Filmplakat Malcolm X
8/10

„Nirgendwo auf dieser Welt kann der weiße Mann hingehen und sagen, er hätte Frieden und Harmonie geschaffen.“ (Malcolm X, 1992)


Malcolm X

Besprechung

Malcolm Little (Denzel Washington) kommt aus einem komplizierten Haushalt. Sein Vater, ein Priester, wurde vom Ku-Klux-Klan umgebracht, doch es wurde als Selbstmord dargestellt. Malcolm wuchs in einer Pflegefamilie auf. Er war Klassenbester – aber auch ein Schwarzer und somit stand ihm nicht die Tür auf, ein Rechtsanwalt zu werden. Malcolm wuchs heran und wurde ein Kleinkrimineller. Er lebt während der Zeit des zweiten Weltkrieges ein Leben als aufgemotzter Pimp und verdient sich als Gangster sein Geld.

Es sind nicht einmal die Ganovenstücke, die ihn ins Gefängnis bringen. Unzucht mit weißen Frauen bescheren ihm eine lange Gefängnisstrafe. Als Rebell stellt er sich von Anfang an gegen die Autoritäten, was ihm Einzelhaft in Dunkelheit einbringt. Im Zuchthaus trifft er auf Baines (Albert Hall), der erkennt, dass Malcolm kein dummer Mann ist. Baines bringt Malcolm den Islam nahe und ein Bewusstsein dafür ein Schwarzer zu sein. Malcolm legt seinen Sklavennamen Little ab und nennt sich fortan Malcolm X.

Er nimmt das Gedankengut des Islam an. Er entwickelt ein starkes Gefühl dafür, was es heißt in einem weißen Amerika ein Schwarzer zu sein. Malcolm trifft den ehrwürdigen Elijah Muhammad (Al Freeman Jr.), der das Potenzial in Malcolm erkennt. Malcolm soll die Kirche der Nation of Islam stärken. Malcolm wird Prediger. Die Leute hören ihm zu, wenn er seine wütenden Reden hält, die von Hass geschwängert sind. Erst eine Reise nach Ägypten und nach Mekka zeigen Malcolm die wahre Kraft des Islam. Das kommt zuhause jedoch nicht gut an.

Meinung von

Malcolm X sollte eine bekannte Figur der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung sein. Keine Ahnung, ob sich heutzutage noch jemand an ihn erinnert. Spike Lee nahm sich des Themas auf seine ihm eigene Art an. Eigentlich sollte der Film mit einem anderen Regisseur (Norman Jewison, Rollerball) besetzt werden, aber Lee war es so wichtig, dass das Thema von einem Afroamerikaner verfilmt wird, dass er alles dafür getan hat, um in den Regiestuhl zu gelangen. Jewison trat nach einem Gespräch mit Lee zurück und übergab Lee die Führung.

Der Streifen dauert über drei Stunden. Lee war der Meinung, dass das reichhaltige, facettenreiche Leben des Malcolm X nicht in einen 90-Minuten-Film zu pressen sei. Malcolm X hatte in seinem Leben viele Stationen und auch Sinneswandel durchlebt. Die kann man nicht an einer Perlenschnur abzählen. Dennoch bin ich der Meinung, dass die Vorgeschichte, also die Periode vor seiner Inhaftierung, zu lang ist. Lee verbracht fast eine Stunde damit, uns zu zeigen, was Malcolm Little für ein Mensch war.

Er war ein Afroamerikaner, der sich wie ein bunter Gockel gab. Geld und Frauen sind alles, was zählt. Auch weiße Frauen. Malcolm ging mit der Mode und ließ sich seine krausen Haare mit Chemikalien glätten. Er passte sich an, unterbewusst wollte er weiß sein. Das wird alles klar, aber hätte auch gekürzt werden können.

Die eigentliche Geschichte beginnt aber erst im Gefängnis. Baines zeigt seinem Protegé auf, dass dieser sich den weißen Teufeln anbiedert. Malcolm nimmt die sehr strengen Lehren Baines' an. Als er nach sechs Jahren aus der Haft entlassen wird und anfängt für Elijah Muhammad zu predigen, sind seine Ansichten sehr radikal, geradezu rassistisch. Für Malcolm sind alle Weißen schlecht – ohne Ausnahme. Das ist eine Radikalisierung des Islams.

Lee zeigt den Wandel in der Person Malcolms überzeugend. Malcolm X unternimmt eine Pilgerfahrt, die ihm die Augen öffnen soll. Er sieht Schwarze und Weiße gemeinsam und in Frieden den selben Glauben ausüben. Malcolm war in einer Einbahnstraße gefangen. Als sich seine Gesinnung, seine Sichtweise der Welt erneut ändert und er eine andere Richtung einschlägt, lässt er die Leute von der Nation of Islam hinter sich. Er macht sich Feinde in den eigenen Reihen. Es gibt Mitglieder, die sich bewaffnen und sich an den Weißen rächen wollen – doch Malcolm lehnt Waffengewalt ab.

Der Bürgerrechtler ist trotz seiner liberaleren Sicht nicht milde. Er hält immer noch flammende Reden, die die Rechte der Afroamerikaner in den USA stärken sollen. Er ist nur nicht mehr in einer Schwarz-Weiß-Welt gefangen. Die Anfeindungen gegen ihn und seine Familie werden immer heftiger.

Also: Abgesehen von der zu langen Einführungsphase ist der Film gut. Er zeigt uns die Biografie des Malcolm X anschaulich. Erst ist er ein Gangster, ein Drogenabhängiger (wobei ich das so gar nicht mitbekommen habe), ein radikaler Verfechter der Rassentrennung und Rückbesinnung auf afrikanische Wurzeln und schließlich ein versöhnlicher Verfechter des Islams, der ein gemeinsames Miteinander fordert – dafür aber umgebracht wird.

Lee hatte übrigens arge Probleme den Streifen zu finanzieren. Das gipfelte gen Ende der Dreharbeiten darin, dass das Filmstudio die Produktion komplett schloss. Lee kam auf die Idee, reiche Afroamerikaner um Geld zu bitten. So konnte Malcolm X am Ende doch noch fertiggestellt werden.

Als der Film fertiggestellt war und in die Kinos kommen sollte, fanden die Rassenunruhen in L.A. statt. Lee nimmt das Überwachungsvideo von den Übergriffen auf Rodney King auf und zeigt es uns gleich am Anfang. Das ist so ein "In die Fresse"-Move, der wirkt. Er ist gut. Er stellt einen Bezug zur Gegenwart her und stimmt uns darauf ein, dass die ungerechte Behandlung der Afroamerikaner nicht ein Ding der Vergangenheit ist, sondern immer noch aktuell.

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