Filmplakat 68 Kill
7,5/10

„I'm not your dog, Liza. And you're not my owner.“ (68 Kill, 2017)


68 Kill

Besprechung

Chip (Matthew Gray Gubler) ist ein wirklich netter Kerl. Er hat nur eine sehr ungesunde Beziehung zu Liza (AnnaLynne McCord). Zusammen leben sie in einem Trailer Park. Er hat einen Scheißjob, sie treibt es mit dem ekligen Ken Mckenzie (David Maldonado), für die Miete. Beim diesmonatigen Fick gibt Ken richtig an und zeigt Liza, dass er 68 Tausend Dollar im Tresor hat. Das hätte er lieber nicht machen sollen.

Liza überredet Chip dazu, bei den Mckenzies einzubrechen und das Geld zu klauen. Chip ist nicht so richtig glücklich darüber. Er versteht auch nicht, warum seine Freundin Knarren mitbringen will. Lange Rede – der Bruch geht schief, es fließt Blut und am Ende haben Liza und Chip die Geisel Violet (Alisha Boe) an der Backe.

Allmählich dämmert es dem guten Chip, dass seine Freundin zwar nett anzusehen, aber auch extrem durchgeknallt ist. Irgendwie muss er raus aus dieser Situation. Also flieht er mit Violet und dem Geld. Liza ist nicht happy… Und niemand will Liza nicht happy erleben.

Meinung von

Ach, da hatte ich ein glückliches Händchen bei meinem siebten Film im Rahmen des Fantasy Filmfests. 68 Kill ist herrlich kranker Scheiß. Matthew Gray Gubler ist der liebe, nette Schussel, der immer auf die falschen Frauen reinfällt. Diesmal hat er es mit Liza zu tun, die ihn schlägt, würgt, beschimpft. Das lässt der junge Mann alles über sich ergehen, weil er so verliebt ist. Und weil er nicht für sich einstehen kann. Das könnte alles gut laufen, wenn Liza nicht nur durchgeknallt, sondern auch noch extrem gefährlich wäre. Die Mckenzies killt die kühle Blonde ohne mit der Wimper zu zucken. Irgendwie geht ihr sogar einer dabei ab. Da rutscht ihr auch schon raus, dass man sich daran gewöhne. Das ist also nicht ihr erstes Mal, dass sie tötet? Scheiße! Chip will raus. Am liebsten mit Violet, von der niemand wusste, dass sie im Haus ist und in die sich Chip beim ersten Anblick verliebt.

Chip stolpert von einer unglücklichen Situation in die nächste. Nach Violet wird ihm die Tankstellenschlampe Monica (Sheila Vand) zum Verhängnis. Oh, dieser White Trash ist nicht schön. Vor allem, wenn er 68K vor Augen hat. Da geht die Gier durch und die Menschen werden zu Tieren. Immer mittendrin: Chip.

Nach Gubler schauen wir uns seine Gegenspielerin an. Liza wird erschreckend von AnnaLynne McCord dargestellt. Im Anschluss an den Film gab es noch eine Q&A mit Produzent Bob Portal und Autor/Regisseur Trent Haaga. Haaga wusste zu erzählen, dass er einen Tag bevor er nach New Orleans gefahren ist, um zu drehen, die Rolle von Liza an McCord vergeben sollte. Also die Frau wurde ihm empfohlen, man traf sich, er wusste sofort, dass sie die Rolle haben sollte – und musste nun ein Vorstellungsgespräch mit McCord führen. Die Dame, so Portal, ist auch im echten Leben so, wie im Film zu sehen. Vielleicht nicht ganz so blutrünstig, aber so hart. Also hat sie ein Interview mit dem Regisseur geführt – nicht umgekehrt. Er musste sich bei ihr bewerben. Eine gute Wahl – oder wie man das dann in diesem Fall nennt –, wie ich finde und wohl auch alle im Kino.

Und wäre ein Psycho nicht schon genug, wirft Haaga noch Sam Eidson als Lizas Bruder Dwayne in die Runde. Der ist nun wirklich der Oberpsycho. Liza verkauft ihm hin und wieder Frauen für sein neues Hobby "Forschungs-OPs". Mehr sage ich nicht … Haaga sah Eidson in Zero Charisma und meinte Holt mir den!. Das Studio fragte an, ob Haaga nicht vielleicht mal jemanden nehmen könnte, der etwas bekannter sei, aber der Regisseur lehnte ab. Auch, weil Dwayne drei Sätze mit insgesamt neun Wörtern hat – welcher Schauspieler "mit Namen" wollte da schon mitmachen …?

68 Kill basiert auf dem gleichnamigen Buch von Bryan Smith, das, so Portal, noch ekliger und brutaler sein soll als der Film. Na denn … Der Film ist eine Low Budget-Produktion, dafür kommt er aber sehr gut rüber. It Came from the Desert, bei dem Trent Haaga als Autor fungierte, ist auch ein Low Budget-Film, wirkt aber um Längen billiger als 68 Kill. 68 Kill ist schräg, blutig, abgefuckt und wer das alles mag, dem bringt der Streifen nette 93 Minuten lang Spaß. Ich hatte nette 93 Minuten.

Trent Haaga weihte das Publikum ein, dass er sich von alten Pulp-Magazinen aus den 40ern und 50ern hat inspirieren lassen. Die Szene mit der Zigarette zwischen den Zehen ist dann auch gnadenlos geklaut. Ich weiß nicht mehr woher, aber Trent meinte: If you have to, steal the most obscure.

Großen Dank auch dafür, dass ich jetzt Albträume haben werde wegen des T-Shirts von Chip, das er aus der Lost-and-Found-Kiste gefischt hat. Wie sagte Haaga so schön: Gubler sah das T-Shirt und meinte 'Jemand wird als ich zu Halloween unterwegs sein.' Da wusste ich, das ist das richtige Shirt. Jupp.

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