holmes stets eine geistige Herausforderung benötigt. Ist diese nicht da, macht sich Langeweile breit und er begegnet dieser mit Drogen. Ein Umstand, der seinem bester Freund und Biograf Watson nicht gefällt.

Am Anfang erwähnt Watson, dass 50 Jahre nach seinem Tod eine Kiste in einer Bank geöffnet werden dürfte, in der auch brisante Details zum Leben seines Freundes stehen. So zählt der Fall mit Madame Page nicht von einer seiner Glanzleistungen. Daher wird die Geschichte auch erst so spät nacherzählt.

Der britische Schauspieler Robert Stephens ist hierzulande nicht besonders bekannt, hat er doch hauptsächlich im britischen TV gewirkt. Stephens verleiht der Figur des Holmes ein etwas anderes Bild, als wir es gewohnt sind. Nicht so drastisch wie Robert Downey Jr. in Sherlock Holmes, aber er ist auch nicht der typische, überhebliche Meisterdetektiv, den man sonst kennt.

In einer netten Nebenrolle sehen wir einen wahnsinnig jungen, glatten Christopher Lee.

Auch wenn ich enttäuscht war, weil Das Privatleben des Sherlock Holmes keine typische Billy Wilder-Komödie ist, wurde ich gut unterhalten. Der Film ist etwas für verregnete Sonntage.

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