Filmplakat Rollerball
7/10

„Das ganze Leben ist ein Auftrag.“ (Rollerball, 1975)


Rollerball

Besprechung

Es gibt keine Kriege mehr, keine Ungerechtigkeiten, keine Arbeitslosigkeit, keine Regierungen. Corporations leiten die Welt. In dieser Zukunft wird der Rollerball-Spieler Jonathan E. (James Caan) gefeiert. Bereits seit zehn Jahren spielt er für Houston und ist der Top-Spieler überhaupt. Das Spiel selber ist eine Mischung aus Roller-Derby und Football, gepaart mit Motorrädern auf der Rollbahn. Rollerball ist eine Art moderne Gladiatorenkampf. Es kommt auch schon mal zu Toten.

Eines Tages, kurz vorm Halbfinale, kommt der Chef der Energy-Corporation, Bartholomew (John Houseman), auf ihn zu und verlangt von Jonathan, dass er zurücktritt. Dabei bekommt Johnny keinen befriedigenden Grund genannt. Er soll nur abdanken. Es würde Johnny weiterhin gut gehen, er hätte immer noch ein großes Haus, Drogen und Frauen – alles von der Corporation gestellt. Aber einen Grund erhält er nicht. Das wurmt Johnny. Er versucht von seinem alten Kumpel Cletus (Moses Gunn) etwas zu erfahren. Doch trotz seiner Beziehungen zur Geschäftsführung weiß er auch nichts.

Weil Johnny nicht zurücktreten will, gehen die Corporation daher und verändern die Regeln von Rollerball. Es wird immer gefährlicher und blutiger. Erst gegen Tokio, am Ende gegen New York.

Meinung von

Ein Klassiker. Nicht nur wegen des Alters, das der Film auf dem Buckel hat. Basierende auf der Kurzgeschichte von William Harrison fühlten sich damals genügend Leute von der Handlung angesprochen – hauptsächlich aber von der Gewalt des Spiels. Regisseur Norman Jewison (Cincinnati Kid, In der Hitze der Nacht) zeigt uns eine Welt, die "perfekt" ist. Es gibt keine Kriege, keinen Hunger mehr. Das funktioniert aber nur, wenn die Menschen sich großen Firmen hingeben. Seien wir ehrlich, die Wirtschaft bestimmt jetzt auch schon die Politik. So richtig SciFi ist rollerball also nicht.

Neben der Kritik an der Macht der Wirtschaftsbosse, geht Rollerball auch gegen die Sensationslust im Fernsehen vor. Sportereignisse wurden zu der Zeit erstmals richtig hetzerisch ausgeschlachtet. Der Sport wurde zum Gladiatoren-Kampf – was in Rollerball nicht anders ist. Die Menschen sitzen rund um die Arena und feuern ihre Gladiatoren an. Wenn einer drauf geht, steigerte as nur den Spaß.

Rollerball ist aber noch vielschichtiger. Die Menschen in dieser utopischen Welt voller scheinbarer Freiheit, sind genau das nicht: frei. Es gibt für jeden Anlass freie Drogen, um die Sinne abzulenken. Frauen sind austauschbare Objekte. Johnny hatte eine Frau, doch ein Wirtschaftsboss hat gesagt, dass er sie haben will – also musste Johnny sie abtreten. Doch darüber ist er nie wirklich hinweggekommen. Wissen wird geschränkt. Wenn Johnny etwas über die wahren Machtverhältnisse der Corporations erfahren will, kommt er nicht an die Informationen heran. Bücher? Liest doch keiner mehr. Und selbst der große Wissensspeicher in Basel will Johnny keine Auskunft geben.

Johnny will verstehen, wieso er nach zehn Jahren Erfolg im Rollerball-Geschäft so einfach zurücktreten soll. Was er nie erfahren wird ist, dass er den Corporation gefährlich wird. In dieser Zukunft darf ein Individuum keinen Erfolg haben, es darf nicht sein, dass Johnny das Signal setzt, man könne etwas erreichen, wenn man sich anstrengt. Bartholomew erklärt es im Film: Das Spiel wurde geschaffen, um die Nutzlosigkeit individueller Anstrengungen zu demonstrieren. Weiter: ... und das Spiel muss seinen Zweck erfüllen. Klar, dass Johnny den Oberen ein Dorn im Auge ist. Die heile Welt ist keinesfalls heil. Die Corporations haben so viel Angst vor Johnny, dass sie die Regeln des Spiels massiv verändern und es damit tödlich machen.

Für damalige Verhältnisse war Rollerball extrem brutal, aus heutiger Sicht ist das alles milde. Nachdem Rollerball in den Kinos lief (in Frankreich gab es ein Kino, das den Streifen ein Jahr lang im Program hatte), wollten die Leute vor allem in den Staaten Rollerball spielen. Egal wie blutig es ist. Die Regeln für das Spiel wurden übrigens "on the fly" entwickelt, da Harrison in seiner Geschichte nicht auf diese einging. Die Arena war so groß, dass man in den Staaten keine geeignete Räumlichkeit dafür fand. Man wurde in München fündig – James Caan und Co. drehen ihre Runde im ehemaligen Olympia-Basketball-Court.

Rollerball ist für heutige Maßstäbe sehr ruhig. Seltsam – um nicht zu sagen unnütz – fand ich die Szene, ind er eine Horde Partygäste mit einer Art Laserpistole in die Natur läuft und dort Bäume abfackelt. Wenn mir das bitte jemand erklären möge?

Trotz seiner etwas langatmigen Erzählweise ist Rollerball voll mit gesellschaftskritischen Themen, dass man den Film gesehen haben muss. Der Film hat übrigens auch etwas für Schriftenliebhaber. Die für Rollerball typische "Computer-Typo" wird konsequent durch den Film benutzt, nicht nur für den Titel. Jedes Stockwerk, jede Tür, jeder öffentliche Hinweis ist in der Typo gehalten, überall auf der Welt. Wow.

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