Filmplakat Bomb City
8,5/10

„We are all slaves to the authority, mum.“ (Bomb City, 2017)


Bomb City

Besprechung

Wir schreiben das Jahr 1997. Wir befinden uns in Amarillo, Texas. Der Punker Brian Deneke (Dave Davis) ist aus New York in seine Heimatstadt zurückgekommen. Er ist ein großer Fan der Band Filth und hat selber Bock darauf Musik zu machen. Zusammen mit seinen Kumpels und seinem älteren Bruder Jason (Dominic Ryan Gabriel) – der kein Punker ist, sondern ein Redskin – lebt Brian in den Tag hinein. Die Gruppe hilft dabei eines der größten Nachbarschaftskunstprojekte der USA zu gestalten.

Die Punks geraten hin und wieder an die braven, sauberen Highschool-Kids. Die spielen Football und kommen aus gutem Hause. Eines Abends kommt es zu einem Kampf zwischen den Gruppen. Dabei kommt Brian ums Leben. Er wird von einem der “guten” Kids, Cody Bates (Luke Shelton), mit dem Auto überfahren.

Schon von Anfang an sehen wir, wie eine Gerichtsverhandlung stattfindet. Erst am Ende offenbart sich voll, worum es geht …

Meinung von

Bevor ich in Bomb City gegangen bin, las ich bereits worum es sich in dem Film dreht, dass er auf einer wahren Begebenheit basiert. Den Ausgang hatte ich entsprechend auch schon gelesen. Also liegt hier ein Drama vor. Eine Ungerechtigkeit wie sie im Buche steht.

Brian ist voll in der Punk-Szene drin. Er skatet, er macht Kunst, er liebt sein Leben und seine neue Freundin Jade (Maemae Renfrow). Brian ist ein gerne gesehener Typ in der Szene. Er hat immer ein nettes Lächeln auf den Lippen. Dennoch wird er angefeindet in Amarillo, Texas. Nicht die beste Gegend, um ein Punk zu sein. Die "Guten", das sind die sportlichen Jungs aus der Highschool – Jocks genannt – mit den tollen Jacken und den süßen Mädchen. Scheiße, die sind so mal gar nicht gut. Die geilen sich an Gewalt auf, pushen sich gegenseitig hoch und wissen, dass ihnen nichts passieren kann. Der Anführer der Highschool-Clique, Ricky (Logan Huffmann), ist da ganz weit vorne. Er weiß, dass die Cops ihnen nie etwas tun werden …

Newcomer Jameson Brooks zeigt in seinem ersten abendfüllenden Film, dass er ein gutes Auge für die Geschichte und für die Optik hat. An einigen Stellen hätte Bomb City gerne etwas gestrafft sein können. So fand ich die Szene mit dem Übergriff der Polizei auf die Punks zu lang. Mann, was wurde da viel Fuck gesagt … Die Szene ist alleine betrachtet zu lang. Setzt man sie in Relation zur Folgeszene, ist sie genau richtig lang. Im Anschluss an die Festnahme der Punks (Graffiti und Widerstand gegen die Staatsgewalt) sehen wir die Highschool-Kids. Angetrunken, machen sie ein riesiges Lagerfeuer, fackeln ein Sofa ab. Die Stimmung scheint zu kippen, da kommt die Polizei vorbei. Der selbe Polizist, der eben noch Brian Pfefferspray ins Gesicht gesprüht hat, ist nun super freundlich zu Ricky und Co. Er bittet die Jocks höflich, die Versammlung aufzulösen, wünscht allen noch eine gute Heimreise. Hier zeigt sich, wie sehr mit zweierlei Maß gemessen wird.

In Texas ist es nicht gut, ein Punk zu sein. Anders zu sein wird gleich als Angriff auf alles Gute angesehen, was da ist in Amerika. Und – Fuck – warum nicht noch Jesus mit reinnehmen? Ja, gegen den ist das mit dem Punkdasein auch ein Angriff. Warum nicht?

Der Film zeigt Brian als netten Außenseiter. Als die Jocks im angetrunkenen, angeheizten Zustand ein Schild der Kunstaktion von Brian aus dem Boden reißen und bei Brians Kumpel King (Henry Knotts) durchs Fenster schmeißen, rastet der aus. Er fährt den Spacken hinterher, nur um in eine Falle zu laufen. King wird übel zusammengeschlagen. Als seine Freunde ihn finden, stachelt er sie an, mit ihm die Highschool-Spacken aufzumischen. Ein ungleicher Kampf folgt. King unterhält sich vor dem Aufbruch noch mit Brian und sagt ihm, wie satt er es habe sich immer zu ducken und zu verteidigen. Jetzt muss ein Zeichen gesetzt werden.

Der Regisseur Brooks erzählt die Geschichte geschickt. Nicht nur werden wir auf die Verhandlung am Ende eingestimmt. Er zeigt uns auch den Angreifer früh. Cody (im echten Leben hieß der Täter Dustin Camp), war in seiner Gruppe nicht weit oben. Ricky und seine Leute hacken gerne auf ihm herum. Cody ist innerhalb seiner Peergroup unterdrückt. Als er dann verspätet zu der Schlägerei kommt, steigt er nicht aus. Er hält gezielt auf einen der Punks zu – das war Brian.

Die anschließende Gerichtsverhandlung ist sehr schmerzhaft anzuschauen. Der Ankläger, Rechtsanwalt Jack Hamilton (Isaiah LaBorde), schildert die Vorgänge richtig. Er appelliert an die Geschworenen, das Verbrechen als das anzusehen, was es ist: ein kaltblütiger Mord. Dabei ist es egal woher der Täter kam und es ist auch egal woher das Opfer kam. Vor Gericht sollte das keine Rolle spielen. Doch dann kommt der Verteidiger Cameron Wilson (Glenn Morshower). Wie gesagt – Texas ist kein guter Ort, um ein Punk zu sein. Was wir hier sehen ist eine schreiende Ungerechtigkeit. Das macht betroffen und ärgerlich. Der Typ neben mir schüttelte ungläubig den Kopf und schniefte leise, so sehr hat den das mitgenommen. Es ist aber auch gut umgesetzt.

Das Thema ist wichtig, der Film gut fotografiert, gut gespielt. Von einigen Längen abgesehen ein guter Film.

Ebenfalls gut gemacht von Brooks: Bomb City fängt mit einer Rede von Marilyn Manson an und hört mit dem Rest des Interviews auf. Der Typ hat gute Ansichten! Wenn der zu Wort kommt, kommen da schlaue Sachen bei raus. Das hat er auch schon bei Bowling for Columbine bewiesen. Manson greift in dem Interview die Gewalt unter Jugendlichen, vor allem unter weißen Jugendlichen aus gutem Hause auf. Der Fall Brian Deneke findet dann im zweiten Teil des Interviews Raum.

hoch