Filmplakat Lohn der Angst
6,5/10

„Ich bin kein Nitroglyzerin. Ich bin nicht gefährlich. Jetzt nicht mehr.“ (Lohn der Angst, 1953)


Lohn der Angst

Besprechung

Eine kleine Stadt irgendwo in Südamerika. Die weißen Ausländer, die hier gestrandet sind, haben alle keinen Job, schmarotzen sich durchs Leben. Mario (Yves Montand) ist einer von ihnen. Der Charmeur wohnt mit dem Maurer Luigi (Folio Lulli) zusammen, turtelt mit der Bar-Angestellten Linda (Véra Clouzot) und lebt von einem Tag in den nächsten. Bis Jo (Charles Vanel) auftaucht. Er gibt sich groß, hat aber selber auch keinen Pfennig auf der Naht.

Mario und Jo kommen beide aus Frankreich. Das verbindet. Fortan hängt Mario dem älteren Herren wie ein Schoßhündchen am Rock.

Als bei der SOC, der Southern Oil Company, eine Ölquelle brennt, benötigt die Firma 2000 Kilometer entfernt Nitroglyzerin. Bill O’Brien (William Tubbs) sucht vier unerschrockene Fahrer, die in Zweiergruppen je eine Tonne des hochexplosiven Stoffs quer durch den Dschungel und durch Berge fahren sollen.

Mario und Jo bilden ein Team, Luigi und Bimba (Peter van Eyck) das andere. So fahren sie von einer Gefahr zur nächsten, immer den Tod im wahrsten Sinne des Wortes im Nacken.

Meinung von

Anfang der 1950er hat man Geschichten anders erzählt, als man das heute macht. Von den 131 Minuten gehen bestimmt knapp 60 für die Einführung der Personen in dieser kleinen, heißen Stadt irgendwo in Südamerika drauf. Wir lernen wie trostlos das Leben dort ist, dass alle Ausländer raus wollen, aber die Entfernungen sind zu groß, als dass man sie einfach zurücklegen könnte. Also braucht man Geld, aber für die Weißen gibt es keine Jobs. Der Alltag ist öde, quälend, grausam.

Zudem bekommen wir mit, wie das Verhältnis von Mario zu Linda ist.

Mario lebt auf, als er seinen Landsmann Jo in seiner Nähe hat. Er vernachlässigt seinen Freund Luigi und seine Freundin Linda. Wie ein Schoßhündchen läuft er hinter dem Mann her, der sich gerne groß aufspielt. Hier erleben wir den ersten Wandel Marios.

Das ist alles gut gemacht, aber für heutige Verhältnisse viel zu lang. Das würde man mittlerweile wohl auf 15 Minuten kürzen.

Wenn die vier Männer sich dann endlich auf den Weg machen, wird der Film richtig spannend. Auch noch über 50 Jahre nach dem Erscheinen ist das, was uns Regisseur Henri-Georges Clouzot bietet, echt spannend.

Anfangs ist die Odyssee mit dem Nitroglyzerin auf dem Laster zwar auch noch etwas zäh, aber spätestens als sie ans erste Hindernis gelangen, zieht und zerrt es an den Nerven. Dabei haben wir nicht die heute üblichen schnellen Schnitte. Hier ist alles in ruhigen Aufnahmen dargestellt.

Den zweiten Wandel in Marios Charakter erleben wir, als er feststellen muss, dass Jo gar nicht so toll und groß ist. Jo kommt immer wie ein kleiner Al Carpone herüber - im Grunde hat er jedoch nur Schiss. Das verägert Mario so sehr, dass er diese Rolle annimmt. Fortan ist er aggressiv, spöttisch und verachtet Jo öffentlich. Gut gespielt.

In dem Film geht es um Ängste und wie Menschen damit umgehen. Angst vor dem Dahinsiechen, Angst vor dem Tod, vor der Gefahr.

Lohn der Angst ist wie gesagt am Anfang zäh, wird dann aber - ohne Tempo - wirklich spannend. Ein Stück Filmgeschichte, das man sich durchaus mal angeschaut haben sollte.

Zwei Dinge fielen dann doch noch auf: Zum einen ist der Film ziemlich rassistisch. Da wird jede Ethnie beschimpft und mit Titeln belegt, die heute nicht als "politisch korrekt" einzustufen sind. Außerdem fiel auf, dass die Figuren alle einen enormen Respekt vor ihrer Fracht haben, aber sich ständig eine Zigarette anstecken. Das gehörte wohl zum Bild dazu. Damals.

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