Besprechung
Eines Tages steht der Typ in der Tanke, irgendwo in Texas. Durch einen netten, kleinen Trick ergaunert er sich ein paar Dollar beim Inhaber. Das sieht Caroline (Samara Weaving), die in dem Laden arbeitet. Abends bemerkt sie seinen Wagen vor einer Kneipe … und setzt sich zu ihm. Oliver (Kyle Gallner), wie er sich vorstellt, weiß, dass seine Gaunereien nicht richtig sind, er weiß aber auch, dass er damit niemandem wirklich schadet. Caroline ist fasziniert von Oliver.
Der Gauner fragt Caroline, was sie will. Sie will reisen. Und so machen sich die beiden auf den Weg durch Amerikas Süden. Oliver bringt Caroline seine Tricks bei: wie man ein Portemonnaie klaut, wie man eine Uhr vom Handgelenk stiehlt oder wie man ein Auto knackt. Das bringt Caroline, dem Mädchen aus dem verträumten Kaff in Texas, alles wahnsinnig viel Spaß. Sie will mehr.
So fängt das Pärchen an Banken auszurauben. Dabei verfolgen die beiden einen Weg, den Weg nach South Carolina, wo Caroline ihre Mutter wähnt, die ihre Tochter kurz nach der Geburt mit ihrem Vater (Jon Gries) alleine gelassen hat.
Meinung von Nils
Mein erster Film beim diesjährigen Fantasy Filmfest — dem 40ten! Seit 40 Jahren gibt es das schon. Wahnsinn. So lange bin ich nicht dabei, aber ich habe schon viele Fantasy Filmfeste, Fantasy Filmfest Nights und Fantasy Filmfest White Nights im Savoy besucht. Dabei sah ich gute Filme, echt miese Streifen und einige Perlen waren auch dabei.
Was kann Carolina Caroline? In welcher Kategorie spielt der mit? In der guten. Ich gestehe, als ich die Ankündigung überflog, dachte ich nur "Bitte lass das nicht so eine Katastrophe wie June and John werden ..."
Das Thema von Carolina Caroline ist nicht neu. Wir haben hier im Grunde eine Abwandlung von Bonnie und Clyde vorliegen. Wie in dem Film mit Warren Beatty und Faye Dunaway fühlen sich auch Caroline und Oliver schnell zueinander hingezogen. Wie in dem 1967er-Film kann auch OIiver seine Taten sehr gut herleiten. Für ihn hat die Gaunerei viel mit Beobachtung und Menschenkenntnissen zu tun. Kennt man sein Gegenüber, kann man es ausnutzen. Es geht Oliver nicht um Macht, nicht nur ums Geld, für ihn geht es um Kontrolle.
Caroline saugt alles Wissen von Oliver auf. So werden die beiden ein extrem gut aufeinander abgestimmtes Team. Banken ausrauben ist ein logischer Schritt für Caroline. Oliver kann ihr nichts abschlagen. Was Regisseur Adam Rehmeier gut hinbekommen hat, was Samara Weaving und Kyle Gallner wunderbar spielen, das ist die tiefe Zuneigung der Zwei zueinander. Für meinen Geschmack hätte man weniger Bettszenen haben können, aber okay. Das Pärchen ist füreinander geschaffen.
In Bonnie und Clyde geht es den Bach runter, wenn der erste tödliche Schuss fällt. In Carolina Caroline kommt es nicht so drastisch. Die Medien berichten über die schwarzhaarige Bankräuberin, das macht Caroline schon zu schaffen. Als sie während eines Überfalls in die Augen eines verängstigten Kindes schaut, nagt es noch mehr an ihr.
Erst die Zusammenkunft mit ihrer Mutter (Kyra Sedgwick) lässt Caroline jeden Anstand vergessen. Oliver ist immer an ihrer Seite.
Während des Films war ich bei einer Bewertung von fünf MJ-Punkten. Am Ende hat sich der Film aber so sehr gemausert — das gut gemachte Ende spielt hier eine wichtige Rolle —, so dass es doch acht MJ-Punkte geworden sind. Die Geschichte ist rund, gut erzählt und toll gespielt. Wie es im Vorfeld des Films noch hieß: Es wurde emotional. Fantasy Filmfest Nummer 40 startete für mich also gut, ohne Horror, sondern mit einem schönen Stück Roadmovie-Romanze-Drama. (Es gibt meiner Meinung nach viel zu viel Horror auf dem Filmfest ...)
Wer sich denkt, die beiden Hauptdarsteller, die kommen einem doch bekannt vor? Samara Weaving haben wir in Ready or Not gesehen, der ebenfalls auf dem Fantasy Filmfest lief. Kyle Gallner kenne ich noch als verschrobenen Milchbubi in der tollen TV-Serie Veronica Mars. Man hat ihn aber auch in Smile gesehen.