Filmplakat Outland – Planet der Verdammten
7/10

„Ich habe herausgefunden, dass ich ein Schräubchen bin, das falsch funktioniert.“ (Outland – Planet der Verdammten, 1981)


Outland – Planet der Verdammten

Besprechung

Auf dem dritten Mond des Jupiters, auf Io, wird Titanium abgebaut. 2411 Menschen leben und arbeiten hier. Die Bedingungen sind extrem hart, deshalb bleibt man hier auch in der Regel nur ein Jahr. Seit Kurzem drehen Arbeiter durch und nehmen sich das Leben. Das fällt niemandem auf, es wird als “normal” abgetan. Immerhin ist man hier einige Hundertmillionen Kilometer von der Erde entfernt in einer extrem lebensfeindlichen Umgebung. Da kann schon mal einer durchdrehen.

District Federal Marshall William T. O’Niel (Sean Connery) ist mit seiner Familie gerade frisch in der Minen-Kolonie angekommen. Seine Frau kann es jedoch nicht schon wieder auf einem dieser öden Felsbrocken aushalten und verlässt ihren Mann. Der Marshall hängt sich voll in die Arbeit. Er nimmt nicht hin, dass sich immer mal wieder Leute umbringen. Die ältere, schon etwas abgewrackte Ärztin Lazarus (Frances Sternhagen) hilft O’Niel. Sie findet heraus, dass seit einem Jahr die Zahl der Selbstmorde halbjährlich angestiegen sind.

O’Niel geht der Sache nach und findet heraus, dass General Manager Sheppard (Peter Boyle) hinter den Selbstmorden zu stecken scheint. Der Marshall erklärt dem Manager den Krieg – und steht fortan alleine auf weiter Flur. Niemand in der Kolonie will ihm helfen. Erst recht nicht, als O’Niel mitbekommt, dass Sheppard von der Minen-Firma zwei Attentäter einfliegen lässt. O’Niel ist so gut wie tot.

Meinung von

Outland ist ein Western in den Weiten des Weltalls. Die Menschen haben sich ausgebreitet im All und arbeiten an den wildesten Orten, so auch in unmittelbarer Nähe zum Gasriesen Jupiter. Die Menschen fliegen durchs All, dabei werden sie in Hyperschlaf versetzt. Der Abbau des Erzes erfolgt in Raumanzügen. Da hört es dann auch schon auf, SciFi zu sein. Was folgt ist ein klassischer Western.

Der Marshall ist der einzige, aufrechte Mann in der Kolonie. Früher haben die Gesetzeshüter stets in die andere Richtung geschaut, doch nicht O'Niel. Es hat einen Grund, dass er in der Kolonie festhängt. Hier landet man nicht, weil man belohnt wird. O'Niel ist sich dessen bewusst. Der Weggang seiner Frau und seines Sohnes führen ihm noch einmal mehr vor Augen, dass er ein Versager ist. Doch er will keiner sein. Klar, könnte er jetzt auch einfach wegschauen und eventuell sogar noch die Hand aufhalten, aber er will sich noch einmal beweisen. Da nimmt er dann auch den Kampf gegen Goliath auf sich.

Sheppard ist das, was im Western der böse Grundbesitzer ist, der alle schikaniert. Nur schikaniert er hier in der Kolonie niemanden, er will Erfolge erzielen. Wie immer zählt nur das Geld. Die Firma, die die Schürfrechte hat, will natürlich im Spiel bleiben. Also muss Geld gemacht werden wie blöde – unter allen Umständen. Sheppard weiß wie man die Produktivität steigert: durch Drogen. Dass die Nebeneffekte haben, ist egal. Hauptsache das Geld stimmt. Dass sich Menschen das Leben nehmen ist egal. Hauptsache das Geld stimmt. Gegen dieses System muss O'Niel antreten – und zwar alleine. Niemand will dem Neuen helfen.

Regisseur Peter Hyams (Unternehmen Capricorn, 2010 – Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen) - der auch die Geschichte geschrieben hat – greift das Western-Motiv schön auf. Auch wenn er immer wieder den Countdown zeigt, bis das nächste Versorgungsschiff andocken wird, das Schiff mit den Attentätern an Bord. Das baut gut Spannung auf, die zum großen, klassischen Showdown führt.

Outland ist aber nicht nur ein Western, der rein zufällig im Weltall spielt, er ist auch eine Kritik an der Ausbeutung der Arbeiterklasse. Die Minenarbeiter in der Kolonie leben auf engstem Raum, haben kaum Privatsphäre und können sich im Grunde nur in der Bar oder dem Bordell "austoben". Das ist kein Leben. Nur Arbeiten! Du musst funktionieren! Notfalls auch mit Drogen und wenn es da Nebeneffekte gibt – der nächste Konvoi mit neuem Arbeiter-Vieh ist schon unterwegs.

Der Film ist zwar ein SciFi, hat aber kaum Spezialeffekte. Hyams ließ Modelle der Kolonie bauen, wie man es damals eben gemacht hat. Raumanzüge, ein Raumschiff – mehr braucht es nicht, um ein SciFi zu sein. Der Eingang zur "Polizei-Station" ist wie eine Schwingtür in einem Saloon eines klassischen Western aufgebaut. Noch ein Hinweis auf Western-Mentalität. Es gibt keine Laser, dafür ganz normale Schusswaffen.

Sean Connerys Charakter ist gut gezeichnet. Er arbeitet viel, ist kurz davor seine Familie zu verlieren. Dann will er sich selber beweisen, dass er kein Verlierer ist und dass sein Job als Ordnungshüter noch eine Bedeutung hat. Bei der Action (nicht das, was man heute unter Action versteht) geht unter, dass er eigentlich seine Frau liebt. Man denkt, er müsse nun mit Dr. Lazarus anbandeln. Immerhin haben sich hier zwei gebrochene, alte Klepper gefunden. Hymans reißt jedoch zum Ende das Ruder herum und vereint das Ehepaar O'Niel nach getaner Arbeit. Das ist gut so.

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