Filmplakat Cars
5,5/10

„Offenbar habe ich meine Meinung geändert bekommen ...“ (Cars, 2006)


Cars

Besprechung

Lightning McQueen (Owen Wilson) ist der junge Aufsteiger im Autorennen. Er ist von sich selbst extrem überzeugt, hat schon den x-ten Teamleiter in dieser Saison gefeuert – er kann auch alleine. Für ihn es nur wichtig, den Piston Cup zu gewinnen, damit er einen Vertrag bei Dinaco bekommt. Bei seinem letzten Rennen muss er allerdings auf die harte Tour lernen, dass man sehr wohl Andere braucht und auch mal auf diese hören muss. Ohne Reifen schleppt er sich zeitgleich mit dem King (Richard Petty) sowie dem ekligen Herausforderer Chick Hicks (Michael Keaton) ins Ziel. Unentschieden. Das gab es noch nie. Ein Entscheidungsrennen in Los Angeles soll zeigen, wer der Größte ist.

Auf dem Weg nach Kalifornien verliert allerdings sein Truck Mack (John Ratzenberger) McQueen. Der findet sich – ohne Licht – plötzlich im kleinen Örtchen Radiator Spring wieder, wo er die Hauptstraße zerstört. Am nächsten Morgen bekommt er vom Doc (Paul Newman), der auch gleichzeitig der Richter ist, Gemeinschaftsarbeit aufgebrummt. Der rote Flitzer muss nun, vor eine Straßenbaumaschine gespannt, die Hauptstraße flicken. Worauf der natürlich gar keinen Bock hat. Er muss nach Kalifornien und gewinnen!

Auch wenn der hitzige McQueen alles daran setzt, zu entkommen – da ist der einfache Abschleppwagen Hook (Larry the Cable Guy), der sich McQueen als neuen Freund ausgesucht hat. Und auch die attraktive Porsche-Dame Sally (Bonnie Hunt) macht dem Rennwagen das Leben schwer. In der Woche, in der er vom Erdboden verschwunden zu sein scheint, lernt McQueen so einiges – auch über Doc Hudson.

Meinung von

Öh. Man muss Autos mögen, um Cars wirklich toll zu finden. Mache ich aber nicht. Für mich sind Automobile Fortbewegungsmittel, die mich möglichst trocken, energiesparend und sicher von A nach B bringen sollen. Mehr nicht. Damit bin ich leider ziemlich in der Minderheit. Vor allem die Amis, wo das Benzin ja nichts kostet, stehen auf ihre Wagen, die Weite ihres Landes und die Freiheit, die sie damit verbinden. Kein Wunder, dass die Cars gut finden.

Regisseur John Lasseter hat nicht nur Pixar aufgebaut, sondern mit Toy Story und Das große Krabbeln auch die Animationsfilme ganz weit nach vorne gebracht. Sein dritter abendfüllender Film sollte für ihn sehr wichtig werden. Beinahe zehn Jahre auf Hochtouren arbeitend, musste er mal runterkommen. Das ist für ihn dann auch das Thema von Cars. Nicht das Gewinnen, sondern der Weg soll das Ziel sein. McQueen ist nur aufs Siegen aus. Er hat keine Freunde. Er ist der Meinung, dass er die auch nicht bräuchte. Er weiß eh alles besser.

Radiator Spring war einst ein blühendes Städtchen, als die Route 66 noch befahren wurde. Dann kam die Interstate, die sich nicht mehr durch die Landschaft schlängelte, sondern das Land durchschnitt – die Autos sparten zehn Minuten ein. Die Wagen blieben von Radiator Spring fern und das Städtchen ging unter. Nur noch eine Hand voll Automobile ist geblieben. Dann kommt plötzlich dieser aufgedrehte, nervöse McQueen in ihr Leben. Der ungestüme rote Flitzer lernt, was es heißt einen Gang runterzuschalten, sich umzuschauen. Okay, das ist eine wichtige Lektion. Aber sie geht unter in dem "Oh wie toll ist es mit dem Auto unterwegs zu sein".

Wofür Pixar ja eigentlich bekannt ist, das ist die Fähigkeit, Gefühle mit Pixeln hervorzurufen. Das klappt bei Cars nicht so richtig. Sind halt kalte Blechkarosserien. Die Windschutzscheiben sind die Augen, jeder Wagen hat einen Mund und eine eigene Persönlichkeit. Dennoch stört man sich an der Vorstellung, dass die Autos lebendig sind. Erst ganz am Ende, im finalen Rennen, bekommt Lasseter es hin, McQueen "menschlich" zu machen und doch noch ein kleines Klößchen im Hals hervorzurufen.

In Cars gibt es keinen Bösewicht. Lightning McQueen ist unreif und muss erst wachsen. Keine Ahnung, ob das, was sich Lasseter da ausgedacht hat, so beim jungen Publikum ankommt. Bei mir, dem alten Publikum, ist es jedenfalls nicht angekommen. Egal. Es ist ein Pixar-Film, ich habe ihn gesehen und gut ist.

Interessant an Cars: Wie – leider – immer hat man in der deutschen Synchronisation auf Dialekte gesetzt. Die Autos sprechen "in Zungen". Jedes Mal nervig! Aber aus einem nicht erkennbaren Grund ist das bei Cars nicht ganz so schlimm. Vielleicht weil ich mich nicht so sehr mit einem Film über Autos identifiziere und somit nicht so viel Interesse daran habe, ob da bayrisch oder wienerisch gesprochen wird. Sie hätten es sich aber dennoch ruhig sparen können ...

Und Lightning McQueen? Hm, erinnert an Steve McQueen, der bekanntlich ein Rennfanatiker war. Nicht umsonst hat er den (unglaublich langweiligen) Le Mans gedreht.

Cars (und das gleichnamige Video-Spiel sowie ein kleiner Kurzfilm um Hook) war der letzte Auftrag für den großen Paul Newman im Filmgeschäft. Zwei Jahre später starb er 83-jährig an Lungenkrebs.

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