Filmplakat Veronica Mars
8/10

„Cool, dass du den Schnauzer behalten hast, bis er wieder in wurde.“ (Veronica Mars, 2014)


Veronica Mars

Besprechung

Veronica Mars (Kristen Bell) hat ihre alte Heimat Neptune längst hinter sich gelassen, damit auch das Leben als Privatdetektivin. Sie hat Psychologie sowie Jura studiert und steht kurz davor, in einer großen Kanzlei einzusteigen. Da bekommt sie mit, dass Pop-Sternchen Bonnie DeVille ums Leben gekommen ist, eine junge Frau, mit der Veronica früher auf die Neptune High gegangen ist. Damit nicht genug – Veronicas alter Freund Logan Echolls (Jason Dohring) soll der Mörder sein. Veronica reist nach Neptune, um für Logan den richtigen Anwalt zu finden.

Ihr Vater Keith (Enrico Colantoni) freut sich, seine Tochter wieder zu sehen, hofft aber auch, dass sie schnell wieder abreist, um ihren neuen Lebensweg zu beschreiten. Veronica leckt jedoch schnell Blut und findet ein Puzzleteil nach dem anderen und fängt so an, den Fall aufzurollen, um den wahren Mörder zu finden. Dabei helfen ihr alte Freunde wie Wallace (Percy Daggs III) und Mac (Tina Majorino), aber auch Logans alter Kumpel und Mitbewohner Dick (Ryan Hanson) ist mit von der Partie. Auf seine Weise.

Veronica kommt allmählich dahinter, dass vor vielen Jahren, als sie alle noch zur Highschool gingen, etwas Schlimmes passiert sein muss, dass mit Bonnie und anderen ehemaligen Mitschülern zu tun zu haben scheint. Hinzu kommt, dass die Polizei von Neptune unter Sheriff Dan Lamb (Jerry O’Connell) mittlerweile extrem korrupt geworden ist und Veronica Steine vor die Füße wirft.

Meinung von

Veronica Mars war eine extrem geniale TV-Serie, die allerdings nach nur drei Staffeln abgesetzt wurde. Die Serie zeichnete sich durch ihre gewitzte, intelligente, freche, unerschrockene Hauptperson aus. Zudem schuf Autor und Schöpfer Rob Thomas (der beim Film auch im Regie-Stuhl hockte) eine Serie, die fern von den üblichen Teenie-Serien angesiedelt war. Veronica Mars war eine Außenseiterin, ein einsamer Wolf und die Geschichten waren teils hart. In der ersten Staffel ging es um den Mord ihrer besten Freundin, mit einem schockierenden Ende. Später ging es um einen Vergewaltigungsfall an der Uni. Alles unbequeme Themen – weshalb die Serie vermutlich auch 2007 abgesetzt wurde. In Deutschland hat das ZDF sie mitten in der Nacht verheizt ...

2013 startete Rob Thomas eine Kickstarter-Kampagne, um Geld für einen abendfüllenden Film zu organisieren und damit lose Enden der Serie zu beseitigen. Man setzte sich ein Minimum von zwei Millionen Dollar – die bereits nach elf Stunden gespendet waren. Nach einem Monat hatte man gut 5,7 Millionen Dollar von etwa 91.000 Spendern zusammen. Grünes Licht für den Film! 93 Sponsoren sollten sogar im Film Statisten-Rollen erhalten.

Heraus kam eine lange, "erwachsene" Veronica Mars-Folge, wie man sie lieb hat. Veronica ist immer noch frech, nicht auf den Mund gefallen und untersucht einen Fall mit genau so viel Leidenschaft wie früher auf dem kleinen Bildschirm. Der Fall ist gewohnt verzwickt, bzw. verzweigt. Er geht Jahre zurück und Verdächtige sind Leute, die eigentlich zunächst nicht auf dem Radar waren. Geheimnisse werden links und rechts aufgedeckt, das bringt alles Spaß.

Interessant ist der Ansatz von Thomas, seine Heldin als Abhängige dastehen zu lassen. Veronica wollte eigentlich ein neues Leben, ein sauberes Leben, ein Leben fern von dem "Sumpf" Neptune, ein Leben mit ihrem Freund Piz (Chris Lowell). Aber im Dreck wühlen ist ihr wahres Ding. Während sie sich auf einer Party scheinbar amüsiert, taxiert sie doch nebenbei alle Verdächtigen und potenziellen Täter – weil sie nicht anders kann. Ihr Schnüfflersinstinkt setzt ein. Dagegen kann sie nichts machen. Wohingegen ihr Vater seiner Tochter ein anderes Leben, nämlich das als Anwältin, wünscht.

Veronica Mars-Fans, die den Film unterstützt haben und für die der Film gemacht wurde, kommen auf ihre Kosten. Die lieb gewonnenen Charakter sind nach gut acht Jahren wieder zu sehen, sie haben sich nur gering verändert, sind etwas älter geworden, manche sogar gesetzter, wie z.B. der damalige "Bad Boy" Weevil (Francis Capra). Das zu sehen ist einfach gut.

Obwohl nur ein kleines Budget vorhanden – man kann den Film als Low Budget-Produktion bezeichnen –, haben doch einige bekannte Namen Cameo-Auftritte, was zeigt, dass auch andere Schauspielkollegen das Projekt unterstützten. Da sind als – in Europa – bekannteste Vertreter Justin Long, James Franco oder Jamie Lee Curtis zu nennen.

Veronica Mars-Fans kommen bei dem Film voll auf ihre Kosten. Neben einem Kriminalfall haben wir natürlich noch die Liebesbeziehung von Veronica. In der Serie war sie mit dem "kaputten" Logan zusammen, trennte sich später von ihm und kam mit dem lieben Piz zusammen. Aber wir wissen ja alle, dass Frauen die bösen Jungs lieber mögen. Doch die Serie endete mit Piz an Veronicas Seite. Ich hätte darauf verzichten können, weil es mich nicht so sehr interessierte, aber ich denke alle weiblichen Hardcore-Fans wollte hier eine Auflösung sehen.

Mit hat der Film gut gefallen. Ob Nicht-Fans die selbe Begeisterung empfinden, ist zu bezweifeln. Der Streifen lief auch nur ganz kurz und in sehr wenigen Kinos. Schade.

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