Filmplakat 12 Years a Slave
7,5/10

„Ich will nicht überleben. Ich will leben“ (12 Years a Slave, 2013)


12 Years a Slave

Besprechung

Noch vor dem Sezessionskrieg in den USA lebt Solomon Northup (Chiwetel Ejiofor) als freier Schwarzer in Saratoga, New York. Wir schreiben das Jahr 1841. Solomon ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er ist ein angesehener Bürger, der vor allem für sein famoses Geigenspiel bekannt ist. Als seine Frau mit den Kindern für eine Arbeit fortfährt, lernt Solomon Mr. Brown (Scott McNair) und Mr. Hamilton (Daran Killam) kennen. Die laden ihn ein nach Washington zu kommen, wo er auftreten kann. Alles scheint gut zu sein – bis Solomon betäubt und verkauft wird. Ein freier Mann am Abend, am nächsten Morgen ein Sklave.

Der Sklavenhändler Freeman (Paul Giamatti) verkauft Solomon an den Südstaaten-Grundbesitzer Ford (Benedict Cumberbatch). Der ist sogar nett zu Platt, wie Solomon nun genannt wird. Aber als es eine Auseinandersetzung mit Fords leitendem Zimmermann Tibeats (Paul Dano) kommt, kann Ford Solomon nicht vor seinem eigenen Mann beschützen und verkauft den Sklaven weiter an Edwin Epps (Michael Fassbender), der sich selber gerne Niggerbrecher nennt.

War Ford noch ein angenehmer Halter, der auch auf Solomons Ratschläge gehört hat, ist Epps das Gegenteil. Epps ist erfüllt von Zorn und Hass. Es ist ihm eine Freunde sein Eigentum zu schlagen und zu demütigen. Epps hat es in all seinem Hass auf die Sklavin Patsey (Lupita Nyong’o) abgesehen – sehr zum Missfallen seiner Frau (Sarah Paulson), die in ihrem Mann nur ein schwaches Wesen sieht.

Solomon hat schnell gelernt, dass er sich untergeben muss. Er darf nicht auffallen, darf nicht zeigen, dass er gebildet ist und lesen kann. Solomon hat den Willen zu leben, kann am Ende aber nur versuchen zu überleben.

Meinung von

Solomon Northrup hat es gegeben. Der Film basiert auf seinem gleichnamigen Buch, das sein Leiden in den zwölf Jahren als Sklave beschreibt. Regisseur Steve McQueen (nicht zu verwechseln mit der coolen Sau aus den 1960ern), hatte lange Zeit Kurzfilme gemacht, bis er mit Shame seinen zweiten Spielfilm auf die Leinwand brachte, der ihm Beachtung brachte. 12 Years a Slave ist sein dritter abendfüllender Film.

In den ersten sechs Minuten von 12 Years a Slave sehen wir zwar Solomon, hören ihn aber nicht reden. Erst danach geht McQueen an den eigentlichen Anfang der Geschichte und zeigt uns die glückliche Familie Northup, dann die Reise nach Washington und von dort an den Leidensweg Solomons. Anfangs ist Solomon noch stolz, weiß wer er ist und was er will: seine Freiheit, die ihm zusteht. Aber einmal verkauft und ohne Papiere, die beweisen, dass er ein freier Mann ist, hat Solomon verloren. Es geht nur noch ums Überleben. Das ist alles, was jetzt noch zählt.

Bei Ford kann Solomon etwas Mensch sein. Er kann freie Gedanken äußern – immer natürlich im Rahmen. Er ist kein Mensch mehr, er ist ein Ding, das besessen wird. Wobei Ford etwas Mitgefühl zeigt. Ford kommt wie ein Mitläufer daher. Er bezahlt für seine Sklaven mit Schuldscheinen, so gut geht es ihm finanziell dann auch nicht. Vielleicht gerade wegen seiner weichen Art.

Ich kenne viele, die zwar keine großen Filmgucker sind, aber immer wieder davon schwärmen, wie sehr sie Paul Dano mögen. Der hat oft nur kleine Rollen. Dann spielt er zumeist sehr fragwürdige Charaktere (There Will Be Blood), verletzte Figuren (Little Miss Sunshine) oder kaputte Gestalten (Looper). Hier ist er ebenfalls fragwürdig (was ein nettes Wort für Arschloch ist). Tibeats kann es gar nicht ab, dass er einen schlauen Nigger vor sich hat. Der hat ihn beleidigt? Gleich mal lynchen. Zum Glück kommt Fords Vorarbeiter Chapin (J.D. Evermore) dazwischen.

Die Arbeit bei seinem neuen Herrn Epps stellt sich als die Hölle auf Erden heraus. Epps ist geistig instabil. Mal ist er der harte, gnadenlose Herr, der Peitschenhiebe als von Gott erlaubte Art der Züchtigung ansieht. Dann ist er aber auch wieder schwach, knickt vor seiner Frau ein und entwickelt ungeheure Eifersucht, wenn es um Patsey geht. Diese Eifersucht richtet sich dann aber auch gegen die junge Frau selber. Als seine Frau ihn dazu anhält, endlich das Leben aus Patsey zuprügeln, schafft Epps das jedoch nicht. Solomon muss das für ihn machen.

Im echten Leben soll Solomon mehrfach versucht haben zu fliehen. Das sehen wir in 12 Years a Slave nicht. Ihm kommt einmal der Gedanke, aber da läuft er auch gleich in einen Lynchmob rein. Danach scheint sich der Film-Solomon seinem Schicksal ergeben zu haben. Wir sehen am Anfang, dass er irgendwann versucht einen Brief zu schreiben. Doch dafür wird er verraten.

Erst Jahre später trifft Solomon auf der Farm von Epps auf den kanadischen Zimmermann Bass (Brad Pitt), der eine sehr liberale Einstellung hat. Der hört sich die Geschichte von Solomon an und hilft ihm.

Der Film ist wunderbar gefilmt. Ejiofor spielt so gut, dass es ihm eine Oscar-Nominierung eingebracht hat. Dennoch misse ich den Schmerz und die Verzweiflung, die der echte Solomon ohne Zweifel hat empfinden müssen. Hinzukommen die fehlenden Fluchtversuche, was die Umsetzung der Figur schwach erscheinen lässt. Da hätte man mehr machen können. Michael Fassbender erhielt ebenfalls eine Oscar-Nominierung. Er hat sie verdient gehabt. Seine Figur ist vielschichtig, ein ekliger, absolut verdorbener Mann, der gleichzeitig schwach ist. Das spielt er gut.

Interessant fand ich, dass der Film am Anfang noch eher moderne Musik im Hintergrund hat. Das geht bis zur Entführung nach Louisiana. Erst später fällt einem auf, dass es nun die klassischen Streicher sind, die den Film musikalisch untermalen. Natürlich weiß ich nicht, was sich McQueen dabei gedacht hat. Aber eine Vermutung von mir wäre das Spiel neues gegen altes Amerika. Aber was weiß ich schon? Fiel mir nur auf und ich fand es interessant.

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