Filmplakat Shutter Island
6,5/10

„Warum sollte man einem Verrückten glauben?“ (Shutter Island, 2010)


Shutter Island

Besprechung

1954, der U.S. Marshal Teddy Daniels (Leonardo DiCaprio) ist mit seinem neuen Kollegen Chuck Aule (Mark Ruffalo) unterwegs nach Shutter Island, einer Insel, elf Meilen vom Festland entfernt, auf der ein besonderes Gefängnis steht. Hier finden sich die ganz harten Fälle, Verbrecher, die psychisch krank sind. Männer und Frauen in getrennten Blöcken und ein separater Block mit den Insassen, vor denen jeder Angst hat.

Daniels soll das Verschwinden einer Patientin erforschen, die sich scheinbar in Luft aufgelöst hat. In ihrer Zelle findet Daniels eine Notiz, die auf einen 67. Patienten hinweist, doch die Anstaltsunterlagen weisen nur 66 Insassen auf.

Der Chef-Arzt Dr. Cawley (Ben Kingsley) ist keine allzu große Hilfe. Daniels vermutet eine Art Verschwörung. Dass Dr. Naehring (Max von Sydow), ein alter deutscher Nazi-Arzt ebenfalls in der Anlage tätig ist, lässt Daniels noch skeptischer werden. Das steigert sich schließlich bei dem KZ-Befreier Daniels zu einer Art Paranoia. Immer wieder erlebt er Flashbacks in die Zeit, als er im zweiten Weltkrieg Soldat war und Dachau mitbefreite.

Der U.S. Marshal hat nicht nur mit dem unkooperativen Personal von Shutter Island zu kämpfen. Er will “nebenbei” noch einen ganz bestimmten Insassen ausfindig machen — den Mann, der seine Frau umgebracht hat. Dieser soll ebenfalls auf Shutter Island inhaftiert sein.

Meinung von

Regisseur Martin Scorsese ist eigentlich ein Garant für gutes Kino. Shutter Island hatte dann auch die Ehre, der Eröffnungsfilm der Berlinale gewesen zu sein. Die Presse machte einen großen Wind um den Film. Also rein da.

Düster ist der Film. Bei der Thematik mit den psychisch kranken Mördern auf einer Insel, ist das auch kein Wunder. Die Bilder und Kulissen, ebenso die Musik, passen und erzeugen eine bedrückende Stimmung. Ebenfalls auf die Stimmung drückt jedoch auch die Tatsache, dass der Film lange braucht, um in die Puschen zu kommen. Ohne auf die Uhr geschaut zu haben, fühlte es sich wie eine halbe Stunde an, in der erst einmal so gar nichts passiert. Die Figur von Teddy Daniels, mit seiner Kriegsvergangenheit, wird langsam, sehr langsam aufgebaut. Hier hätte ich mir mehr Tempo gewünscht.

Das ist dann auch das Hauptproblem an dem Film. Er zieht sich elendig lange hin. Alles, was man sieht und hört, ist wichtig. Man bekommt ständig kleine Hinweise, die alle einem Zweck dienen: auf den Twist am Ende des Films hinzuführen. Das dauerte mir nur alles zu lange.

In dem Film gibt es eine Stelle, in der Daniels auf die entflohene Insassin trifft. Sie spricht von einer "Kafkaesken Situation". Und an Kafka wurde ich auch so manches Mal erinnert. Als ich seinerzeit Kafka las, war jede Seite ein Qual. Langweilig, langsam, schleppend, zermürbend. Bei Kafka weiß man, wohin die Reise geht und will der Hauptperson stets zurufen "Geh nicht dort lang!" — und der Protagonist geht genau in die falsche Richtung, in sein Verderben. Im Grunde erleben wir in Shutter Island eine ähnliche Situation. Man weiß zwar nicht wohin es geht, aber man möchte Daniels (bzw. Scorsese) zurufen, er solle sich endlich mal beeilen!

Interessante Geschichte, wenn auch nicht innovativ neu. Gut gespielt von DiCaprio und Kingsley, wie bereits erwähnt tolle Bilder und dennoch konnte der Streifen nicht wirklich begeistern. Man schaut ihn sich an, man spricht danach noch ein paar Minuten darüber — dann ist er vergessen. Vielleicht noch die letzten Minuten, wenn DiCaprios Charakter eine "schockierende" Entscheidung trifft, die reichen doch noch für ein bisschen Gesprächsstoff.

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