Filmplakat The Dark
8/10

„It's not human!“ (The Dark, 2018)


The Dark

Besprechung

In Kanada gibt es den Devil’s Dent, einen Wald, den man möglichst meiden sollte. Dort geht ein Monster um, das Menschen frisst. Trotz der Warnung fährt der gesuchte Josef (Karl Markovics) in den Wald. Und siehe da – er segnet das Zeitliche.

Mina (Nadia Alexander) hat sich gerade an Josef gütlich getan, als sie ein Geräusch aus dem Kofferraum von Josefs Wagen hört. Unter einer Decke versteckt findet die Untote Mina einen Jungen. Dabei handelt es sich um das Entführungsopfer Alex (Toby Nichols). Alex ist von Josef geblendet worden. Irgendetwas spricht Mina an – sie tötet Alex nicht.

Gemeinsam machen sie die beiden Außenseiter auf den Weg durch den Wald – weg von der Polizei, weg von irgendwelchen Kopfgeldjägern.

In Rückblenden erfahren wir, wie Mina zum Zombie wurde.

Meinung von

The Dark ist ein sehr ruhiger Horrorfilm. Wer also laufende, stumpfe Zombies erwartet, der wird enttäuscht. Der Film ist vom Erzähltempo ruhig, hat überdies aber auch keine wirkliche musikalische Untermalung. Das fällt auf, weil man so Geräusche viel mehr wahr nimmt und eine bedrückendere Stimmung aufgebaut wird.

Mina ist ein Zombie, der in einer verlassenen Hütte im Wald lebt. Wir lernen erst viel später, dass das ihr Elternhaus war. Die Geschichte vom Monster ist jedoch wahr. Man sollte nicht zu nahe an Mina heran kommen. Da kann schon mal eine Axt zwischen den Augen landen und man selber auf dem Speiseteller. Mina ist grässlich entstellt.

Ebenfalls entstellt ist Alex. Der scheint schon lange von seinem Entführer Josef durch die Weltgeschichte kutschiert worden zu sein. Alex hat eine Bindung zu seinem Entführer aufgebaut, ist ihm geradezu hörig. Als Mina ihm Josef nimmt, sucht sich Alex eine andere Beziehungsperson. Das kann nur Mina sein. Mina sieht in Alex eine geschundene Seele, wie sie selber eine ist.

Die wenigen Rückblenden zeigen uns das Leben Minas bevor sie ein Zombie wurde. Das hat diesmal nichts mit einem Virus zu tun. Der Freund ihrer Mutter vergeht sich an ihr und als sie sich wehrt, bringt der sie um. Danach verscharrt er sie im Wald.

Im Grunde ist Mina gar kein echter Zombie. Autor und Regisseur Justin P. Lange zeigt uns eine junge Frau, die sexuell missbraucht wurde. Im Grunde ist sie schon da gestorben. Die Tatsache, dass sie einen anderen Menschen findet, dem ebenfalls Schlimmes widerfahren ist, lässt sie innehalten. Normalerweise hätte sie den Jungen umgebracht, doch sie lässt ihn leben. Alex, seiner Stockholmsyndrom-Beziehung beraubt, sucht Nähe und Schutz bei Mina.

Wir sehen Mina, wie sie anfangs mit einem Feuerzeug spielt, es sich unter die Hand hält – und nichts passiert, Alex bemerkt ihre extrem kalten Hände. Doch mit der Zeit kann sie sich am Feuer verbrennen und ihre Hände sind auch nicht mehr kalt. Es kommt wieder Leben zurück.

Ich bin normalerweise nicht derjenige, der einen Film so tief analysiert. Aber wer in The Dark wirklich nur einen Zombie-Film sieht, hat nicht richtig hingeschaut. Justin P. Lange hat ein Horror-Motiv gewählt, was auf einem Fantasy Filmfest Zustimmung finden sollte, benutzt das Zombie-Genre aber lediglich als Vehikel.

Der Film wurde im Vorfeld als "Coming of Age"-Film angepriesen. Hm, so ganz kann ich da nicht zustimmen. Oder zumindest ist es nicht "der direkte Weg" eines "Coming of Age"-Streifens. Dabei geht es ja ums Erwachsenwerden. In The Dark geht es aber vor allem um das Überwinden eines Traumas.

Die schauspielerische Leistung von Nadia Alexander fand ich sehr beeindruckend. Sie ist hässlich entstellt. Sie sagt nicht sonderlich viel. Aber ihr Spiel ist groß. Wenn sie einen Anfall bekommt, ist das einschüchternd.

The Dark ist ein kleines Highlight auf dem Fantasy Filmfest. Ein ruhiger, trauriger Film.

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