Filmplakat Super Dark Times
7/10

„Dear Allison, I have an idea for the talent show ...“ (Super Dark Times, 2017)


Super Dark Times

Besprechung

Zach (Owen Campbell) und Josh (Charlie Tahan) sind beste Freunde. Von Zeit zu Zeit hängen sie ab mit dem etwas zurückgebliebenen Daryl (Max Talisman), der eines Tages noch Charlie (Sawyer Barth) mitbringt. Das Quartett landet irgendwann bei Josh, man geht ins Zimmer des im Krieg befindlichen Bruders von Josh, wo Daryl einen Haufen Marihuana findet, den er haben will. Josh lehnt ab. Um abzulenken zeigt er seinen Freunden das Samurai-Schwert seines Bruders. Die Jungs gehen auf eine einsame Wiese am Rande der Stadt, wo sie mit dem Schwert spielen. Als Daryl und Josh anfangen sich zu streiten, passiert ein Unglück – Josh rammt dem Jungen das Schwert in den Hals.

Dieses traumatische Erlebnis soll alles verändern. Während Zach versucht „die Geschichten glatt zu ziehen“, zieht sich sein Kumpel Josh vollkommen zurück. Zach bleibt mit dem schrecklichen Geheimnis alleine, fängt an Fieberträume zu haben. Zu allem “Übel” macht die Mitschülerin Allison (Elizabeth Cappuccino) Annäherungsversuche. Wäre sie doch bloß zu einem anderen Zeitpunkt gekommen. Zach hatte schon lange ein Auge auf Allison geworfen – wie Josh auch –, aber der Junge muss alle Kraft aufbringen, mit dem Geschehenen fertig zu werden. Amouröse Gefühle kann er da gerade nicht aufbringen.

Eines Tages taucht Josh wieder auf. Auf der Geburtstagsfeier von Allison bring er Marihuana mit. Zach versteht seinen Freund nicht mehr. Kurze Zeit danach stirbt einer der Schulrüpel, die Zach und Josh immer terrorisiert haben. Zach glaubt nicht an einen Unfall.

Meinung von

Mein erster Beitrag beim 2017er Fantasy Filmfest. Ein guter Start ins Festival. Sehr ruhig und eine gute Geschichte. Wer den fürs Festival üblichen Horror erwartet, wird enttäuscht. Regisseur Kevin Phillips zeigt zwei Jungs, die sich im Rahmen des Erwachsenwerdens entfremden. Das passiert oft, ist aber im Normalfall nicht von einem Totschlag begleitet. Die Geschichte ist vermutlich bewusst in der Mitte der 1990er angesiedelt. Damals gab es keine Mobiltelefone, die Jugend hat sich noch mit sich selber beschäftigt, hatte echte Interaktionen. Zach und Josh schauen am Anfang verschlüsselte Pornos und gucken ins Jahrbuch der Schule, um sich über Mitschülerinnen zu unterhalten. Alles analog. Wenn man heute eine Textnachricht auf dem Mobiltelefon schickt, musste man damals noch zu der Person hingegeben oder man hat angerufen, lief dann aber zunächst u.U. bei den Eltern oder dem dummen Bruder auf.

Der Film wird als Coming-of-age-Film gehandelt, also ein Streifen, der sich mit dem Erwachsenwerden beschäftigt. Ja, kann man so sehen, ich denke, das traumatische Erlebnis würde auch bei Erwachsenen zur Entfremdung führen. Aber okay, legen wir Super Dark Times in diese Schublade.

Super Dark Times beginnt mit einer seltsamen Szene, die die Richtung vorgeben soll: dieser Film ist düster, kaltherzig, brutal. Die Szene spielt in der Schule der Hauptfiguren, also ist auch das geklärt. Dann werden die Protagonisten vorgestellt. Wie verbringen sie ihre Nachmittage? Was haben sie für Träume, was für Ängste? Zach würde gerne mit Allison abhängen. Josh wird von den Schulrüpeln getriezt und sie machen sich über seinen Bruder lustig, was Josh gar nicht abkann. Im Quartett hängen die Jungs ab, kaufen getrockneten Tintenfisch im hiesigen Supermarkt und ziehen sich das Zeug als Mutprobe rein. Josh zeigt hier schon leicht überzogene Charakterzüge. Er muss immer übertreiben.

Der unglückliche Totschlag treibt Josh über die Klippe. Jeder Junge geht mit dem Ereignis auf seine eigene Art und Weise um. Zach versucht ein normales Leben aufrecht zu halten, muss aber feststellen, dass die Last zu groß ist. Jetzt könnte er einen Freund gebrauchen, zumal Josh weiß, was passiert ist – doch der ist nicht da für seinen Kumpel.

Phillips' erster abendfüllender Film spielt irgendwo in Amerika, wo es kleine Städte gibt, verlassene Brücken, leere Straßen, Ödnis. Es ist Herbst, kalt, feucht, das Licht unangenehm. Oft sehen wir schlecht beleuchtete Szenen, die nicht auf Hochglanz poliert sind und so aussehen, als ob man da auch nicht in der Postproduktion noch künstlich Dunkelheit reingebracht hätte. Der Film fühlt sich authentisch an. Wer die Zeit noch kennt, fühlt sich zurückversetzt und kann sich besser in Zach hineinversetzen. Atmosphärisch ist Super Dark Times sehr gut aufbereitet, die Geschichte gut erzählt. Es gibt zwischendurch eine kleine Länge und am Ende eine Unlogik, wenn Zach es ganz eilig hat und das Haus der Mitschülerin Meghan (Adea Lennox) sucht – wieso zum Teufel läuft er durch die Straßen, wenn er doch eigentlich ein Fahrrad hat? Naja ...

Super Dark Times ist ein ruhiger, gut gezeichneter Film, der sich gen Ende zuspitzt und in den Gewalttaten Joshs mündet. Wieso der Junge ausrastet bleibt dabei unbeantwortet. Will er Zeugen beseitigen oder ist er endgültig "über die Klippe" gegangen und nun dort, wo er eigentlich schon lange sein sollte, auf der Seite der Psychopathen? Sehen wir einen verzweifelten jungen Mann oder die Geburt eines Massenmörders?

Vor dem Film hieß es noch, man habe Schwierigkeiten gehabt, den Film ins Kino zu bringen, weil er direkt von Netflix aufgekauft wurde. Es hat sich aber doch noch ein Filmverleih gefunden und so konnten wir den Streifen doch noch auf der großen Leinwand sehen.

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