Filmplakat Vaiana
8/10

„Wenn man ein Vögelchen zum Schreiben benutzt, heißt das Twittern.“ (Vaiana, 2016)


Vaiana

Besprechung

Vaiana (Auli’i Cravalho) ist die Tochter des Chiefs eines Insel im Pazifik. Seit sie klein ist, zieht das Meer die junge Frau in ihren Bann. Sie sehnt sich nach der Weite des Meeres, doch niemand hat je die Lagune verlassen. Die See ist viel zu groß und viel zu gefährlich. Die Sehnsucht seiner Tochter bereitet Chief Tui (Temuera Morrison) Sorgen.

Als die Kokosnuss-Ernte vergammelt und rund um die Insel keine Fische mehr zu finden sind, nimmt es Vaiana auf sich, doch ins Meer aufzubrechen. Sie will, wie es ihr ihre Großmutter Tala (Rachel House) gesagt hat, den Halbgott Maui (Dwayne Johnson) finden und ihn dazu zwingen, Te Fitis Herz zurückzubringen. Te Fiti ist die Mutter aller Inseln, der Ursprung allen Lebens. Vor tausend Jahren hatte der Halbgott des Windes und des Meeres das Herz gestohlen. Dafür wurde er verbannt.

Langsam macht sich also die Finsternis auf der Welt breit und wie es scheint, hat sie auch schon Vaianas Insel erreicht. Als die 16-Jährige den Halbgott findet, ist der aber nicht besonders hilfsbereit. Zum Glück hat Vaiana das Meer als Verbündeten, um Maui doch dazu zu bewegen, ihr zu helfen. Doch dafür müssen die Zwei erst einmal Mauis magischen Haken finden.

Meinung von

Disney-Filme brauchen singende Prinzessinnen. Das ist so. Das ist auch bei Vaiana nicht anders. Die junge Frau steht zwischen den Stühlen. Sie muss ein Volk anführen, aber sie will auch die See erkunden. Da ist dieser unglaubliche Drang, den sie verspürt. Wir sehen auch, dass sie das Wasser zu beeinflussen vermag, bzw. dass das Meer eine Beziehung zur kleinen Vaiana aufbaut und ein eigenständiges Wesen zu sein scheint. Doch diese frühe Kindheitserinnerung ist verschüttet und Vaiana denkt, das war nur ein Traum. Immerhin ist das Meer gefährlich und niemand ist je über die Grenzen der Insel hinausgekommen.

Vaiana ist nicht die übliche Disney-Prinzessin. Sie ist nicht auf Liebe aus, die hat keinen Schmachter nach ihrem Prinzen. Vaiana ist selbständig, mutig und will ihr Volk retten. Dazu muss man sich auch schon mal mit einem hinterfotzigen Halbgott abgeben, der einem ständig das Boot unterm Hintern klauen will und der sich immerzu in seinem monströs großen Ego zu suhlen scheint. Dwayne Johnson spricht und singt Maui sehr schön. Bei der Wahl der Stimmen (im Original) hat man hauptsächlich auf Schauspieler aus dem polynesischen Raum gesetzt. Der Film spielt schließlich auch in diesem Weltteil.

Vaiana ist ein herrlich lustiger Film. Es wird wie immer gesungen, das muss man mögen. Was fehlt ist der Tränendrüsen-Faktor. Es gibt keine Szene, die einem ans Herz geht. Sehr ungewöhnlich.

Während unsere Prinzessin zwischen Pflicht und Schicksal hin- und hergerissen ist, wird auch das Weltbild von Maui ins Schwanken gebracht. Wir lernen ihn als egoistischen Dieb kennen, müssen aber im Laufe des Films erkennen, dass er eigentlich immer nur im Sinne der Menschen gehandelt hat. Die Tatsache, dass er das Herz von Te Fiti gestohlen hat, war auch nur eine Geste für die Menschen. Er wollte ihnen damit das Geschenk machen, neues Leben zu schaffen. So ganz uneigennützig ist sein Handeln aber auch nicht. Der Halbgott ist ständig auf der Suche nach Anerkennung von den Menschen. So fröhlich und brüsk Maui auch ist, im Grunde ist er eine traurige Figur.

Wie es sich für einen Disney-Film gehört (oder eigentlich mehr für einen Pixar-Streifen, aber die gehören ja nun auch zu Disney), wurde vor dem Film sehr viel Recherche betrieben. So enthält Vaiana viele Elemente aus der polynesischen Kultur. Der Tanz, die Bedeutung der Kokosnuss, die Ehrfurcht vor dem Meer, der Gesang – alles Dinge, die genau beobachtet wurden und dann mit viel Liebe in den Film einflossen.

Vaiana ist ein gelungener, leichter Abenteuerfilm. Eine Figur wurde ganz sicher nicht von einem polynesischen Sprecher gemimt. Der völlig durchgeknallte, völlig vertrottelte Hahn Heihei wurde von Alan Tudyk "gesprochen". Dinge gibt's …

Wer einen amüsanten Abend mit zwei oder drei guten Liedern ("You’re welcome"), einer charmanten, starken Heldin, einem tollen Gegenpart (Maui) und einem bedepperten Hahn sehen möchte, ist mit Vaiana bestens bedient.

Einziger Punkt, der mich gewundert hat: Wieso wurde aus dem Originaltitel Moana im deutschen Markt Vaiana? Dazu gibt es Spekulationen, die etwas mit Copyrights zu tun haben oder damit, dass man nicht an einen Porno-Star erinnern wollte.

Lustig übrigens die kleine Referenz an Frozen. Wenn Maui seinen Haken wieder hat, will er sich wie gewohnt in einen Raubvogel verwandeln. Die tausend Jahre Isolation haben ihn aber einrosten lassen und so muss er ein wenig herumexperimentieren beim Formwandeln. Eine Figur, die er einnimmt, ist die des Rentiers Sven aus dem Eiskönigin-Märchen.

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