Filmplakat Nikita
6/10

„Lass dich von dem großen Vergnügen leiten ... einem Privileg eine Frau zu sein.“ (Nikita, 1990)


Nikita

Besprechung

Der Raub einer Apotheke durch eine kleine Gruppe Junkies geht mächtig in die Hose und artet in eine wilde Schießerei aus. Die völlig zugedröhnte Nikita (Anne Parillaud) erschießt auch einen Polizisten. Dafür wird die aggressive Frau zu lebenslanger Haft verurteilt. Eine geheime staatliche Einrichtung macht ihr jedoch ein Angebot: entweder arbeitet sie für den Staat – geheim und tödlich – oder aus dem Lebenslänglich wird eine Todesstrafe. Ihr Betreuer ist der bärbeißige Bob (Tchéky Karyo).

Nikita ist eine begabte Schülerin. Mit Waffen kann sie bestens umgehen. Im Nahkampf geht sie ungewöhnliche Wege. Doch sie wird nicht nur zur brutalen Waffe ausgebildet. Sie erhält auch eine Ausbildung in einem noch gefährlicheren Fach: dem Frausein. Die Weiblichkeit wird als Waffe eingesetzt. Nikita ist störrisch, wehrt sich gegen das Programm, bis ihr Bob die Pistole auf die Brust setzt. Sie muss schnell Ergebnisse zeigen, sonst kommt die Todesspritze.

Also strengt sie sich an. Ihre Feuerprobe geht beinahe in die Hose. Bob und seine Vorgesetzten spielen mit der Waffe Nikita, die schließlich in eine normale Scheinexistenz entlassen wird. Unter dem Namen Marie Clément lebt sie eine harmloses Leben. Sie gibt vor Krankenschwester zu sein. Schnell lernt sie Marco (Jean-Hugues Anglade) kennen und lieben. Es scheint, als hätte Nikita nach ihrer exzessiven Lebensweise endlich Ruhe gefunden. Doch Bob lässt nicht locker.

Meinung von

Ah, ein Luc Besson-Film. Man merkt dem Streifen seine französische Herkunft an. Kennen wir doch alle: französische Filme sind irgendwie … "anders". Sie fühlen sich anders an. Das Licht ist anders, die Schauspielkunst ist anders, die Dramaturgie ist anders. Anne Parillauds Darstellung der kriminellen Nikita ist entsprechend … sagen wir "sehr ausdrucksstark". Andere würden sagen übertrieben. Ihre Gewaltausbrüche sind sehr extrem nervig. Sie verweigert sich ohne sichtlichen Grund gegen die Ausbildung. Erst später erahnen wir, was sie an der Attentäterin-Ausbildung nicht mag.

Nikita kommt aus einer kaputten Lebenssituation. Sie ist drogenabhängig, sie lebt vermutlich auf der Straße oder in einer schäbigen Wohnung mit ihren Co-Junkies. Dann bringt sie völlig weggetreten einen Polizisten um. Die Verhandlung und der erste Kontakt mit Bob verlaufen aggressiv. Erst als Bob ihr damit droht, dass sie doch noch ihre Strafe erhält, wenn sie nicht endlich lernt, bekommt die junge Frau die Kurve.

Sie wird von Bob eingeladen. Sie fühlt sich schön, weiblich, gemocht. Dabei ist das ihr erster Mordauftrag, der dann auch noch schief zu laufen droht. Da realisiert Nikita, dass sie eine Waffe ist. Aber sie möchte keine Waffe sein, stattdessen klingt ein normales Leben mit Beziehung eigentlich ganz attraktiv. Sie findet die Liebe mit Marco. Ihr altes Leben ist vergessen. Allerdings ist sie eine vom Staat gemachte Waffe. Sie kann nicht einen Einsatz haben und dann ein Traumleben führen. Bob steht immer wieder vor ihrer Tür und bringt Nikita in extreme Situationen.

Ein Einsatz geht voll in die Hose. Sie versucht die Situation noch zu retten, schafft es jedoch nicht. Da kommt der Cleaner Victor (Jean Reno), der aber nichts wirklich besser macht. Die Welt scheint über Nikita zusammenzubrechen.

Interessant ist der Gedanke, dass Nikita nicht nur im Umgang mit Waffen und im Nahkampf ausgebildet wird. Wenn Nikita in das geheime Ausbildungslager kommt, ist sie noch heruntergekommen und zerzaust. Doch sie wird zu einer perfekten Waffe gemacht: das heißt hier, dass ihre Weiblichkeit auch ausgebildet wird. Eine Frau zu sein ist alleine schon eine Waffe. Wie wahr ...

Nikita hat also eine "ordentliche Ausbildung" erhalten – ja, zur Attentäterin, aber immerhin eine Ausbildung – und eine neue Identität. Zusammen mit Marco baut sie sich ein neues Leben auf. Die junge Frau hat eine zweite Chance erhalten und sie voll genutzt. Es könnte ein schönes Leben sein, doch sie muss immer wieder Drecksarbeit machen, Menschen das Leben nehmen. Das passt nicht mit "ein schönes Leben haben" zusammen. Nikita gerät in einen fiesen Konflikt, aus dem es nur einen Ausweg zu geben scheint ...

Besson wollte einen Film machen, in dem es um Gewalt geht. Hat er hinbekommen. Man muss französische Filme mögen, dann ist Nikita ein sehenswerter Streifen. Ich bin nicht so der Fan davon, also muss ich leider Abstriche vornehmen. Der Film ist nicht wirklich schlecht, aber er ist nicht „meins“.

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