Filmplakat Nicht auflegen!
8,5/10

„Das Fernsehen bringt das Schlechteste im Menschen zum Vorschein.“ (Nicht auflegen!, 2002)


Nicht auflegen!

Besprechung

Stu Shepard (Colin Farrell) ist ein PR-Agent in New York: Jung, gestylt, ständig am Mobiltelefon und ewig den Menschen etwas vormachend. Soweit nichts Besonderes. Jeden Tag geht er zu einer festen Zeit in eine kurz vorm Abriss stehende Telefonzelle in der 53. Straße um die kleine Pamela McFadden (Katie Holmes) anzurufen. Die muss man doch rumbekommen! Dafür nimmt Stu auch schon einmal seinen Ehering ab. Auch noch nicht spannend.

Der Spaß beginnt, als ein Pizzabote vor Stus Telefonzelle steht um die bestellte Pizza zu liefern. Pizza in ‘ne Telefonzelle? Seltsam. Tritt in den Arsch des fetten Pizzabotens und gut. Stu will gerade wieder seinen Geschäften nachgehen, als das Telefon klingelt. Er geht ran und eine unangenehme (Synchron-)Stimme meldet sich. Der Anrufer verwickelt Stu in ein kleines Psycho-Gespräch, das sich immer weiter auszuweiten beginnt. Stu darf nicht auflegen. Macht er es doch, ist er tot. Denn der Anrufer hat ihn ihm Visier seines Gewehrs.

Die Situation verkompliziert sich, als der mysteriöse Anrufer einen Mann erschießt. Stu wird für den Mörder gehalten, hat aber doch nur ein Mobiltelefon in der Tasche und einen Verrückten an der Strippe, der ihm verbietet die Telefonzelle zu verlassen. Doch sagen darf er das der aufgelaufenen Hundertschaft vor der Zelle nicht. Zum Glück gibt es Captain Ramey (Forest Whitaker), der die Situation zu durchschauen beginnt.

Wie kommt man aus so einer Situation raus? Mit der Wahrheit? Die darf Stu nicht sagen. Oder doch?

Meinung von

Cooles Teil. War zwar recht kurz mit 91 Minuten, aber länger hätte er nicht sein dürfen. Die 91 Minuten sind jedenfalls spannend ausgefüllt. Stu hat einen Wahrheitsverliebten Fanatiker an der Strippe, der miese, fiese Psychospiele mit ihm treibt. Ein paar Mal war ich kurz davor zu sagen, dass mir die Einstellung auf die Telefonzelle und der ewige Dialog zwischen dem Image-geilen Stu und dem unbekannten Anrufer auf die Nerven geht. Doch Regisseur Joel Schumacher hat meine Gedanken erraten und immer genau in diesen Momenten etwas passieren lassen, das die Handlung auflockert und wieder spannend macht.

Im Endeffekt eigentlich schwierige Kost, lebt der Film doch nur von den Dialogen, Schauplatzwechsel gibt es nicht. Aber echt nicht schlecht umgesetzt. Allein die Beweggründe des Anrufers wirken irgendwie anachronistisch und "störend". Und Stus Frau Kelly (Radha Mitchell) fand ich auch nicht so dölle, eher nervend. Naja ...

Interessant fand ich übrigens auch die Mehrfacheinstellungen, respektive den gesplitteten Screen, um zu zeigen, was gleichzeitig an anderen Stellen passiert. Ich hatte es ja schon in der Kritik zu Hulk angekündigt, dass Nicht auflegen! dieses visuelle Mittel ausreizen würde. Nett. (Ich hoffe dennoch, dass dieser Effekt jetzt nicht wieder in jedem zweiten Film auftaucht ...)

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