Filmplakat Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis
8/10

„Ich sag' gern: Wer mich sieht, hat den schlimmsten Tag seines Lebens.“ (Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis, 2014)


Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis

Besprechung

Der Kleinganove Louis Bloom (Jake Gyllenhaal) hält sich u.a. mit dem Diebstahl von Metall über Wasser. Eines Abends sieht er jedoch einen Unfall auf dem Highway. Er steigt aus und sieht zunächst die Polizisten, die einer eigeklemmten Frau helfen, dann rauscht Joe Loder (Bill Paxton) heran, der als Freier Filmaufnahmen macht, die er dann an TV-Sender verkauft. Je blutiger, desto besser.

Louis wittert eine neue Chance. Er besorgt sich eine Kamera und einen Polizei-Scanner. Von dort an fährt er durch die Nächte von Los Angeles, immer auf der Suche nach Filmmaterial. Tatsächlich bekommt er einen Unfall vor die Linse und gutes Material in den Kasten. Er verkauft das Filmchen an die Produktionschefin Nina Romina (Rene Russo). Sie gehen eine lukrative Geschäftsbeziehung ein. Louis holt sich noch den jungen Rick (Riz Ahmed) als Angestellten dazu.

Eines Abends bekommt Louis die große Chance seines Lebens. Er ist noch vor der Polizei an einem Ort des Verbrechens. Er hält seine Kamera gnadenlos auf das Geschehen. Eigentlich ist Sender-Anwalt Frank Kruse (Kevin Rahm) strikt gegen das Senden des Materials, doch Nina ist begeistert und schickt das Verbrechen über den Äther.

Der gewitzte und skrupellose Louis hat aber nicht alles Filmmaterial an den Sender gegeben. Er hat noch etwas anders vor.

Meinung von

Jake Gyllenhall hat für seine Rolle des Louis extrem abgenommen. Seine Figur ist verhärmt, ausgemergelt, hat Ringe unter den Augen, die nun sehr groß wirken. Sein Louis ist gewalttätig, aber im richtigen Moment auch sehr höflich, aufmerksam und redegewandt. Das macht ihn so gefährlich. Er ist ein Einzelgänger ohne besondere Schulausbildung, der sich irgendwie durchschlagen muss. Bis er eines Tages ein neues Talent entdeckt: Verbrechen filmen. Da wird auch schon mal der Tatort verunreinigt, die Leiche bewegt o.ä. Louis macht alles, um gut in seinem Job zu sein.

Rick verarscht er von Anfang an. Rick ist eine noch heruntergekommenere Figur als Louis. Natürlich ist er dankbar, dass er einen Job bekommt und ist er noch so schlecht bezahlt. Louis hingegen schmeichelt ihm ein und lügt ihm das Blaue vom Himmel. Ist Louis am Anfang noch seltsam, aber doch interessiert und aufmerksam, wird er langsam immer mehr gefährlich. Seine Beziehung zu Nina will er in eine für ihn sehr gewinnbringende – auf verschiedenen Ebenen – Richtung wenden.

Nina hat wiederum auch ihre Gründe, sich auf Louis einzulassen. Sie braucht ihn – oder besser seine Geschichten. Sie muss Quoten bringen, sonst ist sie raus. Und da sie nicht mehr die Jüngste ist, muss sie sich auch mit dem Teufel einlassen. Das ist nicht nur Gier auf Blut. Das ist auch Überlebenskampf.

Nightcrawler stammt aus der Feder von Dan Gilroy, der zuvor u.a. schon den wunderschönen Film The Fall schrieb, oder auch die Vorlage zu Das Bourne Vermächtnis lieferte. Nicht nur schrieb er Nightcrawler, Gilroy führte auch zum ersten Mal Regie in einem Film. Das hat er sehr ordentlich gemacht, kann man sagen. Der Film ist eine Charakter- und eine Gesellschaftsstudie, routiniert und durchaus spannend umgesetzt. Ein Film, der eine gewisse Nachwirkung hat.

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