Filmplakat Karate Kid
7,5/10

„Es gibt nicht schlechte Jungen. Es gibt nur schlechte Lehrer“ (Karate Kid, 1984)


Karate Kid

Besprechung

Daniel (Ralph Macchio) ist gerade mit seiner Mutter Lucille (Randee Heller) aus New Jersey ins sonnige Kalifornien gezogen. Die Mutter freut’s, Daniel ist zutiefst unglücklich. Zum Glück findet er im Wohnkomplex einen Typen, der ihn auch abends auf eine Party mitnimmt. Hier lernt Daniel Ali (Elisabeth Shue) kennen. Dumm nur, dass sie aus einem besseren Haus kommt als Daniel. Also eigentlich sollte das ein Hindernis sein, aber zwischen den beiden hat es gefunkt. Das gefällt Alis altem Freund Johnny (William Zabka) überhaupt nicht.

Die Beziehung zwischen Johnny und Daniel wird immer grausamer. Johnny macht Karte im Cobra Kai Dojo bei Sensei Kreese (Martin Kove), dessen Motto lautet Keine Gnade!. Johnny macht Daniel entsprechend die Hölle heiß. Das geht soweit, dass Daniel immer versucht Johnny aus dem Weg zu gehen. Damit geht er auch Ali aus dem Weg.

Der Hausmeister Mr. Miyagi (Pat Morita) kümmert sich um den jungen Mann, der sich so miserabel fühlt. Daniel lernt, dass Mr. Miyagi Karate kann, also soll er ihm das beibringen. Mr. Miyagi weigert sich jedoch anfangs. Es dauert ein wenig, bis der alte Japaner einwilligt, Daniel zu helfen. Es soll ein Gespräch werden zwischen ihm und Kresse. Das verläuft aber so mies, dass Mr. Miyagi eine finale Klärung des Konflikts zwischen den Jungs im Kampfring fordert. So hat Daniel zwei Monate Ruhe vor Johnny und seinen Kumpels auf der einen Seite und bekommt auf der anderen Seite Karate beigebracht. Wobei … irgendwie scheint Mr. Miyagi Daniel nur Hausarbeiten machen zu lassen …

Meinung von

Ja, den habe ich im Kino gesehen, als er das erste Mal anlief. Jetzt kommt ihr! Der lief im 1992 geschlossenen Alabama, es war der Kindergeburtstag von Mitschüler Lars und es zog wie Hechtsuppe von der Decke rein. Das weiß ich noch alles. Ich weiß aber auch, dass ich den Streifen damals – wie wohl jeder – klasse fand.

Da ist ein Junge, der seinen Wurzeln entrissen wird. Er hat keine Freunde, ist alleine. Dann kommen da noch ein paar Hormone mit rein – ein schönes Mädchen, aber aus reichem Hause. Ob das wohl gut geht? Und schließlich William Zabka als Johnny, der Bully. Oh, was haben wir den Typen alle gehasst. Dann dieses fernöstliche, geheimnisvolle Etwas von Mr. Miyagi. Cool. Am Ende: Hurra, der Gute gewinnt, auch wenn er nach Strich und Faden niedergemacht wurde. Yeah!

Was damals nur lustig war, ist natürlich schon etwas tiefgründiger. Mr. Miyagi lässt Daniel das Auto wachsen, den Fußboden abschleifen, den Zaun und das Haus streichen. Dabei wollte er dem Jungen doch Karate beibringen? Beutet der ihn aus? Nein. Mr. Miyagi geht ganz offensiv mit seiner Meinung um, dass Gewalt niemals eine Lösung ist. Daniel soll nicht aus Rache Karate lernen. Karate ist für den Japaner eine Verteidigungsmaßnahme, keine Angriffswaffe. Womit er dann aber nicht ganz so offensichtlich umgeht, das sind seine Lehrmethoden. Daniel weiß nicht, dass er trainiert wird. Das dauert erst ein wenig, bis er das verstanden hat. Dann nimmt er die Lehre von Mr. Miyagi aber voll an.

Regisseur John G. Avildsen hatte bereits Oscar-geschwängerte Erfahrung mit Sportfilmen. Er war auch der Regisseur des dreifach ausgezeichneten Films Rocky. Damals ein Underdog, diesmal auch. Ralph Macchio hatte gerade in Die Outsider geglänzt, schon stand er wieder vor der Kamera. Avildsen wählte bewusst Macchio und Shue – obwohl die auch hinter der Kamera nicht gut zusammen passten. Zu verschieden sind die Typen. Aber das sollten die beiden vor der Kamera ja auch verkörpern.

Während Daniel das Glück hat, einen ausgeglichenen Lehrer zu haben, der ihm beibringt, dass es immer um Gleichgewicht geht, hat Johnny nicht so ein Glück. Die Cobra Kai-Gang wird von diesem ehemaligen Army-Typen gründlich gehirngewaschen. Für Kreese geht es nur ums Siegen. Man darf keine Schwäche zeigen, erst recht nicht seinem Gegner gegenüber. Er lässt seine Jungs immer wieder Keine Gnade! rufen. Junge Menschen sind formbar. Johnny und Co. nehmen diese Lehre an. Erst im finalen Kampf, bei den All Valley Karate Championships, merken die Cobras, dass sie aufs falsche Pferd gesetzt haben.

Kreese gibt Bobby (Ron Thomas) die Anweisung dreckig zu kämpfen. Bobby weiß, dass er auch sauber gewinnen kann, doch Kreese will Daniel nun zerstört wissen. Johnny soll ihn fertig machen und Bobby soll Daniel zuvor auslaugen und beschädigen. Da dämmert es Bobby, was Kreese für ein Arsch ist. Johnny kommt auch dahinter, als Kreese ihm den Befehl gibt erneut auf Daniels von Bobby zerstörtes Bein loszugehen. Hier sieht man in Johnnys Augen, wie etwas zerbricht.

Der Film hat eine simple Aussage: Gewalt ist keine Lösung. Und darüber hinaus gilt es immer, einen Ausgleich zwischen körperlicher und geistiger Aktivität hinzubekommen. Das wird alles gut vom Regisseur und den Schauspielern getragen. Karate Kid hat einige schöne Aufnahmen (Daniel alleine den Balanceakt auf dem Boot übend im Gegenlicht) und natürlich eines der bekanntesten Zitate der Neuzeit: Auftragen. Polieren.

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