Filmplakat The First Purge
5,5/10

„Töten kommt vom Herzen, Bruder. Von kaputten Herzen.“ (The First Purge, 2018)


The First Purge

Besprechung

Die Arbeitslosigkeit ist in den USA dramatisch angestiegen, ebenso der Drogenkonsum. Mieten sind kaum noch erschwinglich. In dieser schweren Zeit macht sich neben den Demokraten und den Republikanern eine dritte Partei stark – die New Founding Father of America, die von der Waffenlobby unterstützt werden. Die Partei stellt mittlerweile den Präsidenten. Um dem inneren Druck im Land entgegenzuwirken, soll ein Experiment der „Architektin“ Dr. Updale (Marisa Tomei) durchgeführt werden. In einem sozialen Brennpunkt von New York soll zwölf Stunden lang das Morden legal sein. Die Teilnehmer bekommen alle Geld, Kamera-Linsen und die Aussicht auf mehr Geld, wenn sie überleben.

Von diesem Experiment, bei dem durchaus viele Leute bereit sind mitzumachen, ist Nya (Lex Scott Davis) nicht begeistert. Sie wohnt hier mit ihrem Bruder Isaiah (Jovian Wade). Isaiah ist es leid, so wenig Geld zur Verfügung zu haben. Zunächst dealt er für Nyas Ex-Lover Dmitri (Y’lan Noel). Nya darf davon natürlich nichts mitbekommen. Später erklärt sich Isaiah auch noch bereit, an der Mordnacht teilzunehmen.

Dann ist die berüchtigte Nacht da. Staten Island ist abgeschirmt, das Experiment kann beginnen. Nya ist der Meinung, dass der Bereich bewusst ausgewählt wurde, weil hier die Armen leben und die Latinos und Afroamerikaner von den NFFA unterdrückt werden sollen. Die wiederum sehen in der Aktion eine „gesellschaftliche Katharsis“.

Die Nacht verläuft nicht unbedingt wie von der NFFA geplant. Die Menschen feiern Parties. Einige gehen auf Raubzug. Aber das erhoffte Abschlachten, oder wie man es nennt, das „Purgen“, bleibt aus. Bis der psychopathische Skeletor (Rotimi Paul) seiner Aggression freien Lauf lässt. Nya und Freunde versuchen einen sicheren Ort zu finden, doch mittlerweile nimmt das Gemetzel, von vermummten Gruppen angeführt, Fahrt auf.

Meinung von

Die vierte – und hoffentlich letzte – Installation des "Säuberungs"-Franchises. Nachdem in The Purge: Election Year die Mordsnacht abgeschafft werden sollte, geht man in The First Purge an den Ursprung dieser fiktiven US-Tradition zurück. Wie konnte es dazu kommen, dass es in den USA eine Zeit gibt, in denen das Ermorden von Menschen legal ist? Was steckt dahinter?

The First Purge ist auf alle Fälle nicht so, wie ich ihn erwartet hätte. Die Säuberung ist ein Experiment. Dr. Updale sieht das Unterfangen als eine wissenschaftliche, verhaltensbiologische Untersuchung an. Sie sagt einen Ausbruch von Gewalt voraus, angestachelt von Geld und aufgestauter Aggression. Doch irgendwie spielen die Menschen von Staten Island nicht so richtig mit.

Nur einige versprengte Vorfälle sehen wir. Die Nacht wird als Deckmantel für den Versuch der Übernahme von Dmitris Geschäften benutzt. Dmitri kann den Anschlag auf sich selber jedoch abwehren. Nya ist derweil auf der Suche nach ihrem Bruder, der doch in eine lebensbedrohliche Lage geraten ist.

Man möchte hoffen, dass sich im Fall der Legalisierung von Mord – und sei es nur für zwölf Stunden – die Menschen tatsächlich nicht dafür entscheiden. Allerdings kippt die zunächst ruhige Stimmung mit Fortschreiten der Nacht. Maskierte und motorisierte Gruppen machen Jagd auf Menschen. Dr. Updale findet heraus, dass das fingiert ist. Diese Gruppen dürften nicht auf der Insel sein.

Das ist dann auch der Clou an der Geschichte. Die neuen Gründungsväter, verbündet mit der Waffenlobby, wollen, dass die Nacht "ein Erfolg" wird. Also schicken sie Söldner ins Rennen, die "purgen". Das kann man sich wiederum gut vorstellen.

Weniger glaubwürdig ist Dmitri. Nicht nur, dass er am Ende ein lammfrommer Krimineller ist. Mich hat vor allem sein Alleingang gegen eine Horde bestens ausgebildeter Söldner gestört. Diese Elitesoldaten sollten den einen Drogendealer doch leicht ausschalten können. Stattdessen passiert hier das Gegenteil. Das war ein extrem kopfschüttelnder Moment.

Ansonsten ist The First Purge "nette" Unterhaltung. Es wird versucht eine Kritik an der Gesellschaft anzubringen. Am Ende kann man, sofern man nicht vollkommen leer im Kopf ist, tatsächlich noch ein oder zwei Gedanken an die Hintergrundgeschichte verschwenden. Dann geht der Film aber auch schon wieder unter im Rauschen der Kinomasse.

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