Filmplakat The Favourite – Intrigen und Irrsinn
6,5/10

„Love has limits.“ (The Favourite – Intrigen und Irrsinn, 2018)


The Favourite – Intrigen und Irrsinn

Besprechung

Im England des frühen 18. Jahrhunderts wird die kränkliche Queen Anne (Olivia Colman) von ihrer besten Freundin Lady Sarah Churchill (Rachel Weisz) umhegt, gepflegt und geliebt. Anne hört auf Sarah. Die verfolgt bei ihren Einflüsterungen einen klaren Plan. England liegt in Krieg mit Frankreich. Während die Whigs, allen voran Robert Harley (Nicholas Hoult), den Krieg endlich beenden wollen, flüstert Sarah Anne ein, den Krieg weiterzuführen. Um den zu finanzieren lässt Sarah die Steuern erhöhen.

Da poltert eines Tages Sarahs Cousine Abigail (Emma Stone) in den Palast. Selber eine Lady, ist sie nach dem Freitod ihres Vaters tief gefallen. Sie bittet Sarah um eine Anstellung – egal was. Abigail darf als Magd anfangen. Sarah behandelt ihre Cousine schlecht.

Stück für Stück erhascht sich Abigail die Gunst der Königin. Sie will ihren Stand wiedererlangen und dazu muss sie ihre Cousine Sarah aus dem Verkehr ziehen. Ein fieser Kleinkrieg entbrennt zwischen den beiden Frauen.

Meinung von

Als zweiten Film im Rahmen der Fantasy Filmfest White Nights gab es für mich den dritten international bekannten Film The Favourite von Regisseur Giorgos Lanthimos. Wer The Lobster gesehen hat, weiß, dass seine Filme ... "anders" sind. Das ist nicht die übliche Hollywood-Fastfood-Kost. Da muss man schon ein wenig drauf rumkauen, um den Stoff zu verdauen.

The Favourite basiert lose auf der wahren Geschichte von Queen Anne Stuart. Die Dame war wohl tatsächlich viel krank. In dem Film hat sie schwere Gicht und kann kaum gehen. Auch scheint sie depressiv und von starken Gemütsschwankungen geplagt zu sein. Zum Ende des Streifens kommt eine Art Gesichtslähmung dazu. Geistig war sie nie wirklich auf der Höhe. Wie gut, dass Anne Sarah hat, die ihr mit Rat und Tat zur Seite steht. Dann muss Anne ja gar nicht mehr so viel denken und kann sich um ihre Kaninchen kümmern. – Die Geschichte um die Nager ist übrigens echt traurig.

Rachel Weisz spielt ihre Sarah kalt und berechnend. Man mag sie von Anfang an nicht. Da ist Emma Stones Abigail viel netter, offener, unschuldiger. Erst im Laufe des Films lernen wir, dass Abigail genauso berechnend ist wie ihre Cousine. Wenn nicht sogar mehr. Ihre Liebelei mit Masham (Joe Alwyn) scheint eingangs eine verspielte Sache zu sein. – Wobei deren "Flirterei" im Wald schon recht handgreiflich ist. Doch am Ende dient Masham auch nur Abigails Plan. Abigail sagt nicht ohne Grund I'm on my side. Always! Die Lichtgestalt Abigail wird allmählich die fiese Aggressorin.

Die Geschichte ist also diesmal gar nicht so schräge, wie man es von Giorgos Lanthimos "gewohnt" ist. Was The Favourite besonders macht ist, neben dem Schauspiel der drei Darstellerinnen, die Art und Weise, wie Lanthimos seinen Historienfilm umsetzt.

Zum einen setzt er starke Weitwinkel-Objektive ein, wodurch das Bild oft stark gebeugt ist. Dann macht er sehr oft 180-Grad-Schwenks, um die Perspektive rasch zu wechseln. Das ist mal nett, aber in der Fülle, wie in The Favourite eingesetzt, mochte ich das nicht. Von Kubricks Barry Lyndon hat er sich die Beleuchtung abgeschaut. Der Film ist (hauptsächlich) nur mit natürlichem Licht gefilmt. Also das Licht, das von draußen reinkam, plus Kerzenschein. Kann man machen, zumal die Kameras heutzutage besser, lichtempfindlicher, sein dürften als 1975. Schließlich ist da noch die Musik. Ich weiß, dass die sehr wichtig ist, aber über weite Strecken ist das keine Musik, sondern nur ein einzelner Ton, der sich rhythmisch wiederholt – und mir tierisch auf den Sack ging.

The Favourite kann noch mit ein oder zwei Kuriositäten aufwarten. Da ist einmal der Tanz von Sarah und Masham. Ähm. Das war jetzt aber nicht unbedingt ein zeitgemäßer Tanz à la 18. Jahrhundert, oder? Lustig war er aber schon. War das damals Mode, unansehnliche Männer nackig zu machen und mit Südfrüchten zu bewerfen? In den Credits wird "Horatio" als "Fastest Duck in the City" geführt, was ich jetzt auch nicht erwartet hätte.

The Favourite hat tolle Schauspielerinnen, eine gute Geschichte, Intrigen und Witz. Die musikalische Untermalung ist hingegen grausam. Das Ende habe ich nicht verstanden und ich mache mir auch nicht die Mühe, es zu interpretieren. Ich lasse es einfach so, wie es ist.

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