Filmplakat Roman J. Israel, Esq.
7,5/10

„Moralische Reinheit kann in dieser Welt nicht überleben.“ (Roman J. Israel, Esq., 2017)


Roman J. Israel, Esq.

Besprechung

Roman J. Israel (Denzel Washington) ist ein genialer Rechtsanwalt, der aus der Bürgerbewegung kommt. Er setzt sich leidenschaftlich für arme Bürger ein. Roman ist allerdings sehr menschenscheu und arbeitet seit 26 Jahren in einer Kanzlei im Hintergrund. Sein Partner geht ins Gericht, Roman bereitet ihn mit seinem unglaublichen juristischen Wissen vor. Bis sein Partner einen Herzinfarkt hat und ins Krankenhaus kommt. Anstatt alle Fälle zu vertagen, geht Roman selber ins Gericht – was nicht sonderlich gut läuft. Das liegt auch an seiner direkten Art, mit der nicht jeder umgehen kann. Auch Richter finden das nicht lustig.

Lynn Jackson (Amanda Warren), die Tochter von Romans Partner, steht kurz nach dem Infarkt bei Roman im Büro. An ihrer Seite ist der gelackte Rechtsanwalt George Pierce (Colin Farrell), der helfen soll die letzten Fälle zu klären, Außenstände einzutreiben und das Büro zu schließen. Es steht katastrophal im die Finanzen der Kanzlei. Pierce erkennt das Potenzial in dem wandelnden Jura-Lexikon Roman und stellt ihn ein. Ein bisschen “sozialen Touch” kann jede Kanzlei gebrauchen.

Bevor Pierce jedoch Roman einstellen kann, sucht der introvertierte Mann einen Job. Unter anderem taucht er bei einer Bürgerrechtsstreit-Vereinigung auf. Hier lernt er Maya Alston (Carmen Ejogo) kennen. Da die Vereinigung jedoch ehrenamtlich arbeitet, kann Roman hier nicht arbeiten. Er nimmt den Job bei Pierce an – und lernt schnell, dass diese Kanzlei nur auf Geld aus ist. Roman verändert sich zusehends nachdem er einen juristischen Fehler begangen hat, der einem Mandanten das Leben kostet. Roman begeht eine schwerwiegende Tat, die ihn immer tiefer in eine Welt reinzieht, die nicht zu ihm passt.

Meinung von

Der Film ging voll an mir vorbei. War der überhaupt im deutschen Kino? Wenn ja, dann nur sehr kurz - was schade ist. So schlecht ist Roman J. Israel, Esq. nämlich nicht. Autor und Regisseur Dan Gilroy kann anscheinend gute Dramen mit komplizierten Figuren schreiben und filmen. Sein Regie-Debüt Nightcrawler war auch unbequem, aber gut. Die Figur des Roman J. Israel, der laut Pierce sowas wie ein Autist ist, ist voller Leidenschaft für das, was er macht. Aber anstatt sich in den Gerichtssaal zu stellen und mit flammenden Reden die Armen und Schwachen zu verteidigen, fristet er ein Dasein im Schatten. Was für ihn okay ist.

Als dann "das Gesicht" der Kanzlei ausfällt, muss Roman doch raus. Er eckt immer und über all an. Er ist direkt und ehrlich. Wenn er ein Unrecht vor sich hat, wenn ihm ein Rechtsanwalt oder ein Richter einen Deal anbietet, den er nicht als gerecht ansieht, wird er bissig und stur. Das müssen dann die Mandanten spüren. In einer korrupten Welt, in einer Welt, in der das Geld regiert, da ist ein ehrlicher, sozial inkompetenter Anwalt nicht das, was man auf der Anklagebank neben sich haben will. Vielleicht möchte man das haben, aber es ist nicht gut.

So eine komplizierte Figur benötigt einen guten Schauspieler, der die Figur tragen kann. Mit Denzel Washington hat man einen solchen Schauspieler gefunden. Washington hat ein paar Pfunde zu viel, einen mächtigen Afro und viel zu große, schlabberig sitzende Anzüge. Sein Gang ist seltsam. Roman isst viel Erdnussbutter. Wenn er vor jungen Aktivisten reden soll, eingeladen von Maya, zeigt sich, dass er mit dieser Welt nicht umgehen kann. Er will höflich sein und zwei jungen Frauen zu einem Sitz verhelfen - die pissen ihn an, er sei sexistisch und antiquiert. Dabei will er einfach nur höflich sein.

Maya ist angetan von diesem ehrlichen Mann, der sich mit vollem Herz für sozial Benachteiligte einsetzen will. Wenn die beiden nachts durch die Straßen gehen und einen bewusstlosen Mann finden, von dem sie annehmen, er sei tot, steckt Roman ihm seine Visitenkarte zu. Er möchte nicht, dass dieser namenlose Mann einfach eingeäschert wird. Jeder hat das Anrecht auf ein vernünftiges Begräbnis, so Roman. Wer macht sowas, fragt sich Maya? Die Begegnung mit Roman soll Maya helfen.

Was Maya nicht weiß, als sie Roman das sagt: Unser Held hat sich drastisch verändert. Sein Fehler, der einem Mandanten das Leben gekostet hat, hat Roman gewandelt. Er begeht eine juristisch und ethisch falsche Entscheidung, die seine Welt auf den Kopf stellt. Roman kauft sich neue Anzüge und zieht in die Innenstadt. Er wird irgendwie hart und schwimmt auf dem kapitalistischen Weg der Juristerei mit. Wir sehen das und es sollte jedem das Herz brechen. Washington spielt sehr gut. Sein Schauspiel hat ihm sogar eine Oscar-Nominierung eingebracht.

Regisseur Gilroy macht keine leichte Kost. Wenn der Film im Kino war, ist das klar ein Grund, warum die große Menge den Film abgelehnt hat. Das Ende ist weit von "happy" entfernt. Aber es ist ein gutes Ende.

Washington spielt beeindruckend einen unsozialen Mann, der einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und Ehrlichkeit hat. Natürlich ist der nicht fit für diese Gesellschaft und muss an ihr kaputt gehen. Roman wird durch den Herzinfarkt seines Geschäftspartners in eine Krise geworfen, aus der er nicht mehr herauskommt, sondern von ihr verschlungen wird. Auch wenn er zum Schluss begreift, was er alles falsch gemacht hat und das wieder richtigstellen will. Er soll scheitern.

Colin Farrell kommt eklig glatt daher, ist aber nicht so schlimm, wie man es im ersten Moment annimmt. Er ist kein Engel, aber eben auch nicht voll daneben. Er stützt die Figur Romans.

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