Filmplakat The International
4/10

„Was soll denn bitte an blutigem Mord so komplex sein?“ (The International, 2009)


The International

Besprechung

Als Mitarbeiter von Scotland Yard wurden die Bemühungen von Louis Salinger (Clive Owen) bereits auf Eis gelegt, die International Bank of Business and Credit (IBBC) zu Fall zu bringen. Mittlerweile arbeitet er für Interpol und hat endlich einen Zeugen, der gegen die Bank aussagen will. Ein Mitglied des Vorstands will bezeugen, dass die Bank Gelder des organisierten Verbrechens verwaltet. Die IBBC hat gerade einen Deal mit dem italienischen Waffenproduzenten Calvini (Luca Barbareschi) angeleiert. Vor seinen Augen stirbt Salingers Kollege Schumer (Ian Burfield), der eben noch mit dem Zeugen geredet hat. Wie Salinger später feststellt, war es Mord.

Nun macht sich Salinger zusammen mit der Mitarbeiterin der New Yorker Staatsanwaltschaft, Eleanor Whitman (Naomi Watts), erst recht daran, die Bank zu zerschmettern. Das gestaltet sich jedoch schwierig. Ein Auftragskiller (Brian F. O’Byrne), der für die Bank arbeitet, erschwert nicht nur die Arbeit, er bringt auch Salinger und Whitman in Gefahr.

Die Bank will den Waffendeal als Testfall abwickeln. Später will die Bank alleiniger Zwischenhändler für Waffen aus China in die Dritte Welt werden.

Durch Zufall stößt Salinger auf den ehemaligen DDR-Stasimann Wilhelm Wexler (Armin Müller-Stahl), der als Berater für die Bank arbeitet, aber eigentlich von den jungen und machtgierigen Bankvorsitzenden nicht wirklich respektiert wird. Kann Wexler helfen die Bank zu stürzen?

Meinung von

Die sonst gute Darstellungskunst von Clive Owen konnte er in The International nicht ganz erbringen. Ich war nach dem Streifen jedenfalls enttäuscht. Nicht einmal unbedingt von Owen, mehr vom Film allgemein. Er ist schlicht zu langatmig. Es fehlt das Tempo. Regisseur Tom Tykwer hat sich, da bin ich mir sicher, einiges bei der Umsetzung gedacht, hat viel Künstlerisches einfließen lassen, aber das wollte ich nicht sehen.

Auch beim zweiten Mal Anschauen wurde der Film leider nicht besser. Man hat zwar die Zusammenhänge besser verstanden, was genau das Ziel der Bank ist oder wieso der Waffendeal so wichtig ist, dadurch ist jedoch nicht meine Meinung von dem Film gestiegen.

Erst wenn man sich das Making Of anschaut, wird man etwas versöhnt. Regisseur und Produzenten müssen zuerst ein wenig über den Film erzählen, dann bekommt man einen Zugang zu The International.

So ist z.B. die Architektur in dem Film ein wichtiger, "unsichtbarer" Schauspieler. Das war Tykwer sehr wichtig. Kann man beim Anschauen des Streifens aber zunächst nicht wissen. Da steckt ein System hinter der gezeigten Architektur — auf mich wirkte sie nur groß, kalt und ungemütlich. Was den Film ungemütlich machte. Dass genau das der Sinn der Drehortauswahl war, macht es erst im Nachhinein gut, allerdings nicht wenn man im Kinosaal hockt.

Beeindruckend, das muss erwähnt werden, ist die Szene mit der Schießerei im Guggenheim Museum. Interessante Idee, gut umgesetzt. Vielleicht ein wenig zu lang. Aber wenn man das Making Of gesehen hat, weiß man auch, warum das nicht "mal eben kurz" abgehandelt werden konnte. — Jedoch ist ein "erklärendes Beiheft" nicht gerade von Vorteil, will man sich einen schönen Abend im Kino gönnen, nur damit man den Film und seinen Sinn versteht.

Was man mitnehmen kann: Banken sind scheiße. Sie haben schlicht zu viel Macht. — Gerade im Angesicht der "Krise", die uns alle betroffen hat, stimmt diese Aussage um so mehr.

Schlusswort: The International basiert zwar nicht darauf, ist aber inspiriert von der Geschichte der BCCI, der Bank, die in den 1980ern die Bank des organisierten Verbrechens war. Interessant — aber auch erst durchs Making Of gelernt ...

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