Filmplakat Sicario
7,5/10

„Wenn sie Angst haben, sehen sie wie ein kleines Kind aus.“ (Sicario, 2015)


Sicario

Besprechung

Kate Macer (Emily Blunt) arbeitet für eine Geiselbefreiungsabteilung beim FBI. Bei einem Einsatz in Arizona finden sie und ihr Kollege Reggie Wayne (Daniel Kaluuya) jedoch nicht die gesuchten Geiseln, sondern einen Haufen Leichen – in den Wänden des Hauses versteckt. Hierbei handelt es sich um Opfer eines mexikanischen Drogenkartells.

Kurze Zeit darauf findet sie sich mit dem zwielichtigen Matt Graver (Josh Brolin) und dem schweigsamen Alejandro (Benicio Del Toro) in einer Einheit wieder, die – laut Graver – richtig viel Lärm machen soll. Dieser Lärm besteht darin, das Kartell so sehr in Unruhe zu versetzen, bis die den hiesigen Boss Manuel Diaz (Bernardo Saracino) nach Mexiko zitieren. Matt und Alejandro spekulieren darauf, dass Diaz sie dann zum Oberboss Fausto Alarcon (Julio Cesar Cedillo) führen wird.

Die Methoden, die Matt und sein Team anwenden, sind allerdings sehr extrem. Sie schießen immer als erste und ihre Fragetechniken sind eigentlich nur Foltern. Kate ist empört und doch macht sie weiter mit.

Meinung von

"Sicario" heißt in Mexiko Auftragskiller und soll ein gefürchtetes Wort sein. Lange Zeit wissen wir nicht, wieso der Film so heißt. Es bleibt auch zunächst unklar, was hier überhaupt passiert. Kate will Gerechtigkeit. Der Fund der vielen Ermordeten war ein traumatisches Erlebnis. Die Verantwortlichen müssen dafür büßen. Da stellt ihr Boss, Dave Jennings (Victor Garber), ihr diesen seltsamen Typen Matt vor. Alejandro ist nicht minder mysteriös. Er gibt an, früher Staatsanwalt in Mexiko gewesen zu sein. Sonst sagt er aber nicht viel. Wenn er schläft hat er Alpträume.

Der Film ist aus Kates Sicht. Wie sie bleiben auch wir als Zuschauer lange im Dunkeln. Sie läuft mit Matt und Alejandro mit, weiß aber nicht wieso. Sie sieht Unrecht und nicht gesetzkonforme Vorgehensweisen. Sie wird von den Leuten in dem neuen Team geduldet aber nicht abgeholt. So geht es auch dem Zuschauer. Einziger Unterschied: den innerlichen Kampf, den Kate erleben soll – so Regisseur Denis Villeneuve –, der kommt beim Zuschauer nicht wirklich an. Kate soll die miesen Methoden sehen und angewidert sein. Gleichzeitig soll sie sehen, dass mit dieser skrupellosen Vorgehensweise auch Dinge erledigt werden. Etwas, was sie mit ihren FBI-Methoden nicht schafft. Ich schreibe bewusst "soll", weil dieser Kampf nicht wirklich zur Geltung kommt.

Erst im letzten Drittel wird klar, worum es wirklich geht in Sicario. Matt ist vom CIA und die darf nicht auf amerikanischem Boden handeln, ohne Unterstützung einer inländischen Behörde – Auftritt Kate, die vom FBI ist. Kate wird benutzt. Zwar kommt Matt am Anfang gönnerhaft daher und sagt, sie möge aufpassen und lernen. Tatsächlich ist es Matt scheißegal, was mit Kate passiert. Hauptsache er hat einen Vertreter einer inländischen Behörde bei sich und kann tun und lassen, was er will. Was will er? Kontrolle über den Drogenhandel.

Alejandro hingegen will Rache. Seine wahren Motive kommen noch später heraus. Er ist der titelgebende "Sicario", der Auftragskiller. Wir nehmen ihn als stillen Berater wahr, der auch schon mal einen Drogenboss foltert, aber unterm Strich ist er ruhig. Die Rolle ist bestens besetzt mit Benicio Del Toro. Er hat eine Traurigkeit an sich, die seine Motive glaubhaft werden lassen. Josh Brolin ist der Haudrauf-Agent. Er ist sich sicher, dass er nur das Richtige macht, dass er mit einer riesigen Portion Selbstgefälligkeit und Überheblichkeit durch die Welt streift. Emily Blunt hingegen gefällt nicht. Wie oben schon erwähnt, kommen all die Dinge, die sie zeigen soll, nicht richtig rüber.

In Sicario geht es um ein alte Geschichte. Wieviel Unrecht darf man begehen, um Unrecht zu bekämpfen? Das ist keine neue Frage. Im Grunde ist jeder Vigilante (z.B. Batman) ständig mit dieser Frage konfrontiert. Diesmal geht es eben um den großen Drogenhandel. Es geht aber auch um die Steuerung von Drogenkartellen im Namen der Freiheit und Demokratie durch die USA. Hier soll ein Kartell geschwächt und ein anderes stabilisiert werden. Drogenhandel kann man nicht stoppen, aber zumindest kontrollieren. Da sind die Amis gut drin. Drogenkartelle destabilisieren und verdeckte Aufträge sind beliebte Themen (z.B. Das Kartell). Sicario wartet lediglich mit mehr Hightech auf und zeigt auch mehr von der Gewalt und dem Chaos, das in Mexiko dank der Kartelle herrscht. Juarez? Keine schöne Stadt …

Der Film soll ein Spiel zwischen Licht und Schatten sein. Was darf man, was darf man nicht? Optisch wird das untermalt durch teils extrem grelle, entsättigte, öde Landschaften auf der einen Seite und – wenn die Einsatztruppe den Tunnel von der US-Seite nach Mexiko sucht – absoluter Dunkelheit auf der anderen. Hier wurde extra mit Nachtsichtgeräten und Infrarot-Kameras gespielt, was den Zuschauer mehr in die Welt von Matt und Alejandro reinzieht.

Ich würde sagen, Sicario ist "sperrig". Er fließt nicht einfach dahin. Es ist nicht gleich klar, wer Gut und wer Böse ist. Dadurch erschließt sich der Film einem auch nicht gleich. Damit kommen wir wieder auf das Motiv zurück, dass wir als Zuschauer mit Kate mitlaufen, die ebenfalls lange Zeit im Unklaren bleibt. Man muss sich darauf einlassen und man muss durchaus etwas aufpassen, dann kommt Sicario gut herüber. Schade, dass Emily Blunt so blass bleibt. Ihre Rolle in Edge of Tomorrow hat sie besser ausgefüllt.

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