Filmplakat Edge of Tomorrow
8,5/10

„Um diese Zeit bin ich eigentlich schon immer tot.“ (Edge of Tomorrow, 2014)


Edge of Tomorrow

Besprechung

Vor fünf Jahren sind Aliens auf der Erde gelandet, die so genannten Mimics. Europa ist so gut wie zerstört. Die Menschheit plant den letzten großen Angriff an der Küste von Frankreich, gestartet wird in Großbritannien. Die Operation Downfall soll den Sieg über die Aliens bringen.

Der amerikanische Major und PR-Stratege Cage (Tom Cruise) soll an die Front, um den Sieg zu vermarkten, doch dann findet der feige Ex-Werber sich als Rekrut in einem Lager wieder. Am nächsten Tag soll es gen Frankreich gehen. Ausbildung hat er keine genossen. So dauert es auch nicht lange nach dem Abwurf, dass Cage tot ist. Vorher tötet er zwar noch einen Alien, doch dann … – wacht er wieder in dem Lager auf. Fortan erlebt er diesen und den nächsten Tag immer und immer wieder. Zwar variiert er den Tagesablauf, doch am Ende ist er jedes Mal tot.

Langsam kommt er dahinter, dass er, will er überleben, die Heldin Rita (Emily Blunt) retten muss, die vor seinen Augen stirbt. Rita weiß, was mit Cage los ist und erklärt ihm wieso er den Tag immerzu neu erlebt. Seine Gabe soll er nutzen, um das Gemetzel an dem Strand und den anschließenden Einmarsch der Aliens in London zu verhindern. Langsam und sehr mühsam tasten er und Rita sich an die Lösung des Problems heran.

Meinung von

Ich habe von einigen Leuten gehört, wie toll der Film sei – allerdings würde niemand wirklich Tom Cruise mögen. Aber der Film sei toll. Ich habe ihn seinerzeit nicht im Kino gesehen, weil er nur in 3D lief. Also hieß es warten.

Im ersten Moment erinnert Edge of Tomorrow ein wenig sehr an … und täglich grüßt das Murmeltier. Der Hauptprotagonist erlebt einen Tag immer und immer wieder. Irgendwann lernt er aus seinen Erlebnissen, um seine Zukunft irgendwie zu verändern. Doch das gelingt nicht. Kommt einem bekannt vor. Doch sobald Cage Rita nach seinem x-ten Tod aufsucht und ihr erklärt, was er erlebt hat, nimmt der Film eine andere Wendung. Rita erklärt ihm, wieso er den Tag wiedererlebt, das ist etwas, was in … und täglich grüßt das Murmeltier fehlte.

Von hier aus entwickelt sich die Geschichte, die auf der Novelle All you need is kill von Hiroshi Sakurazaka basiert, zu einer kompakten Erzählung. Die Wiedergeburt bleibt zentrales Thema, das Lernen aus dem Erlebten ebenso. Doch der Zuschauer lernt, dass es drei Alien-Sorten gibt: Die zahlreichen Fußsoldaten, die man quasi als die Hände eines einzigen, großen Aliens ansehen kann. Dann die Alpha-Aliens, die wie die Nerven und Schaltzentralen des Groß-Aliens sind und schließlich das Omega – das irgendwo auf der Welt versteckt ist und das Gehirn darstellt. Dieses gilt es zu zerstören. Dann sollte die Invasion mit einem Schlag zu Ende sein. Doch wo befindet sich das Omega? Und wie sollen Rita und Cage von diesem verfluchten Strand in Frankreich wegkommen?

Auch wenn es immer wieder Wiederholungen gibt, bleibt die Geschichte spannend und wird von Regisseur Doug Liman packend erzählt. Cage ist zunächst ein Weichei und versucht zu fliehen, als er hört, dass er an die Front soll. Es wundert nicht, dass er gleich gekillt wird. Doch mit der Zeit – und den Toden – lernt er, wird besser. Das steigert sich noch, als er Rita kennenlernt, die ihn fortan ausbildet. Rita ist knallhart – aber sie hatte auch genügend Zeit, zur gefeierten Heldin zu werden. Rita hatte den selben "Unfall" wie Cage und ist lange Zeit in einer Zeitschleife gefangen gewesen. Daher glaubt sie ihm auch. Ein Umstand, der nicht selbstverständlich ist.

Wir haben also bekannte Elemente: die Aliens erinnern ein wenig an die Sentinels aus Matrix und dann den "Ich erleben den Tag immer wieder"-Moment aus … und täglich grüßt das Murmeltier (wobei das in diesem Fall der Novelle entnommen zu sein scheint). Dennoch entwickeln sich die Charaktere und die Handlung ebenso. Lediglich am Ende gibt es ein kleines Paradoxon – was irgendwie klar ist, wenn man mit Zeitschleifen rumspielt. Cage wird in Paris von der Essenz des Omega eingehüllt und wacht, obwohl eigentlich tot, wieder auf. Diesmal aber einen Tag vor seiner Ankunft in London. Das ist etwas verwirrend.

Die übliche Liebesgeschichte haben sie zum Glück runtergedreht. Es gibt nur unmittelbar vor dem Showdown einen kurzen Kuss. Den kann man noch so vertragen.

Mir kam der Gedanke, wieso so viele Leute Edge of Tomorrow so gerne mochten, weil er ein wenig an Computerspiele erinnert. Die Exoskelette der Menschen, die Aliens und die Tatsache, dass der Held quasi eine Mission hat, der er nachgeht, doch dann stirbt. Nun muss der Held – oder der Spieler – das gesamte Spiel wieder von vorne anfangen. Nur, dass der Spieler nun die Erinnerungen vom vorherigen Durchgang hat und weiß, ob sich hinter dieser oder jener Ecke ein Monster verbirgt oder wie man sich wann abzurollen hat. Kein Wunder, dass die Leute den Film mögen.

Nette kleine Nebenbemerkung: Die weiblichen Hauptfiguren in Edge of Tomorrow und …und täglich grüßt das Murmeltier heißen beide Rita. Zufall? Dazu muss man sagen, dass die weibliche Figur in der Novelle von Sakurazaka ebenfalls so heißt. Emily Blunt ist mit ihrer Darstellerin als knallharte Kämpferamazone zu einer Art neuer Prototyp der toughen Actionheldin geworden. Ob sie das wohl so gewollt hat? Sie könnte wunderbar eine Sarah Connor aus Terminator oder eine Ripley aus Alien spielen. Finde ich.

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