Filmplakat Prospect
6,5/10

„Shoot or help. Just make a move.“ (Prospect, 2018)


Prospect

Besprechung

Der Job kommt zwar etwas überraschend, aber er ist auch nicht so schwer. Cee (Sophie Thatcher) landet mit ihrem Vater Damon (Jay Duplass) auf einem fremden Planeten. Der ist eine grüne Hölle, die Luft sporenverseucht. Die Aufgabe lautet, unterirdische Lebensformen ihrer überaus empfindlichen Edelsteine zu berauben. Was hier vorliegt ist eine Königin, also viel Ausbeute. Cee und Damon sollen sich dabei mit Söldnern treffen, die ihnen die Ware abnehmen wird.

Der Job verläuft anders als geplant. Damon trifft auf zwei bewaffnete Männer. Es kommt zu einer Auseinandersetzung und sowohl einer der Männer als auch Damon liegen tot auf dem Waldboden.

Cee flieht. Die Teenagerin stellt fest, dass sie nicht allein von diesem verdammten Planeten kommt. Da steht Ezra (Pedro Pascal) in der Tür der Raumkapsel. Cee muss sich, will sie überleben, mit dem Mörder ihres Vaters zusammentun.

Meinung von

Der Film fängt etwas holperig an. Wir sehen Cee auf einer Raumstation. Sie lebt mit ihrem Vater in einer kleinen Kapsel, die angedockt ist und um den Planeten kreist. Damon ist den Drogen nicht ganz abgeneigt und erzählt seiner Tochter nicht alles. Das Verhältnis zwischen den beiden ist nicht sonderlich herzlich. Cee musste sich anscheinend schon früh um sich selber kümmern.

Dann landen sie ‐ mehr bruchlanden ‐ auf dem Planeten. Hier liegt kein teurer CGI-Planet vor. Auch verzichtet das Autoren- und Regie-Duo Christopher Caldwell und Zeek Earl auf den typisch kargen Staubmond. Der toxische Wald, durch den sich Cee und Ezra kämpfen müssen, ist der Hoh-Regenwald im Olympic-Nationalpark, der sich im äußersten Nordwesten der USA befindet. Der ist grün, grün, grün und voll mit langen Flechten. Eine ungewöhnliche Kulisse, die entsprechend "außerweltlich" aussieht.

Das Setting von Prospect ist schon interessant. Wir sehen einen grünen Wald ‐ aber die laufen da alle mit Raumanzügen herum, müssen Luftfilter tragen, sonst ist's aus. Alle Typen, denen wir auf diesem Planeten begegnen, haben komplett unterschiedliche Raumanzüge und vor allem Helme. Da ist keiner wie der andere. Also keine 08/15-Ware. Das gefällt.

Prospect ist im Grunde eine Art Western. Anstatt von Gold wird nach Edelsteinen gesucht, die in einem außerirdischen Organismus gedeihen und mit viel Geschick und Finesse geborgen werden müssen. Das ist also schon eine Kunst ‐ deshalb warten die Söldner auch auf Damon und Cee. Es wird zudem schnell geschossen.

Cee war auch mit ihrem Vater auf sich alleine gestellt. Als er getötet wird, löst das bei Cee nicht viel aus. Sie muss fliehen und versucht wieder auf die Raumstation zu gelangen. Das ist alles. Und nun muss sie sich ausgerechnet mit dem Mörder ihres Vaters zusammen schließen, um von dem Planeten zu gelangen. Sophie Thatcher ist sehr wortkarg und für eine Hauptfigur nicht sonderlich zugänglich.

Da ist Pedro Pascal schon um Längen besser. Anscheinend muss man den kennen, wenn man TV schaut. Ich kannte ihn also nicht. Tatsächlich dachte ich eine Zeit lang, das könnte Nathon Fillion sein, weil er genauso wortgewandt redet wie der Captain der Serenity. Das fällt wirklich auf: Ezra redet sehr gewandt und blumig. Das ist nicht die Sprache, die wir von einem Ganoven dieses Kalibers erwarten.

Die Idee zu Prospect hatten Caldwell und Earl bereits vier Jahre zuvor. Damals drehten sie den gleichnamigen Kurzfilm mit der gleichen Geschichte und mit anderen Schauspielern.

In Zeiten da alles mit CGI zugeklebt wird und wir mit gelackten Schauspielern sowie polierten Geschichten überschwemmt werden, ist es mal ganz erfrischend, einen dreckigen SciFi zu sehen. Thatcher ist mir zu steif und auch sonst lernen wir nicht viel über die Figuren. Sie sind da, um uns eine Geschichte zu erzählen. Eine Western-Erzählung auf einem Planeten platziert. Dennoch gefiel der Streifen irgendwie.

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