Filmplakat Little Miss Sunshine
7,5/10

„Miss California, essen sie Eis?“ (Little Miss Sunshine, 2006)


Little Miss Sunshine

Besprechung

Die Familie der Hoovers ist nicht die typische All-American-Familie. Oder vielleicht doch … Vater Richard (Greg Kinnear) versucht sein “Neun-Stufen-Modell wie man ein Gewinner wird” an den Mann zu bringen, seine Frau Sheryl (Toni Collette) hat an den verzweifelten Versuchen ihres Mannes Erfolg zu haben zu knabbern. Ihr suizidgefährdeter Bruder Frank Ginsberg (Steve Carell) ist eben erst bei den Hoovers eingezogen, in das Zimmer von Hoover-Sohn Dwayne (Paul Dano), der ein Schweigegelübde abgelegt hat und sowieso alle hasst. Opa Edwin (Alan Arkin) ist aus dem Altersheim geflogen, weil er Drogen genommen hat, kümmert sich aber aufopferungsvoll um die kleine Olive (Abigail Breslin).

Olive hat bei einem lokalen Schönheitswettbewerb den zweiten Platz gemacht, rückt aber durch einen Zufall auf Platz 1. Dadurch hat sie die Chance, an dem Schönheitswettbewerb Little Miss Sunshine in Kalifornien teilzunehmen. Um Geld zu sparen, will Sheryl mit Olive von Albuquerque nach L.A. mit dem gelben Familien-VW-Bus fahren. Am Ende sind alle aus der Familie an Bord und eine mehrtägige, aberwitzige Reise beginnt.

Es ist nicht alles Sonnenschein auf der Fahrt. Nur Olive bleibt stets optimistisch und freut sich sehr darauf, bei dem Wettbewerb die Choreographie vorführen zu dürfen, die sie mit ihrem Opa so lange eintrainiert hat.

Meinung von

Little Miss Sunshine fängt recht tragisch und schwer an. Die Figuren sind alle nicht leicht, die Stimmung im Hause Hoover mies. Richard, der ein Buch auf den Markt bringen will, das zeigt, wie man Erfolg haben kann, scheitert selber. Seine Einstellung zu "Gewinnern und Verlieren" prägt auch die kleine Olive. Zwar hat sie viel Optimismus, aber eines Abends vertraut sie sich ihrem Großvater an und gesteht ihm ihre Angst zu verlieren. Kein gezeigter Charakter ist leicht zugänglich. Frank ist schwul und wollte sich aufgrund einer unglücklichen Liebe und Verlust von Erfolg das Leben nehmen. Eine Reise mit diesen Haufen möchte eigentlich niemand gerne machen.

Großvater Edwin ist nicht nur gerne auf einem Trip und hinter jedem Weibervolk her, er nimmt auch nie ein Blatt vor den Mund. Das bekommen Dwayne und Frank auch zu spüren. Er bringt durch seine schnodderige Art Witz in den Film. Tatsächlich hat Alan Arkin für seine Darstellung den Oscar als bester Nebendarsteller erhalten.

Es gibt keinen Hauptdarsteller in dem Film, alle sechs Protagonisten sind gleichermaßen im Mittelpunkt. Das ist etwas ungewöhnlich, aber so gewollt von dem Regisseursehepaar Jonathan Dayton und Valerie Faris.

Die Reise der Hoovers ist tragisch und komisch zugleich. Die Kupplung des VW-Busses geht kaputt, weshalb alle anpacken und schieben müssen. Frank begegnet seinem Ex-Schwarm an einer Tanke. Edwin stirbt und gefährdet damit die Teilnahme Olives an dem Wettbewerb. Doch die Familie rauf sich zusammen und setzt alles daran, dass das jüngste Familienmitglied seinen Traum verwirklichen kann. Die Hoovers wachsen durch die Missgeschicke und Strapazen der Reise zusammen.

Der eigentliche Wettbewerb ist dann ganz grausam. Die kleinen Mädchen, die dort antreten, sind hochgezüchtete Miss-Abklatsche. Absolut künstlich und gruselig. Olive hingegen ist ein ganz normales kleines Mädchen, etwas pummelig und mit übergroßer Brille. Wie kann sie gegen diese Schaufensterpuppen standhalten? Auch hier kommt die mittlerweile (halbwegs) genesene Familie zur Hilfe. Das ist alles so schön herzerwärmend gemacht, dass man sich als Zuschauer selber nur noch freuen kann.

Abigail Breslin war als Sechsjährige gecastet worden. Da der Film jedoch einige Schwierigkeiten hatte, bevor der Dreh starten konnte, vergingen noch einmal einige Jahre. Breslin stand somit als Neunjährige vor der Kamera und mimte eine Siebenjährige. In der Zwischenzeit konnte die junge Schauspielerin auch noch einige Erfahrungen in anderen Produktionen sammeln. Mit Little Miss Sunshine – für den Breslin ebenfalls eine Oscar-Nominierung als beste Nebendarstellerin erhielt – wurde sie einem breiten Publikum bekannt.

Man kann sich Little Miss Sunshine nicht einfach mal so nebenbei anschauen. Dafür ist die Grundstimmung zunächst zu tragisch. Aber wenn man sich darauf einlässt und das schöne Ende miterlebt, hat man einen guten Filmabend gehabt. Die Grundaussage mag wohl sein: Es gibt keine Gewinner oder Verlierer – Hauptsache ist, man es versucht und man seinen Spaß. Der Rest ist egal.

Der Film erhielt einen zweiten Oscar, neben dem von Alan Arkin, und zwar für das beste Drehbuch. Drehbuchautor Michael Arndt hat nach eigenen Aussagen viele der Erlebnisse im VW-Bus auf Kindheitserinnerungen basieren lassen.

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