Filmplakat Colossal
6,5/10

„Right now I'm more out of control then ever.“ (Colossal, 2017)


Colossal

Besprechung

Gloria (Anne Hathaway) arbeitet in New York für ein Online-Magazin und hat ein Alkoholproblem. Ihr Freund Tim (Dan Stevens) schmeißt sie deshalb auch aus seiner Wohnung raus. Gloria weiß nicht wohin, also fährt sie in ihre alte Heimatstadt in Maine, wo sie im Haus ihrer Eltern kampiert. Schon am zweiten Tag trifft sie auf ihren alten Schulfreund Oscar (Jason Sudeikis), der sie nicht nur in seine Bar mitnimmt, wo beide so einige Biere zu sich nehmen, er stellt sie auch später als Kellnerin ein.

Nach einer durchzechten Nacht erfährt Gloria davon, dass ein riesiges Monster durch Seoul gestampft ist und dort für helle Aufregung sowie viel Verwüstung gesorgt hat. Sie ist geschockt. Das Monster kommt regelmäßig wieder. Es taucht aus dem Nichts auf und nach einiger Zeit verschwindet es auch wieder dahin. Das haushohe Monster wird zum Medienphänomen.

Allmählich stellt Gloria fest, dass sie das Monster steuert. Immer wenn sie zu einer bestimmten Zeit über einen bestimmten Spielplatz geht, macht das Monster genau diese Bewegungen mit. Was anfangs lustig ist, ist tatsächlich bitterer Ernst, wie Gloria erschrocken feststellen muss. Ihre Taten sorgen für Tote. Und plötzlich ist auch noch ein riesiger Roboter da …

Meinung von

Okay, der Trailer versprach eine durchgeknallte Komödie, die der Film aber im Endeffekt nicht ist. Zwar hat Colossal seine lustigen Momente, vor allem am Anfang, wenn das Monster auftaucht, ist das wahrlich komisch. Was uns der spanische Autor und Regisseur Nacho Vigalondo hier präsentiert, geht aber tiefer als das Zwerchfell. Es geht um Alkoholismus, um innere Dämonen, um Missbrauch, um Selbsthass und Abhängigkeiten. Also unterm Strich keine leichte Kost.

Gloria hat immer wieder Aussetzer, wenn sie mal wieder zu viel getrunken hat, sowie Schmerzen, weil sie dann in unmöglichen Haltungen einschläft. Wie gut, dass es den netten Oscar gibt. Obwohl … er gibt recht zum Anfang zu, dass er sie auch mal online gestalkt hat. Das geht aber recht schnell unter. Erst als klar wird, was es mit dem Roboter auf sich hat, zeigt Oscar sein wahres Gesicht. Sudeikis ist besser bekannt für Komödien, wo er den netten Kerl spielt (z.B. Kill the Boss, Wir sind die Millers). Mit diesem Image haben er und Vigalondo bewusst gespielt. Denn was wir hier von Sudeikis sehen, ist nicht gerade "typisch" für den SNL-Veteranen.

Tim – eigentlich nur ein fürsorglicher Freund – weist Gloria zurück, wenn sie Hilfe bräuchte. Von ihm muss sie sich emanzipieren. Und schließlich auch von Oscar. Der anfängliche Spaß mit dem tanzenden Monster wird schnell Ernst, als Gloria bewusst wird, dass all ihre Taten – in Maine und in Korea – Konsequenzen haben, gar Leben kosten.

Ein weiterer Satz, der so ganz nebenbei fällt, aber durchaus zum Ton des Filmes passt: Als das Monster zum zweiten Mal durch Seoul stampft, fragt Gloria, ob das Monster denn nur in der koreanischen Stadt aufgetaucht sei? Nachdem das bestätigt wurde, meint sie, dass das schade sei. Wenn ein Unglück immer wieder am selben Ort passiere, verlieren die Menschen das Interesse an der Tragödie. Wo sie Recht hat ...

Colossal ist nicht die erhoffte Komödie, was heraus kam, ist an manchen Stellen "Nicht Fisch noch Fleisch", aber immerhin schafft es der Film, dass ich mich mit dem Thema mehr auseinander gesetzt und noch nach Erklärungen für das Gesehene online gesucht habe. Colossal regt also durchaus zum Nachdenken an. Eine vollständige Erklärung möchte ich dennoch nicht abgeben, das soll jeder mit sich selber ausmachen, nachdem er den Film gesehen hat.

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