Filmplakat Unternehmen Capricorn
6/10

„Hey Horace, ist der Mars der rote oder grüne? Hab' ich vergessen.“ (Unternehmen Capricorn, 1977)


Unternehmen Capricorn

Besprechung

Der große Tag steht bevor für die drei Astronauten Charles Brubaker (James Brolin), Peter Willis (Sam Waterston) und John Walker (O.J. Simpson). Der Start zur Reise zum Mars ist da. Ein neuer, wichtiger Schritt für die Menschen. Wobei … so wichtig scheint das doch nicht zu sein. Nicht einmal der Präsident der Vereinigten Staaten hat es zum Start geschafft, nur der Vize-Präsident wird geschickt.

Die Astronauten sind schon in der Raumkapsel, der Countdown läuft bereits, da werden die drei Männer aus der Rakete rausgeholt und in ein Flugzeug nach Nirgendwo verfrachtet. Völlig verwirrt, lauschen die Männer den Ausführungen von Missionsleiter und Brubakers Freund Dr. James Kelloway (Hal Holbrook). Er erklärt den Verdutzten was hier gespielt wird. Die Menschen sind der Raumfahrt müde und verstehen nicht, wieso das alles so teuer sein muss. Deshalb muss überall gespart werden. Die Firma, die den Zuschlag für das Lebensrettungssystem erhalten hat (weil es so schön günstig war), hat, so Kelloway, Mist abgeliefert. So konnte er die Männer nicht zum Mars schicken. Das wäre ein Himmelfahrtskommando geworden.

Die nächsten Monate verbringen die Astronauten wartend in einer geheimen Basis. Die Marslandung wird im Studio gedreht. Als die Mannschaft – angeblich – vom Mars zurückkommt, passiert ein Unglück, das unangenehme Konsequenzen für die Raumfahrer hat.

Meinung von

Ah, ein Film, der das Thema mit der gefakten Mondlandung aufnimmt. So dachte ich. Wobei … so unglaubwürdig ist die ganze Geschichte nicht. Es entspricht der Tatsache, dass die Menschen der Raumfahrt müde wurden und die hohen Ausgaben immer noch nicht verstehen. Und wenn die Technik so mies ist, dass die Besatzung so oder so sterben würde, dann macht man es eben im sicheren Studio. Das kann auch bei der Mondlandung 1969 so gewesen sein.

Die Thematik mit dem geschwundenen Interesse wird auch noch vom Senator Hollis Peaker (David Huddleston) aufgegriffen, wenn er drauf hinweist, dass es zwar genügend Probleme auf der Erde gäbe, die es zu lösen gälte, aber es ginge bei der ganzen Raumfahrt auch im das Ansehen der USA, das in der letzten Zeit geschwächt worden wäre. Also das alte Spiel ...

Nur sind Armstrong und Co. heil auf der Erde gelandet und konnten sich feiern lassen. Auch wird damals niemand die Richtigkeit der Fernsehbilder in Frage gestellt haben. In Unternehmen Capricorn ist es der NASA-Mitarbeiter Elliot Whitter (Robert Walden), der über seltsame Signale stolpert. Und der Reporter Robert Caulfield (Elliott Gould) bekommt die Geschichte noch gesteckt von seinem Kumpel Elliot. Der NASA-Mensch verschwindet, als hätte es ihn nie gegeben und Caulfield muss auch um sein Leben fürchten. Da sind die Jungs von der Behörde schon gründlich. Das macht alles einen guten Verschwörungstheorie-Fim aus.

Die Begründung für die Studio-Aufnahmen ist schlüssig, die Figur von Kelloway entsprechend glaubwürdig. Die Astronauten hingegen sind alle etwas lahm. Zwar hat Brubaker zwischendurch noch einmal Gewissensbisse, aber mehr wird das auch nicht. Danach wird er wieder blass - und das, obwohl er doch eine der Hauptpersonen ist.

Elliott Gould spielt den quirligen, trotzigen Reporter gewohnt gut. Dann hört es aber auch schon auf.

Aus heutiger Sicht fehlt dem Film die Geschwindigkeit. 1977 war das bestimmt alles aufregend, aber heute würde man mehr Verschwörung, mehr Tempo, mehr Gefahr einbauen. Da bin ich wohl durch meine Sehgewohnheiten schon versaut. Schade. Denn wie gesagt: die Grundidee von Unternehmen Capricorn ist sehr gut. Hätte ich ihn früher in meiner Kinogänger-Karriere gesehen, hätte ich ihn wohl besser gefunden.

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