Filmplakat Snow White & the Huntsman
4/10

„Alles was du bist, bin ich nicht.“ (Snow White & the Huntsman, 2012)


Snow White & the Huntsman

Besprechung

Viele Jahre ist die Prinzessin Snow White (Kristen Stewart) im Burgturm unter Verschluss gehalten worden. Ihre böse Stiefmutter, die Königin Ravenna (Charlize Theron), ließ Snow White dort inhaftieren, nachdem sie den König in der Hochzeitsnacht umgebracht hatte.

Die von ewiger Jugend und Schönheit besessene Ravenna bekommt von ihrem Zauberspiegel mitgeteilt, dass Snow White die Schönste im Lande sei — und dass die Prinzessin gleichzeitig die Lösung für Ravennas Ageing-Problem sei, sie müsse nur Snow Whites Herz konsumieren.

Die Prinzessin kann fliehen. Auf der Flucht vor Ravennas Bruder Finn (Sam Spruell) gelangt sie in den dunklen Wald — in den sich niemand traut, weil er verwunschen ist. Ravenna schickt einen Waldkundigen los, um Snow White zu fangen. Dafür wählt die böse Königin den Witwer und Trinker namens Huntsman (Chris Hemsworth).

Der Huntsman führt zwar Finn und seine Mannen in den Wald, verhilft aber Snow White zur Flucht. Kann es die Prinzessin mit Hilfe des Huntsmans und der sieben Zwerge schaffen, ins Schloss des befreundeten Duke Hammond (Vincent Regan) zu gelangen? Dort zieht es die junge Frau hin, um eine Armee zu sammeln, die die grausame Herrschaft der Königin beenden soll.

Meinung von

Hohe Erwartungen hatte ich, nachdem ich den stimmungsvollen Trailer sah. Doch der Zauber des Trailers war im Film nicht wiederzufinden. Erst einmal muss man sagen, dass man Snow White and the Huntsman nicht mit einem Fantasy-Film wie z.B. Herr der Ringe verwechseln solle. Snow White and the Huntsman ist ein Märchen. Zwar eine Neuinterpretation des Grimm'schen Stoffes, aber immer noch ein Märchen. So finden sich klassische Elemente wie Vögel, die der Prinzessin den Weg zeigen oder ein Pferd, das am Strand auf sie wartet.

Regie-Frischling Rupert Sanders mischt aber auch Fantasy-Elemente in sein Erstlingswerk. Da gibt es einen schön gestalteten Troll unter der Brücke und einen sehr fantasyreichen und Disney-artigen Heiligen Wald. Die Magie-begabte Königin kann sich ansehnlich verwandeln und altert zwischendurch immer wieder — was sich durch Jugend-Absaugen bei unschuldigen Mitbürgern beheben lässt. Es wird viel Wert auf die Optik gelegt. Die Tricks sind alle toll anzusehen, die Idee des dunklen Waldes ist gelungen, alle Zwergen-Darsteller sind in Wirklichkeit kein Stück zwergenhaft (vielleicht mit Ausnahme von Bob Hoskins).

Snow White and the Huntsman fehlt aber "die Seele". Charlize Theron spielt teilweise arg affektiert und "zu viel". Kristen Stewart, die ich ehrlich gesagt nicht mag, ist weder "die Schönste im Lande", noch hat sie auch nur einen Funken Charisma. Da kommt kein Gefühl für die Frau auf. Mitfiebern, mitfühlen und -bangen sind nicht drin. Sie spielt kalt. Dabei sollte sie "das Leben selbst" sein, so heißt es im Film. Kam nicht an.

Neben Fehlbesetzungen krankt Snow White and the Huntsman aber auch an anderen Stellen. Es sind sehr viele Ungereimtheiten in dem Film zu sehen. Wieso hat die Königin ihre ärgste Widersacherin Jahre lang unter Verschluss? Warum nicht gleich töten? Wenn die da oben in ihrem Turm hockt — wieso hat sie ein gut geschneidertes Kleid — das, als es nötig war, eine Hose darunter offenbarte? Wenn der dunkle Wald so finster und verwunschen ist, dass sich dort niemand reintraut, wieso preschen Finn und Co. durch den Wald, auf der Suche nach Snow White? Und was ist das für ein elendig langer Weg, den Snow White und Konsorten zurücklegen, während der frisch dazugestoßene Jugendfreund William (Sam Claffin) eben noch aus dem Schloss des Dukes gekommen, für den Hinweg offenbar eine Abkürzung genommen haben muss.

So geht das die ganze Zeit über. Snow White and the Huntsman hat eine schwach erzählte Geschichte, weist Ungereimtheiten in Massen auf, ist fehlbesetzt, kalt, humorlos, aber technisch einwandfrei. Die einzigen Gag-Lieferanten sind die Zwerge und selbst das ist alles sehr verhalten. Spannung kommt nicht so recht auf, einfach weil man sich mit der Hauptfigur nicht identifizieren kann, bzw. sie einem nicht ans Herz wächst.

Das Ende ist dann schließlich auch nur hingerotzt. Ich bin mit Märchen- und Ritterfilmen aufgewachsen. Wenn "damals" eine Krönung war, gab es stets großes Trara und Party. Als Snow White gekrönt wurde, waren alle still und sie guckte drein, als wolle sie gleich in Ohnmacht fallen. Lahm.

Unterm Strich also ein optisch ansehnlicher Film, der aber sonst nicht viel zu bieten hat. Was ich persönlich schade finde. Vier Punkte sind gerecht. Man könnte vielleicht einen für die Optik oben drauflegen.

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