Filmplakat The Villainess
7,5/10

„Selbst wenn es nur für einen winzigen Moment war - hast du mich je geliebt?“ (The Villainess, 2017)


The Villainess

Besprechung

Seit sie als kleines Kind hat ansehen müssen, wir ihr Vater vor ihren Augen ermordet wurde, ist Sook-hee (Ok-bin Kim) auf der Suche nach dem Mörder. Sie wird von Joong-sang (Ha-kyun Shin) aufgenommen und zu einer Attentäterin ausgebildet. Die beiden kommen sich im Laufe der Jahre näher und stehen kurz davor zu heiraten, als Joong-sang ermordet wird. Sook-hee macht sich im Alleingang auf, um diesen Mord zu rächen. Als sie sich durch ein Haus voller Krimineller gemetzelt hat, wird sie festgenommen.

Sook-hee wird von einer geheimen, staatlichen Organisation aufgenommen. Ihr Gesicht wird verändert und die junge Frau erhält ein weiteres Training zur Attentäterin unter der Chefin Kwon (Seo-hyeong Kim). Sook-hee soll als Schläferin auf ihre Aufträge warten. Getarnt als Schauspielerin geht sie mit ihrer Tochter Eun-Hye (Yun-Woo Kim) nach Seol.

Sie kommt dem Nachbarn Hyun-soo (Jun Sung) nahe. Was Sook-hee nicht weiß: der arbeitet auch für Chief Kwon. Die Organisation traut ihren Agentinnen nicht voll. Als Sook-hee Hyun-soo heiraten will, bekommt sie an ihrem Hochzeitstag einen Auftrag, der einen Geist aus ihrer Vergangenheit auferstehen lässt. Von dort an sind Sook-hee und Eun-Hye in Gefahr.

Meinung von

Der Streifen lief auf dem Fantasy Filmfest, aber nur im Original. Interesse hatte ich schon, aber mein Koreanisch ist etwas eingerostet. Also musste ich warten, bis er auf einem Silberling erschien.

Irgendwas hat der Film, das ansprechend ist. Auf der anderen Seite ist er auch ganz schön wirr erzählt. The Villainess springt in der Zeit hin und her, was an sich ja nicht neu ist. Dennoch ist dieser Geschichte in diesem Fall schwer zu folgen.

The Villainess erinnert in weiten Teilen stark an Nikita. Beide Frauen verschwinden von der Leinwand und werden von einer geheimen Geheiminstitution rekrutiert. Beide werden ausgebildet im Kampf, im Gebrauch von Schusswaffen und im Schminken. Beide Frauen nehmen eine harmlose, öffentliche Identität an. Sook-hee hat aber ein Kind, von dem wir lange nicht wissen, woher es stammt. Nikita verliebt sich ein einen Normalo, Sook-hee fällt auf ihren Beobachter von der Geheimorganisation rein. Hier unterschieden sich die Filme also.

Während Nikita eine orientierungslose Junkie-Braut ist, ist Sook-hee durch ihren Retter und späteren Lover bereits zu einer Attentäterin ausgebildet. Sook-hee sinnt auf Rache. Sie will den Mörder ihres Vaters finden und später auch den von Joong-san. Die Rachegefühle lassen die junge Frau emotional verkümmern. Sook-hee ist Großteile des Films emotionslos.

Mit The Villainess haben wir also ein klassisches Rache-Epos vor uns mit einer Heldin, die sehr zurückgezogen spielt, dafür aber um so besser kämpfen kann.

Der Film fängt damit an, dass "jemand" – später lernen wir, dass es Sook-hee ist – in einen Gebäudekomplex eindringt und eine wahnsinnige Zahl von Angreifern brutalst dahinmetzelt. Das ist zunächst aus der Ego-Shooter-Perspektive zu sehen. Wir haben keine Ahnung, wer da auf er Leinwand mordet. Das geht fast 5,5 Minuten, dann eine kleine Unterbrechung durch einen Szenenwechsel und der Kampf geht noch einmal knapp 1,5 Minuten weiter. Der Zuschauer ist immer mitten im Kampfgeschehen.

Das muss man dem Film lassen: Die Kameraführung ist wahnwitzig! Schnell dreht sich die Kamera und wir haben nur wirbelnde Hände vor uns. Später kämpft Sook-hee mit einem ganzen Sportstudio, während sich die Kamera um sie dreht und durch die Kämpfenden hindurch. Das ist verrückt! Ebenso der Kampf gen Ende des Films im Bus. Was zum Teufel?? Weiteres Highlight ist dann die Verfolgungsszene mit den Motorrädern. Man sitzt da mit großen Augen, lässt sich von der Gewaltorgie berieseln und fragt sich Wie haben die das nur gemacht???.

Eine halbwegs gute Geschichte mit einem kleinen Twist gen Ende. Vor allem besticht der Film durch seine ausgeklügelten Kampfszenen, die "hautnah" umgesetzt sind.

hoch